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Akuten Handlungsbedarf sieht der Erdinger Orthopäde und Kreiskrankenhaus-Belegarzt Dr. Steffen Mitzschke, um eine wirtschaftliche Talfahrt der Klinik zu verhindern.

Kreiskrankenhaus: Notruf an die Patienten

Erding - Auch nach dem Weggang von Chirurgie-Chefarzt Weigel werden am Kreiskrankenhaus Erding Gelenkersatz-Operationen vorgenommen. Die Patienten sollen sich nicht von der Klinik abwenden, so ein Erdinger Orthopäde.

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Die Chirurgie am Kreiskrankenhaus Erding genießt einen hohen Ruf, an dem Chefarzt Dr. Bernhard Weigel großen Anteil hatte. Nun wissen viele Patienten, die auf eine neue Hüfte oder ein Knie warten, nicht, ob sie sich künftig noch an die Klinik wenden können. „Können sie“, versichert der Erdinger Orthopäde und Kreiskrankenhaus-Belegarzt Dr. Steffen Mitzschke. Endoprothetische Operationen würden nach wie vor angeboten.

Der niedergelassene Facharzt Mitzschke arbeitet seit zehn Jahren regelmäßig in dem Haus. Bevor er seine Praxis am Mühlgraben eröffnete, war er Oberarzt in Landshut. 500 endoprothetische Eingriffe hat er in Erding bereits vorgenommen.

Mitzschke sagt, es gehe ihm nicht um sich. „Vielmehr mache ich mir große Sorgen um die Zukunft des Krankenhauses, wenn sich die Patienten jetzt abwenden beziehungsweise von ihren Hausärzten in andere Kliniken überwiesen werden.“ Mit Dr. Elmar Gerhardinger vom Ärztlichen Kreisverband will er in den nächsten Tagen eine Infoveranstaltung für die niedergelassenen Kollegen abhalten.

„Das Problem ist: Für diese Arzt von Operationen gibt es eine Mindermengenregelung“, erläutert Mitzschke. Pro Jahr müssten derzufolge in Erding mindestens 50 Kniegelenke und 100 Hüften ersetzt werden. „Erreicht das Kreiskrankenhaus diese Zahlen nicht, zahlen die Kassen diese OPs nicht mehr“, so der Orthopäde, der auch Unfallchirurg ist. Die Folge: „Dann werden solche Operationen nicht mehr angeboten.“

Mitzschke ist überzeugt: „Das hätte fatale Konsequenzen, dann ist Feuer unter dem Dach.“ Ein positives Jahresergebnis wäre nur noch sehr schwer zu erzielen. Die Folge: Die Klinik könnte zur leichten Beute für Gesundheitskonzerne werden. „Das müssen wir vermeiden, denn Erding ist ein sehr gut aufgestelltes kommunales Haus.“

Mitzschke hat mit dem Management sowie Landrat Martin Bayerstorfer vereinbart, sich um die Endoprothetik so lange zu kümmern, bis ein neuer Chefarzt da ist. „Es muss schnell gehen, denn die meisten Gelenkersatz-OPs würden im ersten Halbjahr vorgenommen. Er selbst schließt aus, sich auf die Stelle zu bewerben.

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