Mit Blumen kennt er sich aus: Josef Kriegmair ist staatlich geprüfter Gartenpfleger.
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Mit Blumen kennt er sich aus: Josef Kriegmair ist staatlich geprüfter Gartenpfleger.

Er hat zahlreiche Projekte angestoßen

„Der Garten ist mehr als der Obstbaum“: Josef Kriegmair ist seit 65 Jahren Vereinsmitglied

Der Langenpreisinger Obst- und Gartenbauverein hätte kürzlich gerne eine Versammlung abgehalten – einzig zu dem Zweck, verdiente Mitglieder zu ehren. Daraus wurde doch nichts. Nicht zuletzt Urgestein Josef Kriegmair hätte dabei wahrlich einen großen Bahnhof verdient gehabt: Er ist seit beeindruckenden 65 Jahren Mitglied.

VON KLAUS KUHN

Vorsitzende Rosi Daschinger meinte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass man sich für ihn etwas habe einfallen lassen, was jetzt eben warten müsse. Kriegmair selbst sagt dazu: „Ja mei, des is jetzt halt so.“

Mit 18 Jahren ist der 1937 geborene Ehrenvorsitzende in den Verein eingetreten, er bekleidete recht bald die ersten Posten wie Kassier oder Schriftführer, bis es ihn 1977 regelrecht erwischte: „Aus heiterem Himmel haben die mich zum Vorsitzenden gemacht. Sie haben gesagt: ,Du bist ein junger Mann, du schaffst das schon.‘ Ja, und dann war ich’s halt.“ Und er blieb es bis 2010, dem Jahr, in dem Daschinger die Führung des Vereins übernahm.

Kriegmair hält sich seitdem zurück, und das sehr bewusst: „Jeder Vorstand hat seinen eigenen Stil. Der soll das nach seinen Vorstellungen machen.“ Kriegmair war acht Jahre lang Zweiter Vorsitzender auf Kreisebene, ist staatlich geprüfter Gartenpfleger. „So hieß das damals. Man hat ja ein Wissen gebraucht, wenn man einen Verein führt.“

Und dieser Verein war bei seiner Amtsübernahme nicht nur reine Männersache, sondern auch ein reiner Obstbauverein. „Wir waren mit den Imkern zusammen. Der Imker braucht den Obstbauern, der Obstbauer braucht den Imker, sonst gibt es keine Befruchtung.“

Der große Aufschwung kam mit der dank seines Engagements eingeführten Blumenschmuck-Wettbewerbe im Jahr 1978. Kriegmairs Devise damals: „Der Garten ist mehr als der Obstbaum.“ Da dachte er aber bereits an die, die er für den Verein gewinnen wollte. Für ihn selbst war und blieb der Obstbaum trotzdem Schwerpunkt: „Ich war ja auch mal bei der Firma Gaissmaier in Weipersdorf beschäftigt.“ Er schätzt, dass er sein Wissen in mindestens 20 Baumschnittkursen an die Vereinsmitglieder und die interessierte Öffentlichkeit weitergegeben habe.

Zwei Jahre später kam die Umfirmierung in „Obst- und Gartenbauverein“, was eine starke Öffnung bedeutete. „Andere haben sich dann Verschönerungsverein genannt, aber das wollten wir nicht. Wir wollten es lassen, wie es ist“, sagt Kriegmair.

Seit 1958 ist er mit seiner Frau Maria verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Über seine Gattin sagt Kriegmair: „Ja, die muss man schon ausführlich mit erwähnen“ Sie habe den Verein gewaltig unterstützt. „Der Mann kann nicht immer vorn dran stehen, wenn die Frau nicht dahinter steht.“ Als Beispiele für Maria Kriegmairs Engagement nennt er das Kräuterbuschenbinden – eine Sache, die ebenfalls unter seiner Führung begonnen worden sei. 2000 sei der Dorfbrunnen dazugekommen.

„Der Gartenbauverein hat schon viel bewegt“, so der Ehrenvorsitzende, der sich besonders gern an das 75. Gründungsfest 1987 mit einem Blumenkorso erinnert: „Das war ein richtig schönes Fest.“

Ein großer Wurf war auch das Vereinsheim im Zanklstadel, das Kriegmair mit initiiert hat. „Das hätte man nicht geglaubt, dass man aus dem alten Schuppen noch so etwas machen kann.“ Er lobt die Zusammenarbeit mit dem Theaterverein, der bekanntlich die zweite Hälfte des historischen Gebäudes nutzt. Auch die beliebte Gartler-Kirta sei unter seiner Führung begonnen worden.

Und heute? „Ich mache jetzt hauptsächlich Bücher“, sagt Kriegmair, dessen Bildarchiv bekanntlich geradezu unerschöpflich scheint. Auch Diavorträge werde er weiterhin halten.

Seine Nachfolgerin Daschinger bedauert, dass die Versammlung, bei der unter anderem eben Kriegmair hätte geehrt werden sollen, nun doch ausgefallen ist. „Wir können es nicht machen, wir kriegen zu viele Leute zusammen“, meinte sie vergangene Woche. Mit der ausschließlich für Ehrungen gedachten Zusammenkunft wollte der Verein laut Daschinger vermeiden, dass es bei der nächsten regulären Versammlung zu viele Ehrungen würden. Sie sehe die Gefahr, dass die Verdienste einzelner dann eben in der Masse untergehen könnten, und das hätten die zu ehrenden Mitglieder nicht verdient. Kriegmairs Würdigung würde aber auch so wohl nie und nimmer unbemerkt bleiben.

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