Wohnzimmer als Bücherlager: Sara Brandhuber auf ihrer Couch mit verblieben „Gustl“-Kartons. „Das war schon irre, als auf einmal die Spedition dastand, und die Palette abgeladen hat“, erzählt die Zustorferin.
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Wohnzimmer als Bücherlager: Sara Brandhuber auf ihrer Couch mit verblieben „Gustl“-Kartons. „Das war schon irre, als auf einmal die Spedition dastand, und die Palette abgeladen hat“, erzählt die Zustorferin.

„Da Gustl findt sei Glück“: Statt Auftritten reimt und zeichnet Sara Brandhuber ein Kinderbuch

Die Kabarettistin und ihr bairischer Hamster

  • vonTimo Aichele
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Kabarett- oder Konzertauftritte in der Corona-Pandemie sind nicht nicht so einfach möglich. Statt einfach nur rumzusitzen hat Sara Brandhuber ein Kinderbuch gereimt und gezeichnet.

Zustorf – 50 abgesagte Auftritte, die gerade so verheißungsvoll begonnene Karriere als Liedermacherin und Kabarettistin abgewürgt von der Corona-Pandemie – der Lockdown hätte für Sara Brandhuber richtig traurig werden können. Stattdessen erlebt die 32-Jährige neue Abenteuer. Im März kommt ihr zweiter Sohn Jano zur Welt, aktuell baut sie mit ihrem Mann Thomas Sandner ein Haus in Zustorf. Und kurz vor der Geburt wird noch Brandhubers erstes Kinderbuch fertig: „Da Gustl findt sei Glück“. Zwei Monate später ist schon mehr als die Hälfte der ersten Auflage verkauft.

Herzensprojekt seit dem Kunst-Abitur

Ein Glück war das Reimen und Zeichnen auch für die Künstlerin – „von März bis März hab ich daran gearbeitet“. Der bayerische Hamster erlebt mit seinen Freunden Abenteuer im Wald. Und die Autorin verwirklicht ein Herzensprojekt, das sie schon seit dem Abitur 2008 in Landshut mit sich herumträgt. Ihre Facharbeit im Kunst-Leistungskurs war ein Kinderbuch – „damals noch auf Hochdeutsch“, erinnert sich die 32-Jährige.

Der Gustl ist dafür ein urbayerischer „Lauser“, wie die Autorin ihn liebevoll nennt. Etwas anderes wäre auch kaum denkbar bei der Liedermacherin, die mit Gitarre und krachertem Humor die Bühnen im Freistaat und darüber hinaus erobert. Sie habe schließlich versprochen, sich für den Erhalt des bairischen Dialekts einzusetzen, schreibt die Autorin im Klappentext ihres Kinderbuchs – im März 2017, als sie den Dialektpreis Bayern verliehen bekam, kurz nachdem sie ihren Quirin zur Welt brachte und kurz bevor sie den St. Prosper Kabarettpreis in Erding gewann.

Zu dieser Zeit wächst ihr Wagemut, aus der Elternzeit nicht mehr in ihren Beruf als Sozialpädogin zurückzukehren. Der Erfolg mit ihrem Bühnenprogramm „I war des fei ned“ gibt Sara Brandhuber Recht. „Dann kam Corona, und ich hatte unendlich Zeit“, erzählt sie heute – so viel Zeit, wie man als Mama halt hat. Für diese neue Kreativarbeit orientiert sich die Kabarettistin an ihrem Tourkalender. „Immer, wenn ich einen Auftritt gehabt hätte, hab ich mich hingesetzt.“ Das sei dann auch eine klare Vereinbarung mit ihrem Mann gewesen.

„Anfangs habe ich noch einen anderen Stil im Kopf gehabt.“ Erst will sie einen Illustrator verpflichten, zeichnet und malt dann doch selbst. Erst klassisch mit der Hand, dann verlegt sich Brandhuber aufs elektronische Zeichnen am Tablet-Computer. Das Ergebnis ist ein Kinderbuch mit frechen bairischen Reimen und Bildern, die ebenso knallig modern sind wie liebevoll natürlich.

Gustl – „nach Insider-Informationen heißt er Gustl Bayrhamster“, verrät die Autorin lachend – ist unzufrieden mit sich selbst. „Oans ko da Gustl ned vasteh: Warum bin i so wenig schee?“, fragt sich der Held am Anfang. Seine Reise ins Glück beginnt, als er einen Jäger sieht, der auf einen Hasen anlegt. „A gscheida Biss ins Wadl nei, da Woid ziidert von Jaagagschrei.“ Hase Manfred ist gerettet und fortan Gustls Freund.

Gemeinsam befreien die beiden das schöne Annamirl, eine Schmetterlingsfrau, aus einem Spinnennetz, Maus Xaver aus einer Falle und Dackel Waggl von seinem Strick. Zu viert rasen sie „wia de gesengte Sau“ vorm erbosten Bauern davon und: „Noch so vui wuide Abenteuer is Zeit jetz für a mordsdrumm Feier“.

Lob von berühmter Kabarett-Kollegin

Die Arbeit an dieser Geschichte machte der Mundart-Liedermacherin Riesenspaß. Und auch Quirin hatte seinen Anteil. „Zum Beispiel hat der Schmetterling einen Bauchnabel, weil er gesagt hat: Das muss so sein“, erzählt die stolze Mama.

Auch eine prominente Fürsprecherin hat die frischgebackene Kinderbuch-Autorin. Das Vorwort hat eine berühmte Kabarettistin geschrieben, mit der die Zustorferin gerne mal verglichen wird: Martina Schwarzmann. Ihr Lob fällt gewohnt hintersinnig aus. Der „Gustl“ sei weder ein Buch, das man „Kindern schenkt, deren Eltern man nicht mag“, oder so langweilig, dass einem beim Vorlesen der Sekundenschlaf ereilt, noch sei es so traurig, dass man als Mutter ständig weinen müsse. Es sei vielmehr ein „einwandfreies Kinderbuch“. Ein ziemlich dickes Kompliment der vierfachen Mama und Kabarettistin mit dem herben Humor.

Und zum Glück geht es jetzt auch live wieder los. Brandhubers erster Auftritt ist am Samstag, 26. Juni, auf der „Neichinger Lachnacht“ auf dem Ismair-Hof in Niederneuching. So schnell wird sie vermutlich keine Zeit mehr haben, um noch ein Kinderbuch zu schreiben.

Timo Aichele

Erhältlich

ist „Da Gustl findt sei Glück“ unter anderem in der Buchhandlung am Schatzbogen in München sowie bei Bücher Pustet und der Nikola Buchhandlung in Landshut und online auf www.sarabrandhuber.de. Hier kann man bei Bedarf auch eine hochdeutsche Fassung downloaden.

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