Dr. Ingo Hüttner ist jetzt Sana-Manager. foto: archiv

Kreiskrankenhaus bleibt kommunal - aber sonst ist alles offen

Erding - Das Kreiskrankenhaus Erding steht vor einer grundlegenden Strukturreform. Der Vorstandswechsel und die Kündigung des Sana-Konzerns sind der Auslöser.

Noch bis Mitte 2011 werden das Kreiskrankenhaus Erding und die Klinik Dorfen über einen Managementvertrag mit dem Klinik-Konzern Sana verwaltet. Nachdem Vorstandsmitglied Dr. Ingo Hüttner das Haus zu Monatsbeginn verlassen hat und Ramming 2011 seinen Schreibtisch räumen wird, haben sich der Verwaltungsrat, der Ärztliche Direktor und die Pflegedirektion zu einer grundlegenden Strukturreform entschlossen.

Knapp drei Jahre lang war Hüttner als Angestellter des Landkreises Vorstandsmitglied des Kreiskrankenhauses. Zum 31. März hat er die Einrichtung verlassen. Nun wurde bekannt, wo der Anästhesist und Betriebswirt seine Brötchen verdient: Der Manager ist zum Klinik-Konzern Sana gewechselt. In Stuttgart ist er für die Herzchirurgie verantwortlich. Damit steht der Familienvater ausgerechnet auf der Gegenseite des Kommunalunternehmens Krankenhaus. Weder Verwaltungsratschef Martin Bayerstorfer noch die übrigen Mitglieder des Gremiums wollten den Wechsel kommentieren. Hinter der Kulissen ist die Verärgerung aber beträchtlich.

Für die Reform wurde nun eine sechsköpfige Findungskommission gegründet, die ihre Arbeit bereits aufgenommen hat. Dies erklärte Landrat und Verwaltungsratschef Martin Bayerstorfer im Gespräch mit unserer Zeitung. Durch de aktuellen Entwicklungen habe sich „die einmalige Gelegenheit ergeben, alle Strukturen auf den Prüftstand zu stellen“, so Bayerstorfer. Es gebe nur eine einzige unumstößliche Prämisse: „Beide Häuser müssen in kommunaler Hand, sprich in Trägerschaft des Landkreises, bleiben.“

Darüber hinaus ist alles offen, so der Kreischef. „Wir denken über neue Kooperationen nach. Diese könnten mit Häusern innerhalb, aber auch außerhalb des Landkreises eingegangen werden.“ Damit spielt er unter anderem auf die Klinik Wartenberg an. Möglich sei aber genauso eine engere Verzahnung mit dem Mutterhaus des Akademischen Lehrkrankenhauses Erding, nämlich mit dem Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München. Auch eine Zusammenarbeit mit der „Gesundheit Oberbayern GmbH“ ist für die Findungskommission eine Möglichkeit. In dieser Gesellschaft arbeiten unter anderem die Kliniken in Landsberg/Lech, Starnberg, Garmisch-Partenkirchen sowie Stadt und Landkreis Rosenheim eng zusammen. Ähnliche Absichten hegen laut Landrat derzeit die Kliniken Ebersberg und Mühldorf.

Aber auch das Eingehen eines neuen Managementvertrags will der Verwaltungsratschef nicht ausschließen. „Daher kann der Fall eintreten, dass wir uns doch wieder für zwei Vorstände entscheiden“, berichtet Bayerstorfer. Nach dem Weggang Hüttners wollte man sich bekanntlich auf die Position Rammings beschränken.

Bayerstorfer geht davon aus, „dass wir bis Sommer eine Entscheidung haben“. Dann werde man intensiv die Suche nach einem neuen Manager betreiben. „Ich bekomme täglich entsprechende Angebote von Personen und Firmen“, berichtet der Landrat.

In der Praxis bereits vollzogen ist die angekündigte Verbreiterung der Verantwortung. Das Haus wird nicht mehr nur von Ramming geführt. Ihm noch enger zur Seite stehen Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Hans-Peter Emslander und Pflegedirektorin Gertrud Friess-Ott. „Sie sollen möglichst auch an allen Verwaltungsratssitzungen teilnehmen“, fordert der Landrat. Dazu müsse allerdings noch die Satzung des Gremiums geändert werden. (Hans Moritz)

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