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Amtsgericht Erding 

Wenn das Nudelholz zur Waffe wird

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Eine Äthiopierin (26) greift Asylhelferin und Somalier an. Dafür gibt es sieben Monate Haft auf Bewährung.

Langenpreising– In Asylbewerberheimen häufen sich die Fälle gefährlicher Körperverletzungen. Bemerkenswert: Immer öfter müssen sich deswegen Frauen vor Gericht verantworten. Meist sind es Gegenstände aus der Küche, die zur Waffe werden.

Nun musste sich am Amtsgericht Erding vor Richter Andreas Wassermann eine zierliche Äthiopierin verantworten. Der 26-jährigen zweifachen Mutter, die mit einem Eritreer verheiratet ist, warf Staatsanwalt Dr. Roland Zimmermann vor, am 19. und 20. Mai vergangenen Jahres in einer Flüchtlingsunterkunft in Langenpreising mit einem Nudelholz zugeschlagen und Schuhe gegen Personen geworfen zu haben.

In die Schusslinie geraten war unter anderem eine Asylhelferin. So energisch die junge Frau die Taten bestritt, Wassermann schenkte Zeugen und Opfer mehr Glauben und verurteilte die Angeklagte zu sieben Monate Haft auf Bewährung. Zimmermann hatte ein Jahr gefordert, Anwalt Tomas Hacker auf Freispruch plädiert.

Die Verhandlung zog sich über Stunden, da mehrere Dolmetscher benötigt wurden und die Prozessbeteiligten mit Kind und Kegel angerückt waren. Einmal musste Wassermann den Säugling der Angeklagten nebst Betreuerin wegen Geschreis aus dem Saal bitten.

In der Unterkunft gärte es schon vor den beiden Straftaten. Zwei Familien aus Eritrea hatten sich gegen eine aus Somalia verbündet. Von Mobbing war die Rede, aber auch von nicht vorhandenem Integrationswillen und ausgeprägtem Anspruchsdenken des eritreisch-äthiopischen Paars. Auch mit den Ehrenamtlichen hatten sie Krach. Der ging so weit, dass zwei Frauen aus dem zu diesem Zeitpunkt zerbrochenen Helferkreis besagter Familie die Unterstützung versagt hatten.

Am Abend des ersten Tattags hatten sich die 68 und 52 Jahre alten Frauen mit der somalischen Familie zum Kaffeetrinken im Asylheim verabredet. Dann wurde es laut. Die somalische Frau war in der Küche von zwei aus dem eritreischen Clan gepackt und gewürgt worden. Die Helferinnen schlichteten und brachten die Somalier in ihre Zimmer im Obergeschoss.

Dort kreuzte plötzlich die 26-Jährige mit dem Nudelholz auf und wollte zuschlagen. Doch so weit kam es nicht. Die Angeklagte wiederum erklärte, sie sei unschuldig. Sie sei zu dem Zeitpunkt schwanger gewesen und habe die ganze Zeit ihren Sohn auf dem Arm gehabt.

Die nächste Eskalation ließ keine 24 Stunden auf sich warten: Als der Somalier tags drauf in Begleitung der 68-Jährigen einige Sachen aus der Unterkunft holen wollte, wurden sie erneut von der schmächtigen Frau angegriffen. Sie schleuderte Schuhe in deren Richtung – und traf.

Weil die 26-Jährige mit dem Nudelholz niemanden berührt hatte, und die Schuhe keinem der Beteiligten gravierende Verletzungen zugefügt hatten, sah Wassermann nur einen minderschweren Fall. Die Verurteilte lebt heute mit ihrer Familie in Berglern.

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