Auto fährt in Menschenmenge in Helsinki: Ein Toter

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Fabian Riedel steht in der so genannten Säuglingsstation der hochmodernen Anlage, die derart innovativ ist, dass es dafür Fördergelder der EU und des Freistaates Bayern gab. Foto: kuhn

Größte Kreislauf-Anlage für Garnelen in Europa

Frisch und bio: Langenpreisinger Garnelen

Langenpreising - Gute Nachricht für Feinschmecker: Es gibt eine Langenpreisinger Alternative zu alten und mehrmals aufgetauten asiatischen Garnelen. Gute Nachricht für die Gemeinde: Die beiden Unternehmer wollen auf Europas größter Kreislauf-Anlage zehn Jobs schaffen.

Garnelen sind eine Delikatesse. Sie werden nach wie vor aus Asien importiert. Die Bedingungen, unter denen sie dort produziert werden, waren schon mehrfach Thema von Fernsehreportagen und sind geeignet, den Appetit auf diese Meerestiere zu verderben. In Langenpreising haben sich Fabian Riedel und Maximilian Assmann daran gemacht, Garnelen für den heimischen Markt selbst aufzuziehen.

„Ich weiß, wie diese Garnelen dort produziert werden“, erzählt Riedel von der Zucht in Asien. „Die Garnelen schwimmen im eigenen Kot, sind mit Antibiotika behandelt, und bis sie bei uns auf den Tisch kommen, sind sie oft mehrmals aufgetaut und wieder eingefroren worden. Die sind im Durchschnitt 6,4 Monate alt, wenn die hier beim Verbraucher ankommen. Ich habe mir gesagt: Das muss doch auch anders gehen.“ Und dann begann er in einer Wohnung, wo er versuchsweise Becken aufstelle, in denen dann Krebse heranwachsen konnten. Diese Versuche verliefen erfolgversprechend.

Manchmal hüpfen

sie 50 cm hoch

Die Garnelen wachsen bei Wassertemperaturen von rund 28 Grad am besten. Will man also diese Tiere für die Küche in Bayern frisch auf den Tisch bringen, muss man die Bedingungen, unter denen sie gedeihen können, erst einmal schaffen. Die beiden bauten eine hochmoderne Anlage, die derart innovativ ist, dass es Fördergelder der EU und des Freistaates Bayern gab. In Langenpreising steht nun die größte so genannte Kreislauf-Anlage für Garnelen Europas. „Kreislauf“ heißt: Das Wasser, in dem die Garnelen schwimmen und wachsen, spielen und fressen, und aus dem sie auch zuweilen mal 50 Zentimeter hoch hinaushüpfen, wenn ihnen danach ist, wird mehrmals täglich komplett umgewälzt. Es ist Salzwasser.

Das Meersalz dafür lagert in großen Säcken in dem Bereich der Halle mit der Wasseraufbereitung. Und die hat es in sich: Es sind vier komplette Kläranlagen in der Halle installiert, mit einer biologischen Klärstufe, einer Filterkammer, und einer speziellen Anlage, in der das überschüssige Eiweiß abgebaut wird. Klar: Die weit über eine Million Tiere pfeffern auf gut bairisch schon rein ins Wasser, und diese Stoffe müssen möglichst schnell raus, damit die Tiere sich wohl fühlen. An dieser Technik hängt im Grunde das Leben der vielen Tiere, und darum ist sie mehrfach abgesichert, bis hin zu einer automatisierten Störungsmeldung auf die Handys der Verantwortlichen. Riedel weist auf noch einen Umstand hin: „Die Besatzdichten sind moderat und mit Sicherheit deutlich niedriger als bei den Zuchtfarmen in Asien. Die Tiere sollen sich wohlfühlen.“

Nun kann niemand in diese Garnelen der Sorte „White Tiger“ hinein schauen. Aber man bekommt den Eindruck: So munter, wie die durch das Wasser paddeln, kann es ihnen nicht wirklich schlecht gehen. Die Wassertemperatur wird gehalten, die Lufttemperatur liegt bei 30 Grad in dieser extrem wärmegedämmten Halle, wo zudem ständig die Luft ausgetauscht werden muss, um Kondenswasser an den Außenwänden im Winter zu vermeiden.

Antibiotika

sind tabu

Die Luftfeuchtigkeit entspricht tropischen Bedingungen. Antibiotika sind tabu. Riedel nennt einen technischen Grund dafür: „Sobald wir Antibiotika einsetzen, würde uns auch die Biologie hinten in der Kläranlage zusammenbrechen und mit ihr die gesamte Wasseraufbereitung.“

Dass die Tiere auch ohne diese problematischen Stoffe gesund bleiben, garantieren laut Riedel zwei Umstände: „Unsere Larven beziehen wir von einem Spezialbetrieb in Florida, der nachweislich seit vielen Jahren seuchenfrei ist. Und dann sind wir hier in einem geschlossenen System. Hier ist kein Vogel, der seinen Kot ins Wasser lassen kann, kein Fisch kommt von außen herein.“ Eine theoretische Krankheitsquelle will das Unternehmen ab dem kommenden Jahr Zug um Zug ausschalten, indem es eine eigene Nachzucht etabliert. Außerdem kämen die Krankheiten, die in Asien schon halbe Bestände dahin gerafft haben, in Europa nicht vor, versichert Riedel. Weil aus diesen Regionen nichts in die Becken komme, sei ein Eintrag der Erreger dieser Seuchen auch technisch ausgeschlossen.

Musteranlage für Garnelen-Betriebe

Was in Langenpreising erzeugt wird, sei also Bio-Ware, denn auch die Futtermittel erfüllen diese Kriterien, wie Riedel versicherte. Sie werden weiter optimiert mit dem Ziel, den Fischmehlanteil zu verringern. Als es jetzt aber daran ging, eine entsprechende Zertifizierung vorzunehmen, hatten die Experten von Naturland ein Problem: Es gibt keine Kriterien für Betriebe dieser Art, nach denen zertifiziert werden könnte. Die Langenpreisinger Anlage könnte nun die Musteranlage für alle vielleicht noch kommenden Zertifizierungsverfahren werden.

„Jetzt geht es los“, sagte Riedel weiter. Die ersten Garnelen sind jetzt so groß, dass sie verkauft werden können. Dazu müssen sie verarbeitet und verpackt werden. Das geschieht in einem Raum direkt neben der Halle mit den Becken. Die Tiere kommen durch eine Schleuse in den sterilen Raum, wo sie abgetötet, verarbeitet, und für den Versand fertig gemacht werden. Dieser Raum wird in diesen Tagen fertig eingerichtet und abgenommen. Den darf auch kein Betriebsfremder mehr betreten, aus lebensmittelhygienischen Gründen.

„Wir haben enorm viele Anfragen“, freut sich Riedel. Die Spitzengastronomie und die Feinkostläden, aber auch die, die den Massenmarkt bedienen wollen, hätten schon angefragt und folgen damit einem allgemeinen Trend. Bio ist eben in. Was die Frische angeht, ist Riedel kompromisslos: Es werde nichts tiefgefroren. Und wer die frischen Tiere sieht, der wird vielleicht zunächst überrascht sein, dass sie keine rötliche Färbung haben. „Diese Färbung bekommen die Garnelen tatsächlich erst, wenn sie gekocht oder gebraten sind“, erläutert Riedel dazu. Die Langenpreisinger Garnelen sind also leicht bläulich und würden in der Auslage der Feinkostläden herausstechen.

Bläulich gefärbt

heißt: superfrisch

Die Fachverkäufer müssen dazulernen: Die bläulich gefärbten sind dann die frischen. Und die anderen? Genau darauf setzt Riedel in seinem Vermarktungskonzept, das noch etwas anderes vorsieht: „Wir werden auch einen Werksverkauf machen“, kündigte er an.

CrustaNova versteht sich als heimisches Unternehmen. Der Firmensitz war zunächst München, aber er ist jetzt nach Langenpreising verlegt worden. Riedel lobte die gute Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung und vor allem mit Bürgermeister Peter Deimel.

Arbeitsplätze werden in einem gewissen Rahmen auch geschaffen. „Wir suchen noch einen Fischwirt und eine Sekretärin“, sagte er. Dann werde es wohl noch Teilzeitkräfte in der Verarbeitung geben, so dass es insgesamt etwa zehn Arbeitsplätze in Langenpreising sind.

Von Klaus Kuhn

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