Meister ihres Fachs: Wenn Martin Kälberer (l.) den Wang spielt, schaut Werner Schmidbauer gespannt zu. Foto: lang

Konzert Schmidbauer & Kälberer: Fröhliche Schlussrunde

Taufkirchen - Fast 15 Jahre ist es her, dass Werner Schmidbauer und Martin Kälberer das erste Mal ihr Publikum in Taufkirchen begeisterten. Dass es nun die große Abschiedstour sein musste, um sie hier wieder live zu erleben, hätte schon ein bisschen Melancholie verbreiten können. Aber das Gegenteil war der Fall.

„Die Abschlussrunde ist geprägt von Fröhlichkeit“, erklärte Schmidbauer. Die Zuhörer im restlos ausverkauften Saal ließen sich von dem Duo sofort nach dem Intro, seit 13 Jahren die Titelmelodie der BR-Sendung „Gipfeltreffen“, mitreißen. „Ich bin Momentesammler“ sangen sie, und der ganze Saal stimmte zu dem Ohrwurm ein.

Fast drei Stunden lang zauberten „der Schmidl“ und der Kälberer ihren Besuchern ein Lächeln auf die Lippen, ließen sie abtauchen in schönere, heilere Welten, und sich einfach gut fühlen, als ein Teil des großen Miteinanders. Denn der 54-jährige engagierte Sänger, Gitarrist und TV-Moderator mit seinem genialen Musikerfreund Kälberer, einem der besten Percussionisten von Deutschland, gingen bei ihrem „Finale dahoam“ mit ihren eingängigen Melodien mit oft tiefgründigen Texten allen schnell unter die Haut.

„Der Schmidl“ erzählte sympathisch, immer noch mit jugendlichem Charme davon, wie die Lieder entstanden sind. In herrlichem Bairisch wunderte er sich, wo sein Spezl Martin immer die Instrumente und Melodien „herzarrt“, verriet, dass sie sich nach den vielen Jahren etwas ausgebrannt fühlten und in Istanbul „sofort wieder auf dem Trip waren“, sie die kosmopolitischen Klänge aus aller Herren Länder zum aktuellen Album „Wo bleibt die Musik?“ inspirierten.

Zu ihren Lieblingsliedern, die sie mitgebracht hatten, zählten auch einige „oide Hodern“, etwa sein „Strandlied“, das Schmidbauer vor 33 Jahren in Kenia komponiert hatte, wo er als Surflehrer arbeitete. Einen ernsteren Hintergrund hatte der Song „Sie kamen aus dem Süden“, den sie für die Leute auf der Flucht und alle Helfer spielten. Die Flüchtlinge würden die Gesellschaft spalten, böten aber eine Chance, meinte er. „Mia san miad, zwida und satt und können reicher nur werden durch’s Gebn“, so sein Appell für eine bessere Welt. Für Nelson Mandela, den „der Schmidl“ bewundert, hatte er ebenfalls ein Lied komponiert. Den Refrain in Suaheli brüllte der ganze Saal mit, damit der afrikanische Freiheitskämpfer und spätere Präsident von Südafrika auch im Himmel noch tanze, wie er es auf Erden so gerne tat, erklärte der gebürtige Münchener und jetzt in Bad Aibling lebende Liedermacher: „Learning by singing.“ Wunderschön interpretierte das Duo auch die Welthits „One“ von U2 oder „Fields of gold“ von Sting, natürlich in ihrer Muttersprache.

Seit 20 Jahren treten sie miteinander auf. Die Zwei sind mit ihrem Publikum älter und reifer, nachdenklicher, aber auch gelassener geworden. Denn „aufgebn werd erst zum Schluss“, so ein weiteres Lied. Auch wenn „da schneller da Dampf ausgeht und du auf d’Nacht öfters auf s’Klo“ musst“, meinte Schmidbauer grinsend.

Tosenden Applaus und Zugaberufe gab es, als Kälberer seinem Wang, einer einzigartigen Klangschale aus der Schweiz, wundervolle Töne entlockte. Der virtuose Percussionist fand immer den passenden Rhythmus auf seinen vielen Instrumenten. Er hat einfach ein Gefühl für Musik, was nicht nur die Damenwelt dahin schmelzen ließ. Nachstehenden Ovationen gab das Duo gerne Zugaben und stand danach zum Signieren und Ratschen an seinem CD-Stand zur Verfügung.

Wer immer noch nicht genug hat von ihren rockigen, bluesigen Songs und ihren gefühlvollen Balladen, der kann sie am 16. Juli auf dem Münchener Tollwood besuchen. Die großen Abschiedskonzerte der mittlerweile schon über ein Jahr dauernden Tournee finden am 22. und 23. Juli in Rosenheim statt. „Dann ist auf absehbare Zeit“ Schluss.

Infos unter www.werner.schmidbauer.de.

Birgit Lang

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