Die Hörgersdorfer Kirche St. Bartholomäus

Die „kleine Wies“ erstrahlt in neuem Glanz

Hörgersdorf - Die Hörgersdorfer Kirche St. Bartholomäus ist ein Juwel der Rokoko-Kunst und gehört zu den bedeutensten Rokoko-Dorfkirchen Bayerns. Fast vier Jahre wurde gebaut und renoviert, jetzt erstrahlt die Kirche wieder in ihrem ursprünglichem Glanz. 1,7 Millionen Euro wurden dafür investiert.

Die Kirche wird in der Fachliteratur als reizvoll, überregional bedeutsam und elegant charakterisiert. Wegen ihrer in ekstatische ornamentale Formen aufgelösten Fassung gilt sie als ein „Gipfel und Schlusspunkt des süddeutschen Rokoko“. Wie bedeutend die St. Bartholomäus-Kirche ist, zeigt auch der Umstand, dass das Gotteshaus auch im Vergleich mit der prächtigen Wieskirche im Pfaffenwinkel als „die kleine Wies“ bzeichnet wird. Zum Abschluss der Renovierungsarbeiten feiertdaher am Sonntag, 19. Oktober, Weihbischof Bernhard Haßlberger um 10 Uhr in der als stilbildend charakterisierten Rokokokirche einen Festgottesdienst.

Die Kirche war 1720 von dem Erdinger Stadtmaurermeister Anton Kogler erbaut worden. Er war der Baumeister vieler künstlerisch herausragender Landkirchen im Gebiet um Erding. Vor 286 Jahren hatte der damalige bedeutende Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck die Kirche geweiht. Um das Jahr 1760 erhielt die Hörgersdorfer Kirche eine neue Innenausstattung durch ein hervorragendes Künstlertrio: Matthias Fackler, Altarschreiner aus Dorfen, Christian Jorhan, Bildhauer aus Landshut und Johann Anton Pader, Stukkateur aus Dorfen.

Der Kunstreferent des Erzbischöflichen Ordinariates München, Norbert Jocher, spricht über die nach seiner Darstellung „auf höchstem Niveau“ gelungene Restaurierung von einem „auf den ersten Blick verspielten, im näheren Zusehen aber besonders inhaltsreichen Rokoko“, wie es in einer Mitteilung des Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats heißt.

Bereits in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte der renommierte Kunsthistoriker Bernhard Rupprecht in einem heute noch gültigen Standardwerk über das Rokoko unter den wenigen Beispielen die Dorfkirche in Hörgersdorf als exemplarisch dargestellt. Sie wird mit den benachbarten Kirchen in Eschlbach und Oppolding dem „Rokoko im Erdinger Hinterland“ zugezählt. Dieses „Erdinger Sonderrokoko“ habe die formalen Möglichkeiten dieses Stils auf die Spitze getrieben und so alle Grenzen durchbrochen.

Der Referent für Bauwesen im Erzbischöflichen Ordinariat, Hans-Jürgen Dennemarck, lobt die bei der Renovierung tätigen Bauleute, Handwerker und Restauratoren. Sie hätten Großartiges geleistet. Gefördert wurde die Maßnahme vom Bayerischen Kultusministerium, von der Bayerischen Landesstiftung, von der Bauerschen Barockstiftung, dem Bezirk Oberbayern, dem Landkreis Erding und der Gemeinde Taufkirchen. (ar)

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