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Mutter und Sohn sterben an Corona - im Abstand von nur einem Tag

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Winfried Scheckenhofer (55) und seine Mutter Maria (81) aus Baustarring (Gemeinde Kirchberg) sind gestorben – beide an Covid-19 im Abstand von nur einem Tag.
Winfried Scheckenhofer (55) und seine Mutter Maria (81) aus Baustarring (Gemeinde Kirchberg) sind gestorben – beide an Covid-19 im Abstand von nur einem Tag. © Privat

Sie waren ein eingeschworenes Team, arbeiteten hart und viel, wussten aber auch das Leben zu genießen. Nun sind Winfried Scheckenhofer und seine Mutter Maria aus Baustarring an Covid-19 gestorben.

Baustarring – „Da Wipp“, wie er von allen genannt wurde, war mit Leib und Seele Viehhändler, ein „richtiges Gwachs“, immer gut drauf. Sein Geschäft verstand er, und er wollte jedem gerecht werden, sagt sein Bruder Hans. „Leben und leben lassen, war seine Devise.“ Bis nach München und Buchloe fuhr er hauptsächlich Rinder, die Schweine überließ er seinem Bruder, der bei ihm angestellt war.

Der Wipp hatte Metzger gelernt, war der erste Lehrbub vom Simeth in Wartenberg, mit dem er bis zum Schluss befreundet war und dem er jede Woche Tiere lieferte.

Sohn und Mutter sterben an Corona: Es gibt viele Freunde, „die wir trösten mussten, als sie es erfuhren“

Der 55-Jährige war zu 100 Prozent zuverlässig, das galt für die Kundschaft ebenso wie für Familie und Freunde. Er hatte viele langjährige Kunden, aus denen Freunde wurden und „die wir trösten mussten, als sie es erfuhren“, sagt Schwägerin Christine.

Viel Freude hatte er mit seinen Hunden, zuletzt Igor, der bei ihm alles durften. 1987 gründete er sein eigenes Unternehmen, 2001 übernahm er dann auch das Geschäft seines Vaters. Nebenbei betrieb der Wipp noch die eigene kleine Landwirtschaft. Er hatte Freude am Leben – früher machte er auch Fernreisen bis nach Südamerika, später ist er mit seinen Freunden vom Scharfen Eck oft nach Südtirol gefahren.

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Zweimal in der Woche war er im Bergcafé, seinem Stammlokal in geselliger Runde. Leidenschaftlich spielte er Schafkopf und war da eine Größe im Holzland.

Zugleich war er ein Familienmensch, stolz auf die drei Kinder seines Bruders und Urenkel Jakob. Sein Neffe Johannes wohnt seit vier Jahren bei ihm. Er sollte sein Nachfolger werden.

Mutter und Sohn wurden mit Covid 19 eine Woche auf der Intensivstation beatmet

Oma Schecki stammte aus Deutenhausen bei Dachau. Ihren Mann Johann lernte sie in Holzhausen kennen, wo sie ihre Tante mit 14 Jahren auf dem Hof und im Haus unterstützte. Mit 20 Jahren heiratete sie und baute mit ihrem Mann das Geschäft auf. Bis zuletzt war ihr der Kundenkontakt wichtig, die Abrechnungen fuhr die 81-Jährige noch persönlich mit dem Auto aus. Dann ging oft noch ein Ratsch oder ein Kaffeekranzerl, wie sie es auch mit ihren Freundinnen früher monatlich pflegte.

Schon mit 37 Jahren erkrankte Maria an Rheuma, werkelte aber tapfer weiter. Die Krankheit forderte ihren Tribut, seit fünf Jahren kam die Caritas drei Mal wöchentlich zur Unterstützung vorbei. Vor drei Jahren verlor sie ihren Mann Hans.

Impfen lassen wollte sich Wipp nicht. Die ersten Corona-Symptome hatte er am 23. Oktober. Nach Allerheiligen wurde es so schlimm, dass er ins Krankenhaus eingeliefert wurde, seine Mutter, die zweimal geimpft war, ihren Booster aber noch nicht hatte, einen Tag später. Beide wurden eine Woche auf der Intensivstation künstlich beatmet. Doch am Ende konnten die Ärzte nichts mehr für Mutter und Sohn tun. Beide verstarben. Gut, dass sie nicht wussten, wie schlimm es um den jeweils anderen stand.

Sie sind die Covid-19-Opfer Nummer 128 und 129 im Landkreis Erding seit Pandemiebeginn im März 2020. Mittlerweile hat sie 129 Todesopfer gefordert, die meisten in der dritten Welle im Frühjahr dieses Jahres. Scheckenhofers Betten auf der Intensivstation? Sind längst wieder belegt.

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