Vergifteter Hund Emmi

Vergifteter Hund in Baustarring

„Wir sind einfach nur unendlich traurig“

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Baustarring - Tiefe Trauer herrscht bei der Familie Daimer in Baustarring. Ihr Hund Emmi, ein Golden Retriever, ist vergiftet worden (wir berichteten). Obwohl der Täter noch nicht gefunden ist, stehen für die Tierschützer die Schuldigen fest.

„Meine Tochter ist zusammen mit einer Freundin und zwei Hunden Gassi gegangen“, erzählt Thomas Daimer. „Normalerweise gehen wir mit unserer Emmi woanders spazieren. Diesmal sind die beiden Mädchen ausnahmsweise zwischen Kirchberg-Einfeld und Itzling unterwegs gewesen.“ Als Daimer erzählt, was dann passiert ist, stockt ihm die Stimme: „Erst ist die Emmi am Kiesweg rumgelaufen, dann ist sie plötzlich zu meiner Tochter gekommen und hat am ganzen Körper gezittert. Meine Tochter hat sofort meine Frau angerufen. Sie sind gleich zum Tierarzt gefahren, aber als sie dort eingetroffen sind, war Emmi schon tot.“

Weil es schon zu dunkel war, hat die Familie die Gegend erst am nächsten Tag abgesucht und dabei einige aufgebrochene Eier gefunden, die offenbar vergiftet waren. „Die Eier werden derzeit im Landeskriminalamt untersucht“, erzählt Daimer. „Der Tierarzt meinte, dass es ein besonders aggressives Pflanzenschutzmittel gewesen sein könnte.“ Er finde es auch unfassbar, dass gerade jetzt, zur Osterzeit, vergiftete Eier ausgelegt werden, wo doch viele Familien mit ihren Kindern in der Gegend unterwegs seien. Nicht auszudenken, wenn ein Kind ein solches Ei gefunden hätte. Wie schnell nur könnte das Gift über die Schleimhäute in den Körper gelangen.

Der Baustarringer weiß auch, dass es in der nahe gelegenen Siedlung schon einige Male zu Streitereien wegen Hunden gekommen sei, weil einige Halter die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht wegräumten. „Da hat auch schon mal einer einen Beutel voll mit Hundekot vor der Haustür liegen gehabt“, sagt Daimer. Dennoch fragt er sich: „Wer macht sowas, dass er Gift auslegt?“

Für Christa Manschek, die ehemalige Vorsitzende des Tierschutzvereins Erding, und Willi Holzer aus Freising, Leiter einer Auffangstation für Greifvögel, ist der Fall dagegen völlig klar. „Das waren keine Hundehasser“, glaubt Manschek. „Die legen andere Giftköder aus und keine Eier.“ Noch deutlicher wird Holzer: „Das ist das ganz normale Gebaren der Jäger, das sind die so genannten Frühjahrsvergiftungen.“ Hundehasser würden ihre Giftköder auf Wegen auslegen und nicht in Wiesen und Wäldern.

„So lange die Vegetation so niedrig ist, werden entweder vergiftete Eier oder Hühnerköpfe ausgelegt. Damit soll das so genannte Raubzeug wie Marder oder Greifvögel reduziert werden“, sagt Holzer. Die Naturschutzwächter der Landkreise Erding und Freising würden in engem Kontakt stehen, doch es sei nicht leicht, einen Täter auf frischer Tat zu ertappen, „denn die werfen die Sachen einfach aus dem Fenster“.

In Moosinning und in der Nähe von Isen habe es vor einigen Jahren schon einmal so eine Vergiftungsserie gegeben und auch in Niederbayern, „wo 13 Hunde vergiftet worden sind, aber seltsamerweise war kein Jagdhund dabei“, erzählt Holzer. „Wenn jemand verdächtige Wahrnehmungen macht, soll er das sofort melden, denn es kann auch spielende Kinder erwischen.“ Und auch das Gift, an dem Emmi verendet ist, sei für ihn klar: „Das war mit Sicherheit Carbofuran. Das ist zwar in Deutschland verboten, kann man sich aber übers Internet problemlos besorgen.“

Täter ein Jäger? Jagdverband empört über Vorwürfe

Empört über die Vorwürfe zeigt sich Thomas Schreder. „Das den Jägern in die Schuhe zu schieben ist ein Unding“, schimpft der Vorsitzende des Kreisjagdverbands Erding. „Wer sowas in die Welt setzt ohne Nachweis, sollte sehr vorsichtig argumentieren, denn das grenzt an Verleumdung.“ Vergiftungen hätten „nichts mit der Jagd zu tun, sowas ist sogar streng verboten“. Außerdem, sagt er, „sind die meisten Jäger Hundehalter und lieben Hunde. Jäger haben mit den Vergiftungen nichts zu tun, und auch für uns ist es wichtig, solche Dinge aufzuklären“.

Für Thomas Daimer ist das alles nur sekundär. Er und seine Familie seien „einfach nur unendlich traurig“. Und nicht nur sie: Emmi war ausgebildeter Therapiehund. Daimers Frau Sonja arbeitet im Montessori-Kinderhaus in Erding als Erzieherin, seit acht Jahren war Emmi an ihrer Seite. „Extrem guten Zugang hatte sie zu Inklusionskindern“, erzählt Sonja Daimer traurig. „Die Kinder haben gleich ein ,Emmi-Tischchen’ zum Gedenken an sie aufgestellt, wo täglich Kinderzeichnungen, Blumen, Leckerlis, Kerzen dazukommen und Kinder und Eltern zum Trauern davorstehen.“

Wolfgang Krzizok

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