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Die Kundinnen wünschten sich die perfekt glatte Haut  - zum Beispiel für den Strand. Stattdessen wurden sie um ihr Geld betrogen.

Kundinnen von Beautysalon geprellt

Statt haarlos das Geld los

Die ehemalige Chefin (62) eines Beautysalons kommt wegen Betrugs mit einer Bewährungsstrafe davon. Die Kundinnen ihrer Institute in Landshut und Erding sind immer noch wütend.

Nördlicher LandkreisDie Kundinnen legten für bis zu zehn Sitzungen zur Haarentfernung vorab bis zu 2000 Euro auf den Tisch. Doch nach wenigen Behandlungen standen sie in der Regel vor verschlossenen Türen des Beauty-Salons in der Landshuter Neustadt, und die Chefin war nicht erreichbar. Die 62-Jährige aus dem nördlichen Landkreis Erding musste sich nun wegen Betrugs in 42 Fällen vor dem Schöffengericht beim Amtsgericht Landshut verantworten. Mit einem umfassenden Geständnis ersparte sie sich die Konfrontation mit den heute noch wütenden Kundinnen und sicherte sie sich eine Bewährungsstrafe.

Laut der von Staatsanwalt Dr. Thomas Schlappa vertretenen Anklage hatte die heute als „Promoterin“ firmierende Unternehmerin 2008 die Firma „Beauty Vision & more“ mit Sitz im britischen Hull gegründet. Unter diesem Namen eröffnete sie 2015 ein „Gesundheitsmanagement-Institut“, das allerdings nach einem halben Jahr sein Geschäft einstellte.

Stattdessen wurde dann das „Haarlos Institut“ in Landshut aus der Taufe gehoben, das wiederum Mitte März 2016 schloss. Zuvor, so die Anklage, hatte die 62-Jährige mit 42 Kundinnen Verträge über Haarentfernungen im Rahmen von jeweils acht bis zehn Sitzungen abgeschlossen. Die Kundinnen aus dem Raum Landshut, Erding und Freising zahlten jeweils den vollständigen Preis für die gebuchten Sitzungen.

Tatsächlich, so der Anklagevorwurf, habe die 62-Jährige geplant, jeweils nur wenige Sitzungen durchzuführen und im Anschluss daran für die jeweilige Kundin nicht mehr erreichbar zu sein. Das extremste Beispiel war eine 27-jährige Landshuterin, die im Dezember 2015 für acht Sitzungen 1660 Euro auf den Tisch blätterte und nach zwei Sitzungen vor verschlossenen Türen stand. „Haarlos“ schloss Mitte März 2016 die Pforten. Insgesamt, so die Anklage, sei den Kundinnen durch vorenthaltene Behandlungen ein Schaden von 25 200 Euro entstanden.

Die Anklage lautete auf gewerbsmäßigen Betrug in 42 Fällen. Weitere Straftaten wie Insolvenzverschleppung auch bei einem kurzzeitig in Erding betriebenen „Institut“, Sozialversicherungsbetrügereien und weitere Betrugsfälle waren zuvor eingestellt worden.

Vor dem Schöffengericht legte die 62-Jährige zunächst über eine Erklärung ihres Verteidigers Michael Wälischmiller ein umfassendes Geständnis ab, wobei er erklärte, dass seine Mandantin nicht in betrügerischer Absicht gehandelt habe.

Die Angeklagte selbst sprach von einem „unglückseligen Start“ in Landshut, Miete und Einrichtung, unter anderem die Lasergeräte, hätten viel Geld verschlungen. Sogar einen Mietrechtsprozess habe sie führen müssen. Dazu habe sie auch Ärger mit ihren Mitarbeiterinnen gehabt: „Einige gingen zum Arbeitsgericht, andere wurden von der Konkurrenz abgeworben.“ Allein für Anwaltshonorare seien in dieser Zeit rund 15 000 Euro angefallen.

Sie habe dann in Erding einen Neustart versucht: „Da wollte ich meinen Landshuter Kundinnen die Weiterbehandlung anbieten und sogar Fahrtkosten übernehmen. Auch da blieb die Suche nach Mitarbeiterinnen erfolglos.“

Sie habe sich selbst nicht bereichert, versicherte die 62-Jährige: „Ich habe selbst 80 bis 100 Stunden die Woche gearbeitet und das Geld größtenteils in die Mitarbeiterinnen-Schulung in der Schweiz gesteckt.“

Staatsanwalt Dr. Schlappa nahm der 62-Jährigen ab, dass sie an ihre Geschäftsidee geglaubt habe. Sie sei keine „Erzbetrügerin“, habe aber vor Risiken und Krise die Augen verschlossen und damit zumindest die Betrügereien billigend in Kauf genommen. Der Anklagevertreter forderte eine Freiheitsstrafe von 19 Monaten, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt werden könne, da die Frau bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten sei.

Das Gericht verhängte eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten und ordnete die Einziehung der 25 200 Euro an. Ob die Kundinnen allerdings je einen Euro sehen, steht auf einem anderen Blatt: Die 62-Jährige hat Privatinsolvenz angemeldet und verdient derzeit als „Promoterin“ gerade mal 750 Euro.

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