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Ein Blick zurück (v. l ): Pater Edward Lipiec, Bürgermeister Hans Grandinger, Heimatpfleger Wolfgang Lanzinger, Pfarrer Jacek Jamiolkowski und Mesner Toni Picker.

1200 Jahre Kirchberg

Lanzingers Blick in die Vergangenheit

Laut einer Urkunde hielt Bischof Hitto von Freising am 29. Januar 818 einen Gottesdienst in St. Peter und Paul zu Kirchberg. Es war die erste Erwähnung des Ortes. Dies nahm die Pfarrgemeinde von Kirchberg zum Anlass, genau 1200 Jahre später einen Festgottesdienst zu feiern.

Kirchberg – 1200 Jahre Kirchberg feiert die kleinste Gemeinde im Landkreis heuer. Der Auftakt war ein Festgottesdienst in der Kirche St. Peter und Paul. Heimatforscher Wolfgang Lanzinger aus Dorfen war dazu eingeladen, einen Vortrag zum Thema zu halten.

Anfangs war es fast so wie vor 1200 Jahren. Nachdem in einem Teil der Kirche der Strom ausgefallen war, begann der Festgottesdienst etwas verspätet. Authentisch wie im Mittelalter, mit Kerzenschein im Altarraum und ohne Orgelbegleitung, musste das Eingangslied angestimmt werden. Aber schon bald war es mit der romantischen Stimmung im gut besuchten Gotteshaus vorbei, das Licht ging an, und die Heilige Messe konnte wie geplant feierlich fortgeführt werden.

Bürgermeister Hans Grandinger begrüßte die Gäste und erklärte, dass seit damaliger Zeit vor 1200 Jahren viele Generationen in der Umgebung von Kirchberg gelebt hätten. Es seien Kriege über das Land gekommen, Hungersnöte und Krankheiten über die Menschen hereingebrochen, und trotzdem blieben sie hier sesshaft. Und man solle bitte immer daran denken, dass man, wenn man die Heimat in der Gegenwart für die Zukunft gestalten möchte, man auch die Vergangenheit kennen müsse, so Grandinger.

Um die Vergangenheit näher kennenzulernen, sei Heimatforscher Lanzinger eingeladen worden, der einen Querschnitt durch die Geschichte der Kirche und das Leben im Mittelalter rund um den Ort Kirchberg vorstellte. Im Jahr 818 hatte der Freisinger Bischof Hitto in der Kirche St. Peter und Paul in Kirchberg einen Gottesdienst gehalten. Die Bauern der damaligen Zeit lebten arm. Es kam kaum etwas anderes auf den Tisch als geschrotetes Getreide, als Fladenbrot oder als Brei, sowie Rüben, Kohl und Bohnen, manchmal Obst von den eigenen Bäumen. Eine Zeit, in der die Lebenserwartung bei ungefähr 20 Jahren lag, mit einer hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit. Eine armselige Zeit, in der die Menschen ihr Dasein bestreiten mussten. Darum suchten sie im Glauben Zuflucht.

So muss die Begeisterung groß gewesen sein unter dem Volk, als ein hoher geistlicher Herr mit seinem Gefolge zu Besuch kam, Anlass dafür war die Schenkung eines Bauernhofs von Starring an das Bistum Freising. Dieser Vorgang ist in einem Schriftstück mit dem Datum 29. Januar 818 festgehalten – die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche St. Peter und Paul in Kirchberg. „Es ist davon auszugehen, jedoch ist es nicht bestätigt, dass die Ansiedlung noch älter ist“, sagte der Dorfener Heimatforscher in seinem geschichtlichen Abriss durch die damalige Zeit.

Den Vorgang festgehalten habe damals ein Schreiber der bischöflichen Kanzlei namens Cozroh. Er fertigte die Schenkungsurkunde, die nun erster greifbarer Fakt der Geschichte Kirchbergs ist, und sorgte damit dafür, dass der Vorgang auch in der heutigen Zeit noch nachzuvollziehen ist.

Die Kirche St. Peter und Paul in Kirchberg, wie sie heute dasteht, ist knapp 300 Jahre alt, vom aus der Region stammenden Architekten Anton Kogler in der Barockzeit um 1729 geplant und umgesetzt. „Es ist davon auszugehen, dass das erste Bauwerk einer Kirche, wie sie in der Urkunde erwähnt wird, aus Holz errichtet worden war und frühestens im Hochmittelalter in der Romanik durch eine Kirche aus Stein ersetzt worden ist“, erklärte Lanzinger. Hier gebe es zwischen Mittelalter und Barock eine große Aufzeichnungslücke.

Großes Interesse der Kirchenbesucher galt anschließend noch einer ausgelegten Kopie der Abschrift der Schenkungsurkunde von 818 aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv. Das Original ist nicht mehr vorhanden.

Monika Kronseder

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