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Herzstück von EMC ist das Schulungsgelände in Langenpreisising: Chefin Eveline Zwehn deutet auf einen kaum zu sehenden Granatenfund.

Firma für Kampfmittelbeseitigung

Bomben im Boden sind ihr Geschäft

EMC Kampfmittelbeseitigung sorgt in ganz Deutschland für Sicherheit. Das Langenpreisinger Unternehmen eröffnet nun auch eine Schule für dieses gefährliche Geschäft.

Langenpreising – Aus dem Boden vor einem eingefallenen Kampfstand ragt etwas Rundes heraus. Das bedeutet für die Mitarbeiter von Eveline Zwehn höchste Alarmstufe: Das Fundstück erweist sich als Artilleriegranate, ein gefährlicher Blindgänger. Der simulierte Fund auf dem Übungsgelände am Ortsrand von Langenpreising in Richtung Pottenau ist dabei nur eine der leichteren Übungen. 28 Mitarbeiter von EMC Kampfmittelbeseitigung sind ständig europaweit unterwegs, um die Überreste von Kampfhandlungen aus Welt- und Bürgerkriegen zu finden. Und die Arbeit wird immer gefährlicher. Die Sprengstoffe sind nach wie vor zündfähig und werden durch chemische Zersetzungsprozesse sogar immer unberechenbarer.

Wettlauf gegen die Zeit

Peter Waffler, leitender Feuerwerker im Unternehmen, hat einen Heidenrespekt vor sogenannten „Zerschellern“, also Bomben und Granaten, die beim Einschlag aufreißen, aber nicht krepieren. Dann nämlich liegt der Sprengstoff offen. „Da reicht es, wenn du mit dem Fingernagel drüber kratzt, dann kann das Ding hochgehen.“ Bei dieser Arbeit ist der erste Fehler der letzte.

Die Geschäftsführerin beschreibt das Aufgabenfeld ihrer Firma so: „Suchen, finden, identifizieren, freilegen, das ist unser Job.“ Entschärfen, räumen, vernichten, das ist Sache des Freistaats Bayern. „Das ist ganz klar gesetzlich so geregelt“, ergänzt Waffler. „Wir könnten zwar, dürfen aber nicht.“ Der Hintergrund ist, wie so oft, das liebe Geld: Was EMC macht, bezahlt der Bauherr, was der Freistaat Bayern macht, ist Pflichtaufgabe und wird vom Steuerzahler getragen.

Es ist zudem ein Wettlauf gegen die Zeit. „Die Generation, die solche Kampfmittel noch gekannt hat, stirbt aus. Die heutige Generation kann damit gar nichts mehr anfangen“, so die Erfahrung von Eveline Zwehn, die sich noch mit Grausen an einen Buben erinnert, der eine im Dreck gefundene Panzerfaust auf dem Radgepäckträger dabei hatte. Und es ist ein Wühlen im Dreck. Vor allem auf Baustellen werden die Experten aus Langenpreising gerufen.

Der Erfindungsreichtum der Menschen, wenn es darum geht, anderen Leid zuzufügen, ist unendlich. Säure- oder Aufschlagzünder? Der Dreckklumpen mit viel Rost, der da zutage gefördert wird, kann nur mit viel Erfahrung identifiziert werden. Darum dauert die Ausbildung auch etwa fünf Jahre.

Einzige Schule in Süddeutschland

Was das Unternehmen in seiner Sammlung zu Schulungszwecken angehäuft hat, kann schlaflose Nächte bereiten. Darunter sind Antipersonenminen, die an Bäume gebunden werden und durch einen gespannten Draht in 50 Metern Entfernung ausgelöst werden. Solche Fallen hatten Amerikaner wie Russen in Gebrauch, hier sind beide Muster ausgestellt.

Die Mitarbeiter haben einen robusten Humor, aber der ist wie weggeblasen bei den Bildern von den Verletzungen, die solche Minen hervorrufen. Und die unterscheiden nicht, ob das Opfer ein Kind auf dem Weg zum Brunnen war oder ein Bürgerkriegskämpfer.

Den Wettlauf gegen die Zeit wollen die Männer um Eveline Zwehn gewinnen. Das Unternehmen hat Anfang Mai die Genehmigung zum Betrieb einer Schule in Empfang genommen, die einzige in Süddeutschland und eine von nur vier in der ganzen Bundesrepublik. „Fachtechnisches Aufsichtspersonal in der Kampfmittelbeseitigung“ dürfen sich die Absolventen des dreimonatigen Kurses nennen, wenn sie die vom Gewerbeaufsichtsamt abgenommene Prüfung bestanden haben. Dazu kommen kürzere Lehrgänge, die sich an ein wesentlich breiteres Publikum richten.

„Der Baggerfahrer soll begründet Verdacht schöpfen können und erkennen, ob er Fachpersonal zuziehen soll“, beschreibt Eveline Zwehn den Zweck. Das Erkennen von Bodenveränderungen, Metallteilen gar, könnte schwere Unfälle vermeiden, die nach wie vor immer wieder mal passieren. Zielgruppe für diese Kurse seien alle, die irgendwie in den Boden eingreifen, also auch Archäologen, deren Arbeit sich von der der Kampfmittelsucher manchmal nur durch den Zweck unterscheidet. Mit hochempfindlichen Sonden wird nach Metall im Boden gesucht. Die einen suchen Gürtelschnallen und Münzen, die anderen eben Gewehrmunition und Granaten. Finden tun beide übrigens immer wieder das selbe, nämlich Kronkorken, die die hochempfindlichen Sensoren noch in drei Metern Tiefe aufstöbern.

Der „Kampfmittelhorizont“, weiß Waffler, liegt bei sechs Metern. In dieser Tiefe werden Bomben und dergleichen gefunden. Dann hilft nur eines: Löcher bohren, ein Kunststoffrohr hineinschieben, die Sonde herunter lassen. Das Gerät hat die Firma für solche Fälle dabei. Auftraggeber sind nicht nur die Bundeswehr, sondern auch die Bahn, private Bauherren, und viele mehr.

Bundesweit anerkannt

Was die Schule angeht, sind die ersten Lehrgänge für Oktober geplant. Das Gelände hinter dem Haus war eine der Kernvoraussetzungen, um den Schulbetrieb überhaupt anlaufen lassen zu können. Über zwei Jahre dauerte das Genehmigungsverfahren, weil alle Bundesländer dem detaillierten Lehrplan zustimmen mussten. Das Ergebnis ist, dass die Zertifikate, die hier erarbeitet werden, auch bundesweit anerkannt sind. Eveline Zwehn beschreibt die Zusammenarbeit zwischen Schule und den Praktikern so: „Die Leute, die ständig vor Ort sind, bringen ihre Erfahrungen direkt ein.“

Und geübt muss werden: In diesen Tagen wird eine Übungsstrecke fertig: Ein gemauertes Sandbecken, in dem die Lehrer echte Minen vergraben, die dann von den Schülern gefunden werden müssen. Diese Minen sind natürlich „delaboriert“, wie der Munitionsfachmann sagt. Das heißt: Sie enthalten keinen Sprengstoff mehr.

Mit einer langen Nadel stochern dann die Übenden in dem Sand herum – nicht von oben, sondern von der Seite her, immer in Arbeitsrichtung. „Von oben kommt der Druck drauf, dann gehen die Dinger hoch“, erläutert Eveline Zwehn. „Ich habe das in Kambodscha gesehen, wie das geht.“ Es dauert eine quälend lange Zeit, bis etwa ein Feld wieder gefahrlos bestellt werden.

So bleiben die Folgen von kriegerischen Auseinandersetzungen auch Monate und Jahre später noch für die Menschen vor Ort eine ständige Bedrohung. Dass in den vergangenen Kriegen in Deutschland vergleichsweise wenig Minen eingesetzt worden sind, bezeichnete die Chefin als großes Glück.

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