Der Angeklagte räumte ein, damals alkoholabhängig gewesen zu sein.
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Der Angeklagte räumte ein, damals alkoholabhängig gewesen zu sein.

A 92: Bankkaufmann (38) mit 2,51 Promille in Unfall verwickelt

Alkoholiker rast um ein Haar ins Gefängnis

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Der spontane Entschluss, seine Eltern und Schwester in Plattling zu besuchen, hat einen Bankkaufmann seine berufliche Existenz gekostet. Denn der Münchner setzte sich mit 2,51 Promille Alkohol im Blut ans Steuer und war prompt in einen schweren Unfall auf der A 92 verwickelt.

Langenpreising/Erding – Dabei hatte der 38-Jährige erst wenige Tage zuvor einen Strafbefehl mit Führerscheinentzug erhalten, nachdem er mit drei Promille in München in eine Verkehrskontrolle geraten war. Vom Amtsgericht Erding gab es dafür die ernüchternde Quittung: acht Monate Gefängnis aus Bewährung, 2500 Euro an eine Suchthilfeeinrichtung, drei Jahre absolutes Alkoholverbot und eineinhalb Jahre Führerscheinentzug.

Das Unheil nahm am Abend des 31. Juli 2020 seinen Lauf. Der Banker, der wegen des Vorfalls seinen Job verloren hat, feierte mit Freunden Geburtstag. Nicht nur während der Fete wurde munter gebechert. Am nächsten Morgen goss er beim Frühschoppen munter drei Weißbier hinterher.

Dann erhielt er einen Anruf seiner Eltern. Die Schwester aus dem Emsland sei überraschend zu Besuch, ob er sie nicht sehen wolle. Das wollte der 38-Jährige, setzte sich in seinen Firmen-BMW und fuhr in München los. Und das nicht nur im Zustand absoluter Fahruntauglichkeit – die fängt bei 1,1 Promille an –, sondern offensichtlich auch recht forsch. Denn auf der A 92 in Richtung Deggendorf erkannte der Münchner bei Tempo 170 zu spät, dass bei Langenpreising ein Ford Transit zum Überholen auf die linke Spur gewechselt war. Der Angeklagte versuchte noch auszuweichen, doch sein BMW rammte das Heck des Transporters, beide Fahrzeuge schlugen heftig in die Leitplanken ein. Der 49 Jahre alte Unfallgegner brach sich eine Rippe und trug ein Schleudertrauma davon.

Nicht geklärt werden konnte, ob der Mann vor dem Ausscheren geblinkt oder unvermittelt den Fahrstreifen gewechselt hatte. Deswegen ließ Staatsanwalt Johannes Hauber den Vorwurf der fahrlässigen Verkehrsgefährdung fallen. Folglich war auch die Körperverletzung vom Tisch.

Doch zwei gewichtige Punkte der Anklage blieben: die Trunkenheit im Verkehr, die Hauber wegen der hohen Alkoholisierung gar als vorsätzlich und damit strafverschärfend wertete, sowie das Fahren ohne Führerschein.

Der nun arbeitslose Bankkaufmann gab sich reumütig und geständig. Er räumte auch ein, zu diesem Zeitpunkt alkoholkrank gewesen zu sein. „Seit dem Unfall bin ich aber trocken, das war der letzte Warnschuss.“ Zudem habe er sich den Anonymen Alkoholikern angeschlossen.

Ein junger Beamter der Verkehrspolizei Freising erinnerte sich an „einen schweren Unfall“. Es sei anfangs gar nicht so einfach gewesen, einen Überblick zu gewinnen. Der BMW-Fahrer habe deutlich alkoholisiert gewirkt. Der Transporter-Fahrer meinte sogar: „Der war deutlich schneller als 200 km/h dran.“

Staatsanwalt Hauber würdigte zwar das Geständnis, nannte es aber straferschwerend, dass dem Münchner gerade erst der Führerschein entzogen sowie ein Strafbefehl zugestellt worden sei. Er forderte ein Jahr und drei Monate Haft auf Bewährung.

Verteidiger Dr. Martin Paringer erkannte nur eine Trunkenheitsfahrt ohne Führerschein. Deswegen hielt er eine Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu je 55 Euro als ausreichend an – in Summe 6050 Euro.

Richter Andreas Wassermann verurteilte den 38-Jährigen zu acht Monaten Gefängnisstrafe, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Er verwies dabei nicht nur auf die hohe Alkoholisierung und die zweite Trunkenheitsfahrt binnen kurzer Zeit, sondern auch auf den Umstand, dass der Münchner in diesem Zustand 120 Kilometer weit fahren wollte – und das mit hohem Tempo auf Autobahnen. „Sie hätten wissen müssen, dass Sie fahruntauglich sind“, rügte er. 

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