Berliner Sprachrohr: Nina Hagen (2. v. l.) und Organisator Günter Mühlbauer (r.) unter den Demonstranten. Foto: Schöttl

Vor dem Landgericht: Nina Hagen kämpft für Psychiatrie-Insassin

Taufkirchen/Landshut - Unter dem Motto „Freiheit und Gerechtigkeit für Ilona Haslbauer“ stand eine Demonstration vor dem Landshuter Justizgebäude, die von Günter Mühlbauer aus Regensburg auf die Beine gestellt worden war und die in der Musikerin Nina Hagen aus Berlin ihre prominenteste Mitstreiterin hatte.

Anlass war eine so genannte Anhörung von Sozialpädagogin Ilona Haslbauer (58), die seit 2007 in der geschlossenen Psychiatrie im Isar-Amper-Klinikum in Taufkirchen untergebracht ist, vor einer Kammer des Landgerichts.

Der Fall von Ilona Haslbauer hat in letzter Zeit hohe Wellen geschlagen, vielfach wurde er mit dem von Gustl Mollath verglichen. Hintergrund der Unterbringung war, dass Haslbauer nach einem Streit ihre Nachbarin zweimal mit einem Einkaufswagen gerammt haben soll. Bei der Verhandlung leugnete sie die Tat und ein Gutachter diagnostizierte bei ihr eine wahnhafte Störung. Sie wurde zu sechs Monaten Haft verurteilt und aufgrund des Gutachtens in die Psychiatrie eingewiesen.

Ihre Unterstützer haben eine Petition verfasst und veranstalteten die Demonstration „aus Solidarität zu Ilona Haslbauer und Gustl Mollath“, wie Initiator Mühlbauer betonte. Es gehe darum, Missstände in Deutschland was Freiheit und Gerechtigkeit angehe, aufzuzeigen, so Initiator Mühlbauer, der sich selbst als Justizopfer sieht. Er kämpfe seit 15 Jahren um das Sorgerecht für seine Kinder.

Haslbauer sei mit Nina Hagen gut befreundet, habe in ihr eine Fürsprecherin, auch wenn man sich bisher nicht persönlich getroffen habe. „Nina hat ihr auch schon Geschenke geschickt, beispielsweise ein Kostüm“, sagte Mühlbauer.

Haslbauer ist von Beruf Sozialpädagogin, Handwerkerin und Kabarettistin. Vor sieben Jahren wurde sie wegen Körperverletzung angeklagt. Nach der Einweisung in die Psychiatrie soll sie, so die Demo-Veranstalter, 25 Stunden lang fixiert und dann dauerhaft in ein Isolationszimmer eingesperrt worden sein. Inzwischen soll sie in einer Abteilung mit (Drogen-)Suchtkranken untergebracht sein. Die Unterstützer fordern ein gerechtes Wiederaufnahmeverfahren.

Nina Hagen, die zu dem gut ein Dutzend Demonstranten stieß, sagte dem Unterbringungsparagrafen (§63 StGB) den Kampf an. Die Anstalten der psychiatrischen Forensik würden zwar Krankenhäuser genannt, seien aber Gefängnisse. Das Einsperren dort diene angeblich der Heilung, gehe aber über die Haftstrafe hinaus. So würden zwangsweise Psychopharmaka verabreicht und so genannte andere „Therapien” aufgezwungen.

Nach Landshut sei sie gekommen, um „meine Freundin Ilona Haslbauer mit Wort und Tat zu unterstützen.“ Ein Besuch in Taufkirchen sei ihr allerdings als Enkeltochter von Holocaust-Opfern unmöglich, eine solche „Folteranstalt“ könne sie nicht betreten.

Haslbauers Rechtsanwalt Adam Ahmed zeigte sich vor dem Anhörungstermin optimistisch, was die Zukunft von Haslbauer anging. Sie sei zwar strafrechtlich vorher schon aufgefallen, warum sie aber zu einer Vollzugsstrafe verurteilt worden sei, sei nicht zu begreifen. Ebenso wenig die Unterbringung in der Psychiatrie, die in keinem Verhältnis zur Anlasstat stehe.

Ilona Haslbauer selbst gab sich nach der unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgeschlossenen Anhörung vor Fernsehkameras äußerst optimistisch und kündigte an, dass sie in etwa vier Wochen auf freiem Fuß sein werde.

Die Entscheidung der Landgerichtskammer dürfte in den nächsten beiden Wochen fallen.

(Walter Schöttl)

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