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Der bundesweite Vorlesetag am heutigen Freitag wird in vielen Bildungseinrichtungen gewürdigt. Symbolbild.

Bundesweite Vorlesetag am heutigen Freitag

„Für eine gute Geschichte ist man nie zu alt“

Am heutigen Vorlesetag finden landkreisweit Lesungen statt, unter anderem im Seniorenheim.

Landkreis – Der bundesweite Vorlesetag am heutigen Freitag wird in vielen Bildungseinrichtungen gewürdigt – ein Plädoyer für eine wegweisende und innige Kommunikation mit langer Tradition, die es im reizüberfluteten Medienzeitalter nicht leicht hat. Wem als Kind in der Familie vorgelesen wurde, der kennt die verzauberten Zeiten ungeteilter Zuwendung und erlebt sie bei den eigenen Kindern erneut aus der Warte des erwachsenen Geschichtenerzählers. Die Aneignung von Sprache wird an ein empathisches Gemeinschaftserlebnis geknüpft: Man widmet sich gemeinsam der Lektüre und gleichzeitig dem Gegenüber.

In der Stadtbücherei habe man ein Stufenmodell für das Vorlesen entwickelt. Das Projekt „Kleiner Bücherrabe“ richte sich an Eineinhalb- bis Dreijährige. Vorlesen für Kindergärten, Autorenlesungen für Schulklassen und Klassenführungen runden das auf verschiedene Altersstufen abgestimmte Angebot ab.

Heute können Kindergartenkinder und ihre Eltern um 16 Uhr Geschichten in drei Sprachen hören – Türkisch, Englisch und Deutsch. Lesungen für Erwachsene, darunter „Lesen & Lauschen im Grünen“, der „Gruselabend“ und die Matinee regionaler Autoren sind fester Bestandteil im Programm der Stadtbücherei Erding.

Hörbücher als Variante des Vorlesens

Hörbücher seien ebenfalls sehr beliebt, berichtet Silke Hörold-Ries, die Leiterin der Stadtbücherei. Es sei eine weitere Variante des Vorlesens. In Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk werden zudem Lesungen in den Erdinger Seniorenheimen organisiert, um auf ältere Menschen zuzugehen. Hörold-Ries ist Seniorenbeauftragte der Stadt Erding und veranstaltet im „Haus der Begegnung“ demnächst eine Weihnachtslesung mit dem Autor Klaus Schiermann.

Autorenlesungen gibt es auch in der Wörther Gemeindebücherei. „Das hebt die Wertigkeit des Vorlesens“, so Leiterin Marita Zimmermann. „Wenn Schulklassen zu Besuch kommen, dann baue ich Lese-Episoden mit ein“, berichtete Zimmermann weiter. Dieser Tipp einer Kollegin komme bestens an und werde von den Kindern richtig eingefordert.

In der Vorweihnachtszeit werden in der Gemeindebücherei „Adventsgeschichten mit Conny und Eva“ erzählt – eine beliebte Elterninitiative. Beim Bilderbuchkino werden in der abgedunkelten Bücherei zum Text Bilder gezeigt und besprochen. „Man taucht ganz tief in die Geschichte ein“, meinte die Wörther Büchereileiterin.

Anna Spielberger von der Nachbarschaftshilfe Walpertskirchen gehört zum siebenköpfigen Lesepatenteam, das zehn Lesetermine pro Schuljahr gestaltet. Beim nächsten Treff begrüße man den 893. Besucher und beim tausendsten Kind will man sich eine Überraschung überlegen. „Das Schönste ist, wenn man bekannte Gesichter sieht“, meinte Spielberger. Dann sehe man, dass das Angebot gut ankomme. Wenn die Kinder überdies den Ehrgeiz entwickelten, selbst zu lesen, sei das ein ganz besonderes Erlebnis.

Vorlesen: Wichtige Rolle im Hoagarten

Auch die bayerischen Hoagarten im Landkreis widmen sich der Tradition des Vorlesens. Zu einer generationsübergreifenden musikalischen Weihnachtslesung lädt das Walpertskirchener Knirschvogelhaus am 21. Dezember um 16 Uhr in seiner Benefizveranstaltung für die örtliche Nachbarschaftshilfe ein.  

„Für gute Geschichten ist man nie zu alt“, findet der Lengdorfer Autor Wolfgang Hofer. Deshalb wird er im Dorfener Marienstift in diesen Tagen heimatliche Anekdoten zum Besten geben. So wie für die Grundschüler das Vorlesen wichtig ist, ist es auch für Senioren von großer Bedeutung. „Ich habe Geschichten aus der Heimat ausgesucht“, sagt der Lengdorfer Autor, für den Unterhaltung und Geselligkeit im Vordergrund stehen.

„Die älteren Leute bekommen wenig Besuch, wünschen sich mehr Ansprache.“ Generell werde im Marienstift öfters vorgelesen, so Klara Hochmuth, Leiterin des Sozialdienstes. „Schillers ,Glocke‘ kennen die meisten unserer Bewohner noch auswendig, auch kurze Geschichten kommen gut an, zumal die meisten Bewohner nicht mehr gut sehen und somit auch nicht mehr selber zum Buch greifen können.“

Zudem werden Persönlichkeiten, wie Bürgermeister Heinz Grundner oder Schauspielerin Simone Ascher, für die Schüler der Grundschule Nord in Dorfen ihren Lieblingsschmöker in die Hand nehmen und den Kindern daraus vorlesen. „Das sind Leute, die in Dorfen was zu sagen haben“, erklärt Gerhard Maintok, Rektor der Grundschule Nord. „Die Schüler leiten automatisch ab, wenn die alle Bücher lesen, dann muss Lesen cool sein.“  

Vroni Vogel und Michaele Heske

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