Die Suche hat begonnen: Das Kreiskrankenhaus Erding braucht nach der Kündigung von Ingo Hüttner und dem Rückzieher von Sana mit ihrem Vorstandschef Joachim Ramming eine neue kaufmännische Spitze. Foto: Seeholzer

Kreiskrankenhaus: Die wahren Gründe für den Sana-Rückzieher

Erding - Die Sana Kliniken AG zieht sich nach Expertenmeinung nicht wegen der Differenzen mit Politik und Öffentlichkeit aus Erding zurück. Das behauptet ein ausgewiesener Kenner der Materie.

Der Konzern dürfte vielmehr eingesehen haben: Das Kreiskrankenhaus kann er sich nicht mehr unter den Nagel reißen.

Für viele völlig überraschend hatte Sana-Konzernbevollmächtigter Andreas Hartung am Freitag mitgeteilt, der 2011 auslaufende Managementvertrag werde nicht verlängert. Zur Begründung hatte es geheißen, aufgrund der öffentlichen Debatte und der Vorwürfe sei zwischen Sana und Landkreis keine hinreichende Vertrauensbasis mehr vorhanden.

Ein Befund, über den Kenner der Szene nur den Kopf schütteln können. „Sana macht das immer so“, erklärt ein Experte auf dem Krankenhaussektor, der ungenannt bleiben möchte. „Da wird ein Vertrag gemacht, der einmal verlängert wird. Sieht Sana danach keine Chance, mit einer Beteiligung den Fuß in die Tür zu bekommen, zieht sie sich rasch zurück.“

Für diese Einschätzung spricht einiges. Sana bietet seit Anfang der 90er Jahre Management-Verträge an. Mit 40 Häusern hat es seither Abschlüsse gegeben. Gegenwärtig sind es aber nur sieben Verträge mit elf Häusern, darunter Erding und Freising sowie die Airport-Klinik.

Für die These spricht zudem, dass Hartung Mitte Februar bei einem Redaktionsbesuch den Standort Erding hoch gelobt und versichert hatte, dass man hier gerne weiter tätig sein würde. Seither hat sich in der politischen Debatte aber nichts Neues ergeben, zumal die Politik von Anfang an deutlich gemacht hatte, ein Verkauf der Kliniken Erding und Dorfen sei kein Thema.

Drittes Argument: Erst im April vorigen Jahres hatte Hartung bei Landrat und Verwaltungsratschef Martin Bayerstorfer wegen einer Minderheitsbeteiligung vorgesprochen - ohne Erfolg.

„Das ist typisch“, kommentiert der Experte. Sana fängt klein an und zieht dann immer mehr Kompetenzen an sich. Bereits eine Minderheitsbeteiligung hätte dazu geführt, dass der Verwaltungsrat Teile der Unternehmensziele nicht mehr hätte alleine bestimmen können.

Sana soll Erding besonders im Blick gehabt haben. Die AG hatte es auf ein frisch saniertes und modernes Krankenhaus abgesehen, das, so der Fachmann weiter, überdurchschnittlich viele Privatpatienten und Chefärzte mit großen Namen habe. Nicht von ungefähr reiche der Einzugsbereich des Krankenhauses weit über die Landkreisgrenzen hinaus.

Wie soll es nun weitergehen? Der Kenner der Szene „mahnt zur Eile, ohne dabei hektisch zu werden“. Er gibt den Ratschlag, der Verwaltungsrat solle sich auf dem freien Markt nach einem kaufmännischen Geschäftsführer umsehen. „Der sollte vor allem Dreierlei können: Er muss ein guter Betriebswirt sein und er muss gut mit den Kassen verhandeln können.“ Am wichtigsten sei jedoch, „dass es dem Nachfolger gelingt, endlich Ruhe ins Haus zu bringen“. Daher würde er es begrüßen, dass der Neue schon ins Amt eingeführt ist, ehe Vorstandschef Joachim Ramming die Segel streicht. „Zum Wohle des Hauses und der Belegschaft gehört der Wechsel frühestmöglich vollzogen.“ Dabei glaubt der Experte, „dass Sana das Engagement anständig zu Ende bringt. Absichtliche Fehlentscheidungen kann sich der Konzern nicht leisten.“

Risiken wirtschaftlicher Einbußen durch den Wegfall der Sana-Einkaufsgemeinschaft sind wohl nicht zu befürchten. Es gibt zahlreiche Alternativen, etwa den Einkaufsverbund der bayerischen Universitätskliniken. Der Tipp des Experten: „Erding sollte sich viel stärker auf seinen Status als Akademisches Lehrkrankenhaus besinnen.“

(Hans Moritz)

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