Hat nachts die besten Ideen: Autorin Anna Schneider (l.), die hier ihre Bücher signiert. Foto: vam

Lange Erdinger Kriminacht

Witzige Dialoge und abstruse Mordfälle

  • schließen

Erding - Zum 14. Mal fand die lange Erdinger Kriminacht statt. Auch dieses Jahr kamen viele Krimi-Fans und genossen den rundum gruseligen Abend.

Schräge Charaktere, witzige Dialoge und abstruse Mordfälle: Regionalkrimis füllen derzeit die Regale der Buchhandlungen. Auch die lange Erdinger Kriminacht am Freitag im Zeichen vom Mord vor Ort stand.

Zum 14. Mal fand der kriminelle Abend der Landkreisbibliothek in Zusammenarbeit mit dem Krimifestival München im Anne-Frank-Gymnasium statt. Dabei wissen Freunde der gepflegten Krimi-Unterhaltung längst: Die „lange Kriminacht“ macht ihrem Namen gerne alle Ehre. Dass es heuer ein bisschen später wurde, daran war Organisator und Landkreisbibliotheksleiter Olaf Eberhard nicht (alleine) schuld. Er ist bekannt für seine Moderationen voll launiger Anekdoten. 40 Minuten dauerten seine Ansagen - Schüler hatten mitgestoppt. Vielmehr war es die Technik, die streikte, genauer gesagt die Mikrofone. So dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis man die Sprecher gut verstand.

Anfangs lauschten die vorwiegend jungen Besucher der Jugendautorin Anna Schneider. Sie las aus „Bald wird es Nacht, Prinzessin“, das auf dem Märchen „Dornröschen“ basiert und sich um die herzkranke Nova dreht. „Mir war wichtig zu zeigen, dass es nicht nur das Schöne und Gesunde gibt“, erzählte Schneider. Für die Recherche hat die Autorin, selbst zweifache Mutter, Biographien todkranker Jugendlicher gelesen. „Ich habe dabei sehr viel geweint, aber auch viel gelernt. Man sollte jeden Tag genießen“, erklärte Schneider, die oftmals nachts die besten Ideen für ihre Geschichten hat. Aber auch in der Straßenbahn kommt ihr Notizbuch zum Einsatz. „Als Autor glaube ich, dass es das Wichtigste ist, beobachten zu können“, sagte Schneider.

Kriminacht in Erding: Das sind die Bilder

Eine gute Beobachtungsgabe hat auch Oskar Feifar. Schon von Berufswegen braucht er die, schließlich ist der Salzburger Kriminalpolizist und daher mittendrin im Ermittlungsalltag. In „Zwergenaufstand“ ermittelt Postenkommandant Leopold Strobel in seinem vierten Fall. Feifar plauderte dabei nicht aus seiner Schreibstube, sondern beschränkte sich auf die Lesung - mit seinem österreichischen Dialekt und trocken-satirischem Humor eine Mordsgaudi.

Die Lacher hatte auch Tatjana Kruse auf ihrer Seite. Sie musste sich erst mal warm und wieder wach reden, immerhin war es schon nach 22 Uhr. Mit ihren witzigen Geschichtchen machte Kruse ihrem Ruf als Queen der Krimi-Comedians alle Ehre. So erfuhren die Zuschauer, dass sie mal auf einer Hoteltoilette Arnold Schwarzenegger gesehen hat, weil sie aus Versehen aufs Herrenklo gegangen ist. Und, dass ihr Krimi „Grabt Opa aus“ im tirolerischen Seefeld spielt. Ein Ort, an dem Kruse vor der Recherche noch nie gewesen war. Nach „elf Gläsern Champagner“ habe sie einst zugesagt, das Buch zu schreiben. „Ich schreibe nicht, weil die Muse mich küsst, sondern weil mir ein Verlag Geld dafür zahlt“, berichtete Kruse trocken.

Zwischen den Lesungen wurden die Zuschauer mit einer Büchertombola, der Bloody-Cover-Wahl, dem herzhaften und dem legendären Süßkram-Büffet, für das 13 Kilo Gummibärchen, Schokolade & Co. zu Grusel- und Krimi-Mosaiken verarbeitet wurden, sowie Live-Musik bei Laune gehalten.

Unter anderem sang Lehrer Arno Vollath böse Lieder des österreichischen Komponisten Georg Kreisler. Trotz der Abiturvorbereitungen hatten es die Mimen des Oberstufentheaters heuer wieder geschafft, ein Stück aus der Feder von Margit Pfeiffer-Schneider einzustudieren. Die Schüler des Literaturcafés machten es in ihrem Rätsel rund um einen mordverdächtige Gärtner, Postboten und Vampire besonders knifflig. Als Eberhard gegen 23.20 Uhr seinen Helfern aus der Schülerschaft dankte, waren die Stühle in der Aula nur noch halb besetzt. Nicht alle Krimifans hatten die knapp fünfeinhalb Stunden lang ausgeharrt. Doch wer durchgehalten hatte, der wurde definitiv bis zur letzten Minute belohnt.

Vroni Macht

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rettungsdienste arbeiten gut zusammen
Im Notfall sind die Retter schnell zur Stelle. Eine Großübung am Betreuungzentrum St. Wolfgang zeigt das gute Zusammenspiel der Feuerwehren und Rettungsdienste.
Rettungsdienste arbeiten gut zusammen
Ersthelfer auf Wiesn niedergeprügelt
Menschen zu retten, ist Wolfgang Bambergs Berufung. Der 49-Jährige ist Vorsitzender der Feuerwehr Altenerding. Jetzt wurde er selbst Opfer. Ein Unbekannter schlug den …
Ersthelfer auf Wiesn niedergeprügelt
Frauenhaus: Viele Fragen offen
Der Streit ums Frauenhaus dominiert die Kreispolitik. Am Montag finden die entscheidenden Sitzungen statt. Jetzt schlägt die Stunde der demokratisch-parlamentarischen …
Frauenhaus: Viele Fragen offen
Stadtpark: Sanierung beginnt
Schweres Gerät in Erdings grüner Lunge: Diese Woche haben die Arbeiten für den zweiten Sanierungsabschnitt des Erdinger Stadtparks begonnen
Stadtpark: Sanierung beginnt

Kommentare