Herzlichen Glückwunsch! Am Ende standen die Delegierten Schlange, um Ulrike Scharf (r.) zu gratulieren. F.: ham

CSU vor der Landtagswahl:

Scharf siegt klar - Schwimmer abgewählt

Taufkirchen - Die Landtagskandidatin der CSU für die Landtagswahl im September heißt Ulrike Scharf. Bei der Nominierungskonferenz in Taufkirchen erhielt sie 112 Stimmen. Ihr Gegenkandidat und Amtsinhaber Jakob Schwimmer überzeugte 79 Delegierte. Ein unerwartet klarer Sieg für die 45-Jährige.

Das Kandidatenteam der CSU für das Wahljahr 2013 steht fest: Andreas Lenz kandidiert für den Bundestag, Ulrike Scharf für den Landtag und Franz Hofstetter für den Bezirkstag. Klar ist aber auch: Schwimmer muss aus dem Maximilianeum ausziehen, 2014 wird er nicht mehr als Bürgermeister von St. Wolfgang kandidieren. Bezüglich des Kreistags hat sich der 63-Jährige noch nicht festgelegt.

Zu Beginn der Nominierungskonferenz im Bürgersaal von Taufkirchen zeigte Kreisvorsitzender Martin Bayerstorfer demonstrativ Neutralität. Vor den 192 Delegierten sprach er von „zwei hervorragenden Bewerbern“. Beide hätten sich „große Verdienste“ erworben, beide würden den Stimmkreis hervorragend vertreten.

Dennoch gab es Gerüchte: Bayerstorfer soll im Vorfeld hektisch telefoniert haben, um die Delegierten für Schwimmer zu gewinnen. Der bestritt dies gestern Abend vehement: „Von mir wurde niemand beeinflusst, auch wenn ich einen persönlichen Favoriten hatte.“

Nach Informationen unserer Zeitung hatte ein Probeabstimmung der 21 Vorstandsmitglieder ein alles andere als geschlossenes Bild ergeben. Schwimmer hatte in der Spitzenrunde allerdings eine klare Mehrheit.

Insider sind überzeugt: Die späte Wahl spielte Scharf in die Hände, die Woche um Woche aufholte. Zuletzt war es ihr gelungen, gleich mehrere CSU-Schwergewichte in den Landkreis zu holen – erst vorige Woche das halbe Kabinett.

In ihrer leidenschaftlich gehaltenen Bewerbungsrede erinnerte sie an ihr Engagement in politischen wie gesellschaftlichen Verbänden und wies daraufhin, dass sie in der Region tief verwurzelt sei. Gleichzeitig bekannte sie: „Ich bin Parteisoldatin“, die viel an der Basis unterwegs sei. Unter anderem habe sie die Mittelstands Union wiederbelebt. Als Unternehmerin „stehe ich mit beiden Beinen im Leben“. Mit ihrer Familie beschäftige sie 80 Mitarbeiter und bilde aus. Als Wasserwacht-Landeschefin sei es ihr gelungen, für die ehrenamtlichen Retter liberale Führerscheinregelungen in Gesetzesform zu gießen, den so genannten Wasserwacht-Führerschein.

Mit 45 Jahren sei sie voller Schaffenskraft und Tatendrang. „Ich möchte nicht nur unsere Stammwähler überzeugen, sondern auch Wechselwähler gewinnen“, sagte sie und verwies darauf, dass sie ebenfalls Landtagserfahrung besitze. Von 2006 bis 2008 gehörte sie schon einmal dem Parlament an.

Schwimmer spielte hingegen die Karte des alten Parlamentshasen. Er listete die Erfolge der CSU in den vergangenen Jahren auf: den Erhalt und die Aufwertung der Haupt- als Mittelschule, 7000 neue Lehrerstellen, 48 000 neue Studienplätze, 2000 neue Polizisten, das sicherste Bundesland sowie einen Fokus auf die herkömmliche wie auf die ökologische Landwirtschaft. Er vergaß nicht zu erwähnen, dass er als St. Wolfganger Bürgermeister einer der Pioniere bei der kommunalen Nutzung regenerativer Energien gewesen sei.

Zur Infrastruktur erklärte er, es sei vor allem sein Verdienst gewesen, dass Seehofer zum Anwalt der Flughafenregion geworden sei und ihm das Versprechen abgerungen hatte: „Sonderlasten erfordern Sondermittel“. Dennoch müsse es endlich vorwärts gehen, auch mit den Umfahrungen von B 388 und B 15.

Schwimmer versicherte: „Ich bin mit 63 noch nicht zu alt für eine dritte Amtszeit. Ich fühle mich fit.“ Mit 30 Jahren Erfahrung als Bürgermeister und einer selbstbewussten Haltung im Landtag bringe er alle Voraussetzungen mit. Der Applaus für ihn fiel dennoch viel bescheidener aus als der für Scharf.

Hans Moritz

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