Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar zum Wochenende

Hilferuf eines Seelsorgers

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Walpertskirchen/Erding - Ja, die Wortwahl des Pfarrers war heftig. Doch es wäre fahrlässig deswegen die Zwischentöne von Jan-Christoph Vogler zu überhören, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Wochenendkommentar.

Keine Frage, Pfarrer Jan-Christoph Vogler hat sich in seinem Pfarrbrief in einigen Punkten im Ton vergriffen. Das wiegt umso schwerer, als ein Priester ein Mann ist, der vor allem durch das Wort wirkt. Dass er seinen Brandbrief noch dazu zu Weihnachten, dem Fest der Liebe, verschickt hat, macht’s noch schlechter.

Voglers 13-Punkte-Plan kann man als Schmähbrief interpretieren, als Wutausbruch und Unbotmäßigkeit. Der Brief ist in gleicher Weise aber auch Hilferuf.

Die wenigen Pfarrer, die die katholische Kirche – bei den Protestanten ist die Lage nicht viel besser – noch hat, sind völlig überlastet. Das müssten die Mitglieder der betroffenen Pfarrverbände Walpertskirchen und Altenerding-Klettham eigentlich am besten wissen. Klettham hat schon keinen eigenen Seelsorger mehr, in Walpertskirchen hat Guy-Angelo Kangosa das Ordinariat gerade erst um Hilfe gebeten – und wurde in einer fragwürdigen, überstürzten Aktion prompt abberufen.

Die Arbeit an der kirchlichen Basis verteilt sich auf immer weniger Schultern. Anderseits erwarten die Gläubigen, dass das Angebot möglichst ohne jeden Abstrich bis ins letzte Dorfkircherl hinein weiter bestehen bleibt. So geht es nicht weiter.

Man kann sich über Voglers Zeilen ärgern. Wenn etwas Konstruktives daraus werden soll, muss man sich jetzt vor Ort zusammensetzen und für die Zukunft eine „Kirche light“ kreieren. Dabei muss jedem klar sein: Das Angebot wird kleiner und nicht mehr in jedem Ort abrufbar sein. Auf Revolutionen aus Rom sollte man nicht warten.

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