Boom in Erding: Noch nie wurden am Kreiskrankenhaus so viele Patienten aufgenommen und operiert. Foto: dpa

Krankenhaus: Landkreis überweist 1,9 Millionen Euro

Erding - Das Kreiskrankenhaus Erding und die Klinik Dorfen haben ein Rekordjahr hinter sich. Dennoch wird die Bilanz 2011 von einem siebenstelligen Minus verdorben. Um wieder in die Gewinnzone zu kommen, soll weiter kräftig investiert werden - erstmals auch mit Steuergeldern.

Wie hoch das Defizit des Kommunalunternehmens Kreiskrankenhaus 2011 ausgefallen ist, können Vorstandschef Sándor Mohácsi und Verwaltungsratschef Martin Bayerstorfer noch nicht sagen. Fest steht: Es wird ein niedriger einstelliger Millionenbetrag sein. Schuld daran, erklärten Bayerstorfer und Mohácsi gestern Abend in einem Pressegespräch, seien die Turbulenzen und die damit deutlich zurückgegangenen Patienten- und Operationszahlen 2010. „Das hatte fatale Auswirkungen auf die Budgetverhandlungen mit den Kassen“, so Mohácsi, der erst 2011 das Ruder übernommen hat. „Denn diese Bilanz bildet die Basis für das kommende Jahr.“ Kurz vor ihm war der neue Chirurgie-Chefarzt Privatdozent Dr. Gerhard Konrad gekommen.

Seither geht es steil bergauf. Es sind beachtliche Zahlen, die die Klinikleitung vorlegen kann. So wurden 2011 knapp 16 000 Patienten stationär und über 13 500 ambulant versorgt. Im Vorjahr waren es 15 000 beziehungsweise 12 000. Als Zugpferde, so Mohácsi, hätten sich vor allem Unfallchirurgie und Kardiologie erwiesen. Stark im Wachsen begriffen waren im Vorjahr auch die Operationen: 5200 waren es im Vergleich zu 4200 anno 2010. Die Summe der ambulanten Eingriffe stieg von 800 auf 1100. Dazu merkte Konrad an: „Im OP-Bereich haben wir die Kapazitätsgrenze erreicht, hier müssen wir ausbauen.“ 504 Geburten 2010 stehen zuletzt 511 gegenüber. Größer geworden ist auch der Personalbestand - und zwar um knapp 30 Vollzeitstellen auf 885 Mitarbeiter. Die Zahl der Ärzte ist seit 2003 um 48 Prozent gestiegen.

Mohácsi: Gesund wachsen statt

gesund schrumpfen

Mit den Ergebnissen hat das Krankenhaus einen guten Boden für die Verhandlungen mit den Kassen für das laufende Jahr bereitet. Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Hans-Peter Emslander warnte aber davor, im Klinikbereich ein mehr an Umsatz mit Gewinnzuwachs gleichzusetzen. „Das muss nicht sein. Denn pro Fall erhalten wir eine fixe Vergütung - egal, wie aufwändig eine Behandlung ist.“

Mohácsi berichtet, dass in der ersten Verhandlungsrunde zwischen dem Angebot der Kassen und den Anforderungen der Klinik eine vier Millionen Euro große Lücke geklafft habe. „Davon haben wir uns deutlich entfernt, und zwar zu unseren Gunsten.“ Doch wie viel 2012 wirklich erstattet wird, steht laut Emslander erst im zweiten Quartal 2012 fest. Die Eingriffsmöglichkeiten im finanziellen Bereich sind nach seinen Angaben beschränkt, „denn 70 Prozent entfallen auf Personalkosten“. Jede Tarifanhebung habe drastische Konsequenzen.

Vorstand und Verwaltungsrat haben laut Mohácsi zwei Möglichkeiten, auf diese Entwicklung zu reagieren: „Wir können gesund wachsen, wir können aber auch gesund schrumpfen. Wir haben uns für ersteren Weg entschieden.“ Und genau hier setzt die Politik des Kreistages an. 2010 hat das Defizit gut 1,9 Millionen Euro betragen. Landrat Bayerstorfer sagte: „Der Kreistag hat sich entschieden, einen genauso hohen Betrag in den Haushalt für 2012 einzustellen.“ Dies sei einmalig in der Geschichte des Krankenhauses.

Hier gehe es primär aber nicht um einen Defizitausgleich. „Vielmehr sollen damit Investitionen getätigt werden.“ Zuletzt sei man im Ausbau sehr aktiv gewesen, so Bayerstorfer mit Hinweis unter anderem auf das neue Wirbelsäulenzentrum Konrads oder das Herzkatheterlabor. Mohácsi schlägt in die gleiche Kerbe: „Wir müssen uns weiter spezialisieren, um damit für Patienten über die Landkreisgrenzen hinaus attraktiv zu sein. „Solche OPs sind planbar, da ist die Chance größer, einen Überschuss zu erwirtschaften“, sekundiert Konrad. Er ist übrigens neuer stellvertretender Ärztlicher Direktor neben Emslander, der im Amt bestätigt wurde (Bericht folgt). ham

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