Der Musiker fürchtet das Ende großer Konzerte.

Konzerte in der Tadinger Kirche

Der Altar bleibt, Konrad Huber geht

Tading – In der Tadinger Kirche darf der Tischaltar für Konzerte nicht mehr verschoben werden. Diese Anweisung von Pfarrer Christoph Stürzer bedeutet für Konrad Huber das Ende der großen Konzerte in dem Gotteshaus.

Es war ein Paukenschlag, mit dem das Neujahrskonzert des Singkreises Forstern zu Ende ging – aber kein musikalischer. Mit dem, was2. Vorsitzender Bernd Vogt verkündete, hatte in der voll besetzten Tadinger Kirche niemand gerechnet: Chorleiter Konrad Huber hat als Kirchenmusiker gekündigt.

Als Grund nennt Huber diverse „Einschränkungen für die Gestaltung der Kirchenmusik im Raum Tading“. Sie hätten den Familienvater dazu bewogen, seinen Vertrag mit der Kirche zu kündigen. Kein leichter Schritt, leitet Huber doch seit 1988 den Kirchenchor und mache diese Aufgabe doch rund ein Drittel seiner Arbeit aus. Huber: „Es ist schade für Tading, dass es durch die nicht nachvollziehbare, starre Haltung eines einzelnen Priesters zu dieser Entwicklung gekommen ist.“

Auslöser war eine Anweisung des neuen Pfarrverbandsleiters Christoph Stürzer, die im Dezember per E-Mail an den Singkreis ging: Der Tischaltar darf künftig für Konzerte nicht mehr verrückt werden. Die Begründung: „Die Mitte einer Kirche ist der Altar, um den sich die Gemeinde versammelt. Auch wenn gerade kein Gottesdienst gefeiert wird, repräsentiert er Jesus Christus als Mitte der Gemeinde.“

Laut Huber ist das Verschieben des Altars angesichts rund 100 Musikern und Sängern, wie etwa beim Neujahrskonzert, jedoch „eine notwendige, leicht zu verwirklichende Voraussetzung, um derart anspruchsvolle Orchester- und Chorwerke überhaupt aufführen zu können“. Für ihn steht fest: „Große Konzerte sind nicht mehr möglich.“ Weniger Musiker könnten freilich um den Altar herum stehen, „aber das ist unübersichtlich und eine große Einschränkung“.

Der Singkreis-Vorsitzende klagt noch über eine weitere Neuerung: Es dürften keine großen Orchestermessen mehr vom Altarraum aus aufgeführt werden, wie es bisher etwa am 15. August üblich war. „Sie sollen von der beengten Empore aus erklingen. Das ist vom Platz her aber nicht möglich.“

Huber bezeichnet die Konzerte in Tading als überregionales Aushängeschild für Forstern und die Kirche. „Diese kulturelle, seit Jahrzehnten kirchennah gewachsene Tradition soll nun aufgrund sehr eng kanonisierter Ansichten eines nur Kraft Amtes mächtigen Neuankömmlings zerstört werden?“ Er fühle sich auch als Vorsitzender des Singkreises vor den Kopf gestoßen, immerhin habe dieser bislang sehr viel Kirchenmusik gemacht.

Vor allem die Sache mit dem Altar ist ihm unbegreiflich: „Wie kann ein Tischaltar so heilig sein, dass er bei wenigen, für die kirchliche und kirchennahe Gemeinde wichtigen Veranstaltungen im Jahr nicht kurzzeitig verrückt werden darf?“ Pfarrer Stürzer erklärt auf Nachfrage genauer, was es damit auf sich hat: „Wir reden hier von einer Kirche, die zunächst Ort für das Gebet und die Feier des Gottesdienstes ist. Der Altar ist mehr als ein Möbelstück. Die Menschen bringen ihre Anliegen zum Altar. Er ist die Mitte der Kirche. Da verbietet es sich, ihn zu entfernen, wenn auch nur zeitweise.“ Diese Ansicht sei im Übrigen „keine Privatmeinung von mir und auch nichts Neues“.

In seiner Mail habe er den Singkreis gebeten, diese Neuerung fürs Programm 2017 zu berücksichtigen. „Mir war wichtig, die Betroffenen frühzeitig zu informieren, damit sie sich Gedanken über Alternativen machen können“, sagt Stürzer.

Solange der Altar stehen bleibt, sei es auch in Zukunft „für ein Konzert selbstverständlich kein Problem, dass sich die Sänger und Musikanten im Altarraum aufstellen. Es geht mir nicht darum, Konzerte von Herrn Huber oder des Singkreises zu verhindern“, betont Stürzer. Daher habe er mündlich zugesichert, von seiner Regelung zweimal im Jahr abzuweichen.

Das ist derzeit noch möglich, weil der Tadinger Altar aus Holz ist. Üblicherweise seien die Altäre aus Metall oder Stein, fest mit dem Boden verbunden und vom Bischof geweiht, erklärt Stürzer. „So sehen es die liturgischen Richtlinien vor. Auch Diözese und Erzbischof drängen auf feststehende Altäre.“ Da sei es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch in Tading ein solcher steht.

Stürzer kann Hubers Kündigung bestätigen. Wie es mit der Kirchenmusik jedoch weitergeht, ist noch offen. Der Singkreis jedenfalls wird „seinen Schwerpunkt mehr auf weniger kirchennahe Musik verlagern und andere Orte für seine Konzerte finden“, kündigt Huber an. Die Planungen fürs Musikprogramm 2017 laufen.

Unter anderem sollen ein Schlager-Konzert, ein Kindermusical, ein Nostalgiekonzert und im September „Die Moldau“ von Smetana aufgeführt werden. Ein Neujahrskonzert 2018 wird es ebenfalls geben – auch, wenn der Aufführungsort dafür noch nicht feststeht.

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