Ziemlich verwickelte Geschichte: Unter der Anleitung von Franz Jobst (r.) wurde die Seilmaschine vorgeführt.
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Hoffest im Heimatmuseum Thal

Wenn die Vergangenheit lebendig wird

Es ist ein Phänomen: Die Anziehungskraft, die das Heimatmuseum auf die Bevölkerung ausübt. Auch am Sonntag beim Hoffest war das Gelände in Thal wieder brechend voll. Und die Besucher fühlten sich in der Zeit zurückversetzt.

ThalUm 11 Uhr ging das Hoffest der Kirchberger Oldtimerfreunde im Heimatmuseum Thal los. Nur vereinzelt hatten sich Besucher nach regnerischem Wetter eingefunden. Doch kaum blinzelten die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken, füllten sich die Biergärten auf dem Museumsareal im Zeitraffermodus.

Die meisten aktiven Mitglieder waren schon seit 8 Uhr am Werk. Unter ihnen auch die Bäcker. Ihr „Chef“, der Obermaier Sepp aus Kirchberg, gelernter Maurer und deshalb auch Fachmann für „Maurer-Loabe“, hat sich das Bäcker-Handwerk von Maria Maier aus Baumberg beibringen lassen. Sie war die Erste, die bei den Oldtimerfreunden das Brot backen wie anno dazumal schon vor zehn Jahren vorführte. Auch Anton Vielberger aus Krottenthal, ehemaliger Molkereifachmann, und Fritz Friedlmeier aus Buch am Erlbach haben es noch von der Maria gelernt. Blöd daher reden konnten sie aber vorher schon und dementsprechend lustig ging es zu in der kleine Kuche, wo sie den Brotteig im über 100 Jahre alten Backtrog zubereiteten. 23 Wecken Brot mit je 1,2 Kilo haben sie gebacken. Alle gingen weg wie warme Semmeln – wie immer.

Neben den Bäckern war der „beste Sauerkraut- und Blaukrautkoch“ am Werk, wie er sich selber nennt, der Deistler Günther. 15 Kilo Kraut, „alles selber per Hand gehobelt“, flunkerte er. Nicht nur der Teig auch der Ofen musste hergerichtet werden. „Die richtige Hitz ist ganz wichtig“, betonte der Sepp. „Sonst wird das Brot nix.“

Birgit Korber, Jugendwartin der Oldtimerfreunde, beobachtete die Bäcker, während sie neben dem Ofen stoisch zwei Liter Rahm im neuen Butterstoßfass zu Butter stampfte. „Die Butter flockt zusammen, dabei entsteht Butter und Buttermilch“, erzählte sie. Der 80-jährige Anton Kitzeder schaute ihr dabei über die Schulter. Der Isener ist selber Experte, hat er doch jahrelang die bäuerlichen Geräte fürs Heimatmuseum in seinem Heimatort repariert.

Nicht aus der Ruhe bringen ließ sich auch die Bies Liesi aus Zieglberg. Sie fertigte Kräuterbuschen und -kränze. „Das Material hab ich alles selber gesucht, auf Wiesen, Fluren und im Garten. Das war heuer nicht einfach, weil es erst zu heiß war und alles verblüht ist und das Wetter jetzt so greislig nass war.“

Ein weiteres altes Handwerk führte Michaela Pöppl aus Zustorf vor. Ihr Großvater Emmerich Detterbeck hat es ihr noch beigebracht. Er war der erste „Kerbe-Zaina“, also Korbmacher, der bei den Oldtimerfreunden sein Geschick vorführte. Seine Enkelin ist jetzt in seine Fußstapfen getreten, fertigt aber nicht nur Körbe, sondern auch Vielerlei Dekomaterial aus Weiden, Peddigrohr und anderem. Vom Opa hat sie das alte Werkzeug aufbewahrt, das sie an ihrem Stand fein säuberlich ausstellte: Ausputzmesser, Weidenspalter, Schlageisen oder Weidenhobel. Ihr Wissen gibt sie zweimal im Jahr bei Kursen weiter.

Ein anderer Opa, Werner Zollner aus Eitting, stand derweil mit seinem 15-jährigen Enkel Matthias in der Schmiede. Die beiden bearbeiteten Eisen. Immer aktiv dabei, ist auch der Jobst Franz aus Niederstraubing, der gerne alte Maschinen restauriert und ein gewaltiger Tüftler ist. Dieses Mal hatte er eine Seilmaschine dabei, „nachgebaut vom Poldinger Jakob aus Oberstraubing, wie sie früher jeder Bauer gehabt hat, um Kaibestrick zu machen“. So einfach war das Seile machen dann aber doch nicht, wie sich schnell zeigte, denn sie verhedderten sich. „Da hast wieda an Wurm neibracht“, frotzelten die Kenner unter den Zuschauern, als er den ganzen Sisalpacken zwischen den Seilen rausfummelte. „Aus 3,15 Meter wird ein zwei Meter langer Strick“, erklärte der Franz gelassen. „Für’n Kaibestrick z’lang und für’n Woia (Strick für Ross oder Ochs; Anm. d. Red.), z’kurz“, schallte es fachmännisch aus dem Publikum.

Im Ausstellungsraum war ein weiterer richtiger Fachmann zu Gange: Alois Tremmel aus Wambach. Der gelernte Wagner führte in der neuen Wagnerei vor, wie früher ein Rad aus Holz gefertigt wurde.

Erika Luidl aus Steinkirchen hatte sich vor dem Bauernhof eingerichtet, wo sie Tiere und „fette Weiba“ aus Ton töpferte. Lydia Popel aus Landshut wiederum saß am Spinnradl in der guten Stuben und zeigte stolz ihr Schultertuch, das erste Stück, das sie aus der selbst gesponnenen Wolle gehäkelt hat.

Nicht ganz so leicht hatten es die Zimmerer. Ihr Anschauungsstück, einen zehn Zentner schwerer Baumstamm, mussten sie erst einmal ohne maschinelle Hilfe auf zwei Böcke wuchten. Gut, dass sich einige gestandene Mannsbilder fanden, die spontan halfen. Dann führten der 80-jährige Adolf Nöth mit Simon Krickl aus Mögling, Erich Gotter aus Pirka und Martin Wasserlechner aus Wartenberg vor, wie man mit alten Werkzeugen einen Balken aus dem Stamm entstehen lässt. Die gute alte Zeit lebte an allen Ecken auf.

Birgit Lang

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