Unzufriedene Mienen (v. l.): die Straßenbau-Experten Stefan Otzmann und Michael Lehner sowie Bürgermeister Hans Schreiner. Foto: Seidel

Lärm-Schock: Die Nordumfahrung Erding nimmt Unterstrogn in die Zange

Bockhorn - Die Zeichen für eine Ortsumgehung von Grünbach stehen nicht gut. Außerdem offenbaren die Planunterlagen eine doppelte Belastung von Unterstrogn.

Nur wenig Hoffnung auf eine Ortsumfahrung Grünbachs und neue Sorgen um Unterstrogn nährte die Sondersitzung des Gemeinderats Bockhorn über die Nordumfahrung Erding. Am kritischsten sehen die Räte die Einschleifung der Nordumfahrung in die B 388 bei Unterstrogn - sollte es zur Variante 5 kommen, die Michael Lehner vom Planungsbüro DBU vorstellte.

Das Bauwerk für drei Millionen ist ähnlich einer Autobahnauffahrt zwar die sicherste Möglichkeit, rasch auf die Nordumfahrung zu kommen, verbraucht aber östlich von Unterstrogn eine Flächen von 1,7 Hektar. Da Bundesstraße und Nordumfahrung nur wenige hundert Meter voneinander getrennt sind, mache dies „den Ortsbereich unbewohnbar“, so die Kritik aus dem Gemeinderat.

Andere Varianten, etwa westlich von Unterstrogn bringen jedoch teils massive Probleme mit sich, beispielsweise die Versetzung der Befeuerungsanlage des Fliegerhorsts, dem Abbruch eines Gebäudes und den Bau einer Ampelanlage.

Zur wichtigsten Frage der Gemeinde nach der Realisation der Ortsumfahrung Grünbach konnte sich Lehner aus technischer Sicht nicht konkret äußern. Eine einfache Verlängerung der Nordumfahrung ohne den Einschleifpunkt in Unterstrogn sei jedoch nicht möglich.

Der Sachstandsbericht der Experten behandle lediglich technische Fragen, betonte Stefan Otzmann vom Staatlichen Bauamt. Denn über die Trassenwahl der Nordumfahrung entscheide letztlich der Landkreis. Entscheidend sei „die Frage wer’s baut“, so Otzmann. Die Ortsumfahrung von Grünbach sei eine Bundesstraße und somit der Bund der Bauträger.

Die Verkehrsprognose 2025 schilderte Helmuth Ammerl vom Planungsbüro Obermeyer. Zwar wurde darin eine Umfahrung Grünbachs - von der Gemeinde als „Verlängerung der Nordumfahrung“ bezeichnet - nicht untersucht, weil dies nicht der Auftrag war. Aus den heutigen Zahlen lasse sich jedoch trotz allgemeiner Verkehrszunahme schließen, dass der Verkehr auf der B 388 durch die Nordumfahrung auf etwa 8500 Fahrzeuge pro Tag zurückgeht. Im Jahr 2025 sei das „eine optimale Zahl“, erklärte Otzmann. Er bezweifelte damit, dass der Bund angesichts solcher niedriger Verkehrswerte eine Umgehungsstraße für notwendig erachten wird.

Auch die Ortsdurchfahrten Mauggen, Bockhorn und Hecken, mit derzeit etwa 1000 Fahrzeugen täglich, werden nach Ansicht von Ammerl nicht zusätzlich belastet. So sieht man auch derzeit keinen Grund, die Kreuzung an der Staatsstraße 2084 in Neumauggen zu „ertüchtigen“. Voraussetzung sei hierzu eine Unfallstatistik über den Zeitraum von drei Jahren, und hier gebe es keine Auffälligkeiten. Auch habe die Staatsstraße keine signifikante Zubringerfunktion zur A 94. Dennoch werde man die Verkehrszahlen erneut prüfen.

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