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Unser Symbolbild zeigt den symbolischen ersten Spatenstich für eine Fernwärmeleitung zwischen Frankfurt (Oder)  und der polnischen Nachbarstadt Slubice.

Finanziell riskantes Projekt

„Ökologischer Humbug“ in Langenpreising? Fernwärme noch in weiter Ferne

Die Gemeinde Langenpreising tut sich schwer mit dem Thema Fernwärme. Nach der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend ist klar, dass sie ihre Bestrebungen weiterführen will, aber wohl nicht mehr für das Neubaugebiet Thenner-See-Straße. Erst um den 15. November herum soll es einigermaßen belastbare, aber immer noch vorläufige Zahlen über die erforderlichen Investitionen geben.

VON KLAUS KUHN

Langenpreising – Auf Vorschlag von Natalie Kienmüller-Stadler (FW) wird es dazu eine eigene Sitzung geben, zu der auch die Kosten für das Verlegen einer Gasleitung vorliegen sollen. Die bisherigen Zahlen aber reichten vor allem Bürgermeister Peter Deimel (FW) schon für eine gehörige „Ernüchterung“: 790 000 Euro bei unsicherer Refinanzierung etwa durch Anschlüsse, dafür aber sehr sicherer Verzögerung bei der bereits laufenden Erschließung, die pro Woche 25 000 Euro kosten wird, und genauso sicherer Verzögerung der Gesamtfertigstellung mit allem, was das für die Bauherren bedeutet. Die Vorlage der Verwaltung an den Rat war jetzt schon eindeutig: „Es kann nur schwer abgeschätzt werden, wie hoch die Anzahl der tatsächlichen Wärmeabnehmer ausfällt.“

Den Gedanken im Rat, mit einem Anschluss- und Benutzungszwang zu arbeiten, versieht die Verwaltung selbst mit einem Fragezeichen und fand damit Zustimmung bei Franz Neumüller (FW), der darauf verwies, dass keiner einen Zwang wolle. Leo Melerowitz und Wolfgang Leitsch (beide CSU) wollten das Thema nicht beerdigen, sprachen von einer Chance für die Zukunft, während Helmut Empl (CSU) auf Leitungsverluste von bis zu 30 Prozent verwies. Er bezeichnete das Ganze als „ökologischen Humbug“, zumal in den Berechnungen von einem Gaskessel und nicht etwa von regenerativen Energien für die Spitzenlast ausgegangen worden war.

Bekanntlich soll ein örtlicher Landwirt mit seiner Biogas-Anlage die sogenannte Grundlast liefern. Empl und Max Danner (FW) zweifelten zudem an den Kostenberechnungen, denn es fehlt für sie jeder Hinweis auf die Personalkosten für Betrieb und Wartung der vom Energieversorgungsunternehmen der Gemeinde zu betreibenden Anlage.

Das größte Risiko, das jetzt schon abzuschätzen ist, ist die Zeitschiene. Zwischen Vergabe und Fertigstellung liegen nach Aussage der Bauverwaltung gerade mal sechs Wochen. Da musste auch Leitsch eingestehen: „Uns war klar, dass das sehr sportlich wird.“ Dazu kommt die aktuelle Auftragslage besonders im Tiefbau. „Die Firmen warten nicht gerade auf Aufträge“, sagte Marco Lachmann, der neue zuständige Abteilungsleiter in der Verwaltung. Er warnte in der Vorlage, dass sich ein derart „straffer Zeitplan“ als Kostentreiber erweisen könne, wenn die Gemeinde überhaupt eine Baufirma finde, die das in der Zeit mache.

Eine Heizzentrale muss auch erst noch gebaut werden. Das kostet Zeit. Wird sie gegenüber vom Neubaugebiet auf der anderen Straßenseite errichtet, muss der gesamte Flächennutzungsplan neu angefasst werden. Theresa Wannisch vom Bauamt hat nämlich herausgefunden, dass das Gebäude genau dort errichtet werden müsste, wo ein geschützter Grünbereich liegt, den das Landratsamt erhalten wissen will. Wird diese Heizzentrale in eines der neuen Häuser im Neubaugebiet selbst integriert, muss der Bebauungsplan in dieser Phase – die Erschließungsarbeiten laufen schon – noch einmal geändert werden.

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