Radwegenetz im Holzland

Kirchberg will Ausbau statt Neubau

Kirchberg - Die Gemeinde Kirchberg weicht von der bisherigen Politik ab, die immer wieder straßenbegleitende Radwege in den Fokus gerückt hat. Jetzt heißt es plötzlich Ausbau vor Neubau.

Der Kirchberger Gemeinderat ist in seiner jüngsten Sitzung einstimmig auf die Linie des Bürgermeisters eingeschwenkt. Hans Grandinger hatte zuvor folgende Rechnung aufgemacht: „Wir haben im Gemeindegebiet 13,5 Kilometer klassifizierte Straßen. Wenn jetzt alle einen Radweg bekämen, wären das rund 100 Bauparzellen.“

Auf diesen gewaltigen Flächenverbrauch kam der Bürgermeister so: Man brauche rund fünf Meter Platz, weil ein Radweg erstens eine Mindestbreite habe und zweitens von der Straße etwas abgesetzt werden müsse. Das seien Flächen, die der Landwirtschaft fehlen, und obendrein gelte doch allenthalben der Grundsatz, dass man mit Flächen schonend umzugehen habe. „Ich war selbst überrascht, wie viel man da bräuchte“, sagte Grandinger.

Die Alternative: Man sollte sich das vorhandene Wegenetz anschauen und die Frage stellen, ob das nicht voll ausreiche, um sichere und kurze Radwegeverbindungen zu schaffen. Es gebe eine Menge Wege, die bereits im Eigentum der Gemeinde seien. Damit stelle sich auch das Problem der Grundstücksverfügbarkeit nicht. Etliche Wege seien zwar auf dem Papier noch da, seien aber in Vergessenheit geraten, so dass diese vielleicht nur hergerichtet werden müssten.

Obendrein hat sich der Gemeindechef dazu schon in eine andere Richtung schlaugemacht: „Dafür gibt es auch Förderungen.“

Im Gemeinderat herrschte Einigkeit darüber. Georg Strohmaier stellte die Frage, wie der Landkreis beispielsweise entlang der Lindenallee so etwas überhaupt machen wolle. Anton Rasthofer meinte zu der zentralen Frage des Flächenverbrauchs: „Wir können nur mit gutem Beispiel voran gehen.“ Spontan fielen etlichen Gemeinderäten auch noch die alten Kirchenwege ein, die sich wieder in Erinnerung rufen ließen.

Das Thema „Radwegenetz“ ist Teil des Programms „Integrierte ländliche Entwicklung“, und dazu soll eine Arbeitsgruppe auf VG-Ebene gebildet werden. Rasthofer, Strohmaier und Michael Huber werden jetzt Mitglieder dieser Arbeitsgruppe (AG).

Bürgermeister Grandinger hatte bei der Besetzung dieser AG Wert darauf gelegt, dass auch Vertreter der Landwirtschaft dabei sind. Dabei geht es aber auch um grundsätzliche Fragen: Wer soll diese Wege benutzen? Grandinger bezweifelte offen, dass sich der Tourismus in der Holzlandregion dramatisch ausweiten wird: „Sollten wir uns nicht konzentrieren auf die Naherholung in der eigenen Gemeinde?“ Er erntete für diese Frage keinerlei Kritik. Als es um eine zweite AG „Naherholung“ im Rahmen dieses Programms ging, wurde er sogar noch deutlicher: „Sollen wir da überhaupt einsteigen?“ Immerhin ist die Gemeinde Kirchberg schon dabei, mit Dieter Neumaier, Irmgard Oberndorfer und Martin Strobl.

Klaus Kuhn

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