+
Der Tatort: In diesem Flüchtlingsheim spielte sich im Februar dieses Jahres die Bluttat ab.

Prozessauftakt am Montag in Landshut

Mord in Asylunterkunft: Somalier (38) vor Gericht

  • schließen

Am Montag beginnt vor dem Landgericht Landshut der Prozess um den ersten gewaltsamen Tod eines Flüchtlings in einer bayerischen Unterkunft. Die Bluttat spielte sich im Februar in Dorfen ab.

Nfally B. wurde nur 20 Jahre alt. Der Senegelase war der erste Flüchtling, der bayernweit bei einem Streit unter Asylsuchenden gewaltsam ums Leben gekommen ist. Am 21. Februar dieses Jahres wurde Nfally B. in der Asylunterkunft neben dem Bahnübergang in Dorfen erstochen. Der mutmaßliche Täter steht ab Montag vor dem Landgericht Landshut. Er war der Zimmergenosse des Opfers. Mohamed Hassan S. muss sich vor der Ersten Strafkammer wegen Mordes verantworten. Damit droht dem 38 Jahre alten Somalier eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Es war in der Nacht auf Sonntag, 21. Februar: Nfally B. und Mohamed Hassan S. waren wieder einmal im Streit geraten. Seit mehreren Monaten hatten die beiden Flüchtlinge ein Zimmer in der Dorfener Unterkunft – eine zweigeschossige Containeranlage mit seinerzeit 35 Bewohnern – geteilt. Am Samstag davor war schon einmal eine Streife der Polizei wegen der beiden Männer vor Ort gewesen.

Dass nur Stunden später die Lage eskalieren sollte, ahnte niemand. Gegen 0.30 Uhr ging der Notruf bei der Polizei ein. Die Kripo Erding rekonstruierte, dass es zunächst zu einem verbalen Streit gekommen war. In dessen Verlauf zückte der Angeklagte ein Klappmesser und stach immer wieder auf das Opfer ein. Die 7,5 Zentimeter lange Klinge traf den Senegalesen im Brust- und Kopfbereich sowie am Rücken. Tödlich waren jedoch Stiche ins Herz und in die Lunge.

Rasch waren auch ein Notarzt und ein Rettungswagen vor Ort. Trotz umgehender Reanimation konnte dem 20-Jährigen nicht mehr geholfen werden.

Die Staatsanwaltschaft Landshut geht davon aus, dass der junge Mann keine Chance hatte, sich gegen den Angreifer zur Wehr zusetzen. Auch meint die Anklagebehörde, dass Nfally B. nicht ahnen konnte, in welch großer Gefahr er sich befand. Deswegen muss sich Mohamed Hassan S. wegen Mordes verantworten. Unmittelbar nach der Tat hielt er sich vor der Unterkunft auf – das Messer noch in der Hand. Er ließ sich widerstandslos festnehmen.

Noch am gleichen Tag erging Haftbefehl gegen ihn. Seither sitzt der 38-Jährige in der Justizvollzugsanstalt Landshut ein. Für den Prozess vor der fünfköpfigen Kammer hat Vorsitzender Richter Markus Kring vorerst zwei Verhandlungstage angesetzt – am Montag und Dienstag kommender Woche ab 9 Uhr. Verteidigt wird der Somalier von Rechtsanwalt Thomas Krimmel.

Der Leichnam von Nfally B. wurde in seine Heimat gebracht. Zur Erinnerung pflanzten Freund in Dorfen einen Baum. Beide Männer strebten nach Freiheit, nun ist einer tot, der andere sitzt wohl noch viele Jahre im Gefängnis.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bomben im Boden sind ihr Geschäft
EMC Kampfmittelbeseitigung sorgt in ganz Deutschland für Sicherheit. Das Langenpreisinger Unternehmen eröffnet nun auch eine Schule für dieses gefährliche Geschäft.
Bomben im Boden sind ihr Geschäft
Rechte Hetze, linke Ideologie und Schüler, die selbst denken können
Am Gymnasium Dorfen ist von der Schulleitung eine von Schülern organisierte und auch von der Schule auch genehmigte politische Podiumsdiskussion kurzfristig untersagt …
Rechte Hetze, linke Ideologie und Schüler, die selbst denken können
Bald auch Hilfen für Einheimische
In der Taufkirchener Puerto Jugendwohngemeinschaft von Condrobs sollen in absehbarer Zeit nicht nur unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut werden, sondern auch …
Bald auch Hilfen für Einheimische
50 Jahre gelebte Barmherzigkeit
Seit 50 Jahren ist das Wohn- und Pflegeheim der Barmherzigen Brüder in Algasing eine Heimat für Menschen mit Behinderung. Trotz Umbruchs soll das Kloster ein Haus der …
50 Jahre gelebte Barmherzigkeit

Kommentare