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Nicht aus den Schlagzeilen kommt das Kreiskrankenhaus Erding. Die Kündigung des Chirurgie-Chefarztes schlägt auch fünf Wochen nach Bekanntwerden hohe Wellen. In die Kritik gerät dabei immer wieder der Klinikkonzern Sana aus München. Dessen Generalbevollmächtigter Dr. Andreas Hartung war am Freitag mit Pressesprecherin Susanne Heintzmann um Aufklärung bemüht (Foto unten).

Kreiskrankenhaus Erding: Jetzt redet der Sana-Boss

Erding - Der Klinikkonzern Sana AG verfolgt keinerlei Absichten, das Kreiskrankenhaus Erding mit der Klinik Dorfen zu kaufen oder mehr Einfluss zu erreichen. Dies versicherte Dr. Andreas Hartung, Generalbevollmächtigter der Sana für die Region Südost, gestern bei einem Redaktionsbesuch.

Seit der Kündigung von Chirurgie-Chefarzt Dr. Bernhard Weigel brodelt die Gerüchteküche: Der Gesundheitskonzern Sana, der mit Manager Joachim Ramming bereits im Krankenhaus des Landkreises ansässig ist, warte nur darauf, das durch die öffentliche Debatte angeschlagene Haus übernehmen zu können. „Das ist definitiv nicht unser Ziel“, erklärte Sana-Regionalmanager Dr. Andreas Hartung am Freitag. Er erinnerte daran, dass man bereits seit 2001 einen Managementvertrag mit dem Kreiskrankenhaus habe. „In dieser Zeit hat es keinen Übernahmeversuch gegeben“, so Hartung. Sana-Pressesprecherin Susanne Heintzmann erklärte dazu: „Unser Konzern bietet diese Verträge seit Anfang der 90er Jahre an. Mit insgesamt 40 Häusern habe man seither Verträge abgeschlossen, keines davon haben wir gekauft.“

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Hartung ist der Überzeugung: „Eine solche Geschäftspolitik kann gar nicht aufgehen, das ist ein Widerspruch in sich.“ Werde eine Klinik erfolgreich geführt, hat die öffentliche Hand als Träger gar keine Veranlassung, seine Einrichtung abzustoßen. „Kommen wir nicht aus den Roten Zahlen und muss ein Landkreis oder eine Kommune notgedrungen verkaufen, dann doch bestimmt nicht an den Konzern, dem man das Defizit zuschiebt.“

Der Generalbevollmächtigte hat für die aktuelle Diskussion um den Standort Erding auf der einen Seite „vollstes Verständnis“: „Hier hat ein populärer und überaus erfolgreicher Chefarzt gekündigt. Das erschüttert viele sensible, ja zum Teil sehr ins Persönliche gehende Arzt-Patienten-Verhältnisse.“ Krankenhäuser seien immer eine sehr emotionale Angelegenheit. Auf der anderen Seite erinnert Hartung aber auch daran, „dass Inhaber und Betreiber aus ganz Bayern auf Erding als Erfolgsmodell verweisen“. In der Tat sei das Kreiskrankenhaus sehr gut aufgestellt, habe ein enormes Leistungsangebot und erwirtschafte seit Jahren positive Ergebnisse. Daher sei man auch „sehr stark daran interessiert, 2011 den Vertrag ein drittes Mal um fünf Jahre zu verlängern“. Das Haus in Erding sei „überaus attraktiv und liebgewonnen“. Davon, ist Hartung überzeugt, profitiert auch die Region: „Seit 2001 ist es uns gelungen, die Mitarbeiter- und die Patientenzahlen beträchtlich zu steigern.“

Die Sana AG, sagt Hartung weiter, biete als übrigens einziger Gesundheitskonzern Managementverträge an, ohne eine Übernahme im Hinterkopf zu haben. Es sei auch nicht so, dass die per Managementverträge an Sana gebundenen Häuser den Gewinn der Konzernmutter steigerten. „Uns geht es vor allem um Profilbildung“, erklärt Heintzmann. „Wir wollen zeigen, dass man auch kommunale Häuser ertragreich bewirtschaften kann.“ Das komme den öffentlichen Trägern zu Gute, die durch Sana von einem günstigeren Einkauf ebenso profitierten wie von der großen Erfahrung im Klinikbetrieb.

Hinzu komme, dass es im Krankenhausbereich mehr als andernorts um breite Netzwerke gehe. „So können wir bestimmte Abläufe und Neuerungen sofort ausprobieren“, sagt Heintzmann. Hartung ergänzt: „So breit aufgestellt, sind wir auch für junge Ärzte attraktiv, weil wir bundesweit eine umfassende Facharztausbildung gewährleisten können.“ Für einzelne Kliniken werde es immer schwieriger, ausreichenden und hoch qualifizierten ärztlichen Nachwuchs zu bekommen.

Derzeit unterhält Sana bundesweit elf Management-Verträge: neben Erding und Dorfen die Buchbergklinik in Bad Tölz, die Kliniken Oberallgäu mit dem Kreiskrankenhaus Immenstadt, dem Stadtkrankenhaus Sonthofen/Gemeindekrankenhaus Oberstdorf, mit dem Kreiskrankenhaus Wolfenbüttel, mit dem Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg sowie mit den Kreiskrankenhäusern Rendsburg und Eckernförde. Erst 2009 dazu gekommen ist die Medicare GmbH mit der Airportklinik am Flughafen München.

Von Hans Moritz

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