Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger

Der Kommentar zum Wochenende

Alle Hemmungen sind gefallen

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Auch Worte können Waffen sein: Vor allem in den sozialen Medien werden diese Waffen gegen Flüchtlinge  eingesetzt. Eine gefährliche Entwicklung, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Wochenendkommentar.

Vor ziemlich genau einem Jahr entschied sich Kanzlerin Angela Merkel, die in Ungarn festsitzenden Flüchtlinge nach Deutschland zu holen. Dieser Akt hat das Land verändert. Leider nicht zum Besseren. Bis nach Erding ist das zu spüren.

Der Ton vor allem in den sozialen Medien ist rauer, bösartiger, herzloser geworden. Als unsere Zeitung vorige Woche über eine Sammelrückführung am Flughafen berichtete, erreichte die Redaktion eine Mail, in der sich ein Leser unverhohlen freute, „dass die Sozialschmarotzer endlich weg sind“. „Auf nimmer Wiedersehen“, schrieb eine andere. Wann immer das Thema Flüchtlinge in den Medien auftaucht, ist es längst gesellschaftlich akzeptiert, dass verbal alle Hemmungen fallen.

Natürlich sind in der Flüchtlingskrise Fehler gemacht worden. Nicht zu Unrecht beschleicht einen mitunter das Gefühl, um die Zuwanderer werde mehr Aufhebens gemacht als um alte und sozial schwache Menschen aus Deutschland. Ja, es gibt Asylbewerber, die sich zu Unrecht in Deutschland aufhalten. Und: Nicht jeder kann hier bleiben.

Dennoch darf das nicht zur Disposition gestellt werden: Wir haben es immer noch mit Menschen zu tun, die ein Recht darauf haben, würdig behandelt zu werden, egal, ob sie sich zurecht hier aufhalten.

Es ist eine beängstigende Entwicklung, wenn einer Bevölkerungsgruppe per se das Lebensrecht bei uns abgesprochen wird. Gerade wir Deutschen sollten das wissen. Jeder einzelne ist aufgefordert, sich gegen menschenverachtende Tendenzen zu stellen.

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