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Klinikum ringt um Kinderambulanz

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Nicht kostendeckend ist die Notaufnahme im Klinikum Erding, hier bei einer Großübung voriges Jahr. Foto: ham
Nicht kostendeckend ist die Notaufnahme im Klinikum Erding, hier bei einer Großübung voriges Jahr. Foto: ham

Erding - Klinikum Erding und Landkreis starten einen weiteren Versuch, die kinderärztliche Versorgung an Wochenenden und Feiertagen zu verbessern. Noch einmal soll um die niedergelassenen Ärzte geworben werden.

Die Chancen, im Klinikum Erding eine Abteilung für Kinderheilkunde zu etablieren, tendieren gegen Null. Der Staat verweigert die Zulassung, die Kassen wollen nicht zahlen. Das heißt: Mädchen und Buben, die in einem der kinderreichsten und jüngsten Landkreise außerhalb der Sprechzeiten der niedergelassenen Kindeärzte akut krank werden, müssen weiter bis Landshut oder München gefahren werden.

Klinikum-Vorstandschef Sándor Mohácsi und Verwaltungsratsvorsitzender Martin Bayerstorfer wollen schon länger eine kinderärztliche Bereitschaftpraxis einrichten - am Klinikum und nach dem Vorbild der Bereitschaftspraxis der im Landkreis niedergelassenen Allgemeinärzte.

Erste Gespräche mit Kinderärzten in der Region haben nach den Worten Bayerstorfers stattgefunden - „mit durchwachsenem Erfolg“, wie er zugibt. „Zwei würden sofort mitmachen, andere sind unentschlossen“, so die Bilanz eines ersten Dialogs. Aufgeben wollen er und Mohácsi nicht. „Wir werden noch einmal in Verhandlungen treten, denn zurzeit ist das Angebot außerhalb der Sprechzeiten unzureichend.“

Mohácsi betont, dass Eltern bei vielen Verletzungsbildern bereits heute die Notaufnahme des Klinikums ansteuern könnten. „Liegt ein chirurgischer Notfall vor, ist also eine Wunde zu nähen oder ein Bruch zu schienen, dann ist das rund um die Uhr bei uns möglich.“ Bei inneren Erkrankungen und anderen typischen Kinderdiagnosen müsse man die Familien weiter nach München oder Landshut schicken. Mit dem Kinderkrankenhaus St. Marien in Landshut verbindet das Erdinger Klinikum eine Kooperation mit telemedizinischer Anbindung. „Mittels Video-Direktübertragung können wir von Erding aus ein Kind unseren Kollegen in Landshut vorstellen und dann das weitere Vorgehen besprechen“, so Mohácsi.

Die Ankunft von Patienten nachts, an Wochenenden und Feiertagen bereitet dem Klinikum insgesamt Kopfzerbrechen. „Unsere Notaufnahme arbeitet nicht kostendeckend, und die Wartezeiten sind zu lang“, so Mohácsi. Dies liege zum einen an Patienten, die ins Krankenhaus kommen, obwohl für sie eigentlich der Hausarzt zuständig wäre. „Wir werden diese Menschen natürlich nicht abweisen, sondern mindestens eine Erstbehandlung vornehmen“, versichert Mohácsi. Auf der anderen Seite gibt es von den Kassen hierfür nur wenig Geld - „und das bei insgesamt sehr hohen Vorhaltungskosten“, so der Vorstandschef. Deswegen denke man darüber nach, in Verhandlungen mit den Kostenträgern zu einer besseren personellen Ausstattung zu kommen. Mohácsi schweben zusätzliche Ärzte vor, „damit Kranke schneller drankommen“.

Nicht mit einem Zuschuss rechnen kann das Klinikum bei der Realisierung eines Hybrid-OP, der Eingriffe mit permanenter Unterstützung durch bildgebende Verfahren ermöglicht. „Das war eigentlich ein mittelfristiges Projekt, das nun aber ganz oben auf der Agenda steht“, erklärt Bayerstorfer. „Wir brauchen Kapazität und Technik aufgrund neuer Möglichkeiten in der Chirurgie und Kardiologie“, sagt Mohácsi. Der OP soll vor der Erweiterung des Funktionsgebäudes kommen. 2015 könnte er in Betrieb gehen.

Hans Moritz

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