Ernste Gesichter bei den Verantwortlichen: Landrat und Verwaltungsratschef Martin Bayerstorfer (l.) hatte die gesamte Chefarzt-Riege sowie Vorstandsmitglied Ingo Hüttner (3. v. l.) in den Kreistag geladen. Foto: Fläxl

Kreiskrankenhaus: Kreisräte fordern Kehrtwende beim Klinikvorstand

Erding - Der Kreistag will das Kreiskrankenhaus Erding und die Klinik Dorfen unter keinen Umständen verkaufen. Dies wurde in der Sitzung am Montag mit einer einstimmig angenommenen Resolution zementiert.

Die Kommunalpolitiker fordern aber eine radikale Kehrtwende in der Klinikleitung.

In der über zweistündigen öffentlichen Generaldebatte ging es weniger um die Kündigung von Chirurgie-Chefarzt Dr. Bernhard Weigel, sondern vor allem um den Erhalt beider Häuser in kommunaler Hand, um den Führungsstil und um Wege aus der tiefen Krise.

SPD-Fraktionschef Horst Schmidt erkannte einen „gravierenden Imageverlust“, dem nun alle Beteiligten entgegentreten müssten. Der Vorstand habe viel zu lange gewartet, ehe er auf die Unruhe in der Öffentlichkeit reagiert habe. Auch die niedergelassenen Ärzte hätten deutlich früher informiert werden müssen. Damit bezog sich Schmidt auf den Appell des Ärztlichen Direktors Prof. Dr. Hans-Peter Emslander, man müsse jetzt schnellstmöglich das Vertrauen der Patienten, aber auch auch der einweisenden Ärzte zurückgewinnen.

Vor allem forderte Schmidt eine „rückhaltlose Aufklärung der Mobbing-Vorwürfe“. Diese müssten ernst genommen und aufgeklärt werden. „Das Krankenhaus braucht für die Zukunft verbindliche Regelungen“, so Schmidts Forderung.

Georg Els sagte namens der Freien Wähler (FW): „Diese öffentliche Kreistagssitzung war längst überfällig.“ Der Gesundheitsbereich sei ein hoch sensibles und emotionales Thema. „Ich bin von vielen Bürgern gefragt worden: ,Ist das unser Krankenhaus oder das der Sana?‘. Els forderte für die Zukunft eine „verstärkte Zusammenarbeit aller Gremien“. Auch ohne direkte Zuständigkeit, die beim Verwaltungsrat liegt, müsse der Kreistag regelmäßig informiert werden. „Wir unterliegen ja auch der Geheimhaltungspflicht“, so der FW-Fraktionssprecher.

Grünen-Fraktionvorsitzende Helga Stieglmeier bekannte, als Patientin sei sie bereits zwei Mal sehr gut behandelt worden. Sie warnte jedoch davor, den Versicherungen der Sana AG blindlings zu vertrauen. „Die wollen eine hohe Dividende. Wenn sie behaupten, sie hegten keine Kaufabsicht, kann man das glauben, muss man aber nicht.“ Es dürfe keinesfalls eine Situation entstehen, „in der über einen Verkauf nachgedacht werden muss beziehungsweise die Abhängigkeit zu groß wird“. Zudem erinnerte sie den Verwaltungsrat an dessen Informationspflicht gegenüber dem Kreistag. Selbstkritisch gab sie zu: „Das müssen wir künftig stärker einfordern.“

Klar sprach sie sich auch für eine Neuordnung der Klinikleitung aus: „Pflegedienstleitung und Ärzteschaft gehören da genauso hinein“, forderte Stieglmeier. Dabei machte sie unmissverständlich deutlich, dass sie an der Kommunikationsfähigkeit von Vorstandsvorsitzendem Joachim Ramming zweifle. Ramming nahm krankheitsbedingt nicht an der Sitzung teil. Von Anrufen und aus der Presse wisse sie: „Es herrscht ein Klima der Einschüchterung. Niemand traut sich etwas zu sagen.“ Als kommunales Haus stehe die Gewinnmaximierung nicht im Vordergrund. Vielmehr müssten die Mitarbeiter „gut behandelt“ werden.

Stephan Treffler erklärte, das Kreiskrankenhaus habe vor der Kündigung Weigels einen sehr guten Ruf gehabt. „Jetzt haben wir aber eine Krise“, so der ÖDP-Sprecher. Wie Stieglmeier misstraut auch er der Sana. Dazu zitierte Treffler aus einem Interview mit Sana-Vorstandschef Michael Philippi, der öffentlich bekannt habe, „munteres Wachstum“ anzustreben. Daher wundere er sich über alle jene, „die sich so sicher sind, dass der Landkreis nicht doch eines Tages verkaufen muss“. Die geplante Wachstumsziele kann der Konzerns Trefflers Einschätzung zufolge nur durch den Zukauf zusätzlicher Häuser erreichen. Daher müsse man sich die weitere Zusammenarbeit mit der Kliniken AG gut überlegen. Auch er sprach sich für zusätzliche Kompetenzen für den Ärztlichen Direktor und die Pflegedirektorin aus. Treffler äußerte die Hoffnung, „dass der Ton im Kreiskrankenhaus bald wieder ruhiger wird, und die Klinik positiver in der Presse erscheint“.

Peter Utz bekannte, dass die FDP grundsätzlich für Privatisierung sei. „Das gilt aber ausdrücklich nicht für Krankenhäuser. Da sind wir strikt dagegen.“ Er machte die Rechnung auf, dass sich in einem kommunalen Krankenhaus nur dann Gewinn erzielen lasse, „wenn das Personal motiviert und zufrieden ist“.

CSU-Fraktionschef Herbert Knur widersprach seinen Vorrednern: „Ich habe nicht den Eindruck, dass Druck ausgeübt wurde.“ Raunen im Saal war die Reaktion. Knur geißelte die in den Medien und vor allem in Leserbriefen vorgenommene Vorverurteilung des Vorstands und des Verwaltungsrates. Beide Kliniken wiesen vielmehr eine hohe Leistungskraft auf und seien in der Lage, ihrem Versorgungsauftrag gerecht zu werden. Angesichts der gedeihlichen Entwicklung habe er für die Sana-Debatte kein Verständnis. „Nicht Sana sagt, was hier geschieht, sondern der Verwaltungsrat“, stellte Knur klar, der dem Gremium angehört. Der Vorstand arbeite auf Weisung des Verwaltungsrates. Er erwarte, „dass wir uns wieder zusammenraufen“. Man müsse vor allem miteinander reden und nicht über die Presse.

(Hans Moritz)

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