Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger

Kommentar zum Kommunal Pass

Entweder gar keine Strategie oder die falsche

  • schließen

Erding - Der Kommunal Pass des Landratsamtes Erding für Flüchtlinge schlägt weiter Wellen. Nun soll es doch Bargeld geben. Die aktuelle Entwicklung kommentiert Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Hätte er doch erst einmal Clausewitz gelesen. Der große Schlachtentheoretiker des 18. und 19. Jahrhunderts („Vom Kriege“) schrieb einst: „Die Strategie ist eine Ökonomie der Kräfte.“ Nein, beim Einführen des Kommunal Passes hatte Landrat Martin Bayerstorfer entweder gar keine Strategie, oder es war die falsche. Jedenfalls wurde mit den Kräften alles andere als ökonomisch umgegangen – auf Seiten der Verwaltung und in der Folge auch auf der der Helfer.

Sind wir einmal Menschen guten Glaubens und nehmen es Bayerstorfer ab, dass eine Abhebefunktion für Bargeld von Anfang an geplant war. Dann stellt sich die Frage, warum die Behörde nicht mit der ersten Karte eine Bedienungsanleitung und vor allem einen Zeitplan mitgeliefert hat, wann welche Services nutzbar sind.

Nein, die Karte hat Flüchtlinge und Helfer kalt erwischt. Merkwürdig ist, warum Bayerstorfer nicht mit der ganzen Wahrheit herausgerückt ist, als ihn die ersten Medienanfragen erreichten. Stattdessen mussten Erdings OB Max Gotz und dessen Taufkirchener Kollege Franz Hofstetter an die Front, um zu vermitteln, dass alles nicht so schlimm sei und Verbesserungen vorgesehen seien.

Selbst wenn dieses Vorgehen abgesprochen war, bleibt am Landrat hängen, dass er vorgeprescht ist, um nur wenige Tage später die Scherben einzusammeln oder auflesen zu lassen. Vielleicht wollte Bayerstorfer aber doch testen, wie weit er gehen kann.

Jetzt ist Vieles ramponiert, nicht zuletzt der Ruf eines an sich gar nicht so schlechten Systems. Denn in der Tat ist der Kommunal Pass das richtige (Zahlungs-)Mittel, um die Versorgung zu steuern und Missbrauch zu verhindern, etwa Geldtransfers in die Herkunftsländer.

Der Streit um das bargeldlose Bezahlen könnte aktueller und allgemein gültiger nicht sein. Am Mittwoch hat die Europäische Zentralbank angekündigt, den 500-Euro-Schein in den Reißwolf zu stecken. Skeptiker sehen darin den ersten Schritt zur Abschaffung des Bargelds. Wer Argumente braucht, warum das nicht nur wegen der Nullzinspolitik der EZB ein Wahnsinn wäre, sondern auch wegen unseres tägliches Leben, braucht nur den Kommunal Pass zu zücken. Wie recht hatte doch der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski mit seiner Feststellung: „Bargeld ist geprägte Freiheit.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bewährtes Team seit 20 Jahren an Bord
Der evangelische Kindergarten in Altenerding feiert am Sonntag sein 20-jähriges Bestehen.
Bewährtes Team seit 20 Jahren an Bord
Ein Jahr Haft: Böses Erwachen für schlafenden Einbrecher
Zu einem Jahr Freiheitsstrafe hat das Amtsgericht Erding einen 30-Jährigen verurteilt. Am 24. März brach er in ein Haus ein, legte sich dann aber schlafen.
Ein Jahr Haft: Böses Erwachen für schlafenden Einbrecher
„Es ist eine Flickerei und bleibt eine“
Nach einer über halbjährigen Verzögerung und doppelt so hohen Kosten als geplant geht es nun voran mit Fußgängerüberweg und Fahrradstreifen an der Alten Römerstraße in …
„Es ist eine Flickerei und bleibt eine“
Hölzerne Hommage ans Torfstechen
Den Moosinninger Gemeindepark ziert seit dieser Woche eine hölzerne Hommage ans Torfstechen.
Hölzerne Hommage ans Torfstechen

Kommentare