Vor allem auf die richtigen Farben kommt es laut Künstler Richard Furch an.
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Vor allem auf die richtigen Farben kommt es laut Künstler Richard Furch an.

Renovierungsbedürftige Stele des verstorbenen Künstlers kommt zurück an alten Standort

Furch bringt Vollrath-Werk auf Vordermann

Eine in Langenpreising bestens bekannte Holz-Stele von Künstler Johannes R. Vollrath wird heuer 20 Jahre alt. Ihre jüngere Vergangenheit war nicht einfach: Wegen einer Baustelle wurde sie zunächst eingelagert, vor der Rückkehr an ihren Platz an der Schule muss sie nun noch dringend bearbeitet werden.

VON SYLVIA STADLER

Langenpreising - Die vom örtlichen Künstler geschaffene, relief-geschmückte Säule stand bis zum Schulhausneubau vor der dortigen Turnhalle, musste aufgrund der Baumaßnahme umgelegt und dann im Bauhof eingelagert werden. 2. Bürgermeister Leo Melerowitz war es ein Anliegen, die Stele wieder aufzustellen. Als man diese jedoch in Augenschein nahm, stellte sich heraus, dass das im Jahr 2001 erstellte Kunstwerk recht renovierungsbedürftig war. Melerowitz übernahm die Initiative und griff zur Schleifmaschine, um die Stele komplett zu reinigen und abzuschleifen. Beim Langenpreisinger Künstler Richard Furch, der sich auch schon der Restaurierung der Holzskulptur „Begleitung“ angenommen hat (wir berichteten), stieß er mit seiner Bitte, die Stele wieder auf Vordermann zu bringen, auf offene Ohren.

Es war allerdings kein einfaches Unterfangen, da sich der Transport des Kunstwerks als schwierig erwies. Bevor Furch zu Farbe und Pinsel greifen konnte, waren aufwendige Vorarbeiten erforderlich, mussten die Farben anhand einer Bilddokumentation doch exakt bestimmt werden, um das Kunstwerk wieder in den Originalzustand zu bringen. „Die größte Herausforderung ist der richtige Farbton“, schildert Furch, der sich mit Acrylfarben an die diffizile Arbeit macht.

Künstler Joachim R. Vollrath lebte 25 Jahre in Langenpreising.

Das rund sechs Meter hohe Werk wurde seinerzeit anlässlich des Baus der Schulturnhalle „als Kunst im öffentlichen Raum“, so Vollrath damals, errichtet. Nach dem Motto „Sport macht Spaß“ zieren die aus dunklem, schwerem Eichenholz bestehende Stele sechs Motive, deren Konturen Vollrath in kräftigen Farben unterlegt hat. Dargestellt sind auf der einen Seite die Sportarten Fußball, Turnen am Reck, Wettlauf, Hochsprung, Basketball und Speerwurf.

Ein gänzlich anderes Bild zeigt sich dem Betrachter auf der anderen Seite, die nicht mehr in Tafeln zergliedert ist. Über die ganze Länge hat der Künstler kosmische Elemente aus dem Holz herausgearbeitet, besonders prägend Gestirne wie Sonne und Mond. Gemeinsam ist beiden Seiten der Stele, dass sie die unverwechselbare Handschrift des Künstlers tragen, wie sie sich auch durch seine Bilder eingeprägt hat.

Die Enthüllung durch Bürgermeister Rudolf Weiß und Landrat Xaver Bauer wurde seinerzeit von den Langenpreisinger Grundschülern und den „Bühnenhupfa“ des Theatervereins feierlich umrahmt. Wie Weiß bei dem Festakt bekannte, habe das Modell sowohl Befürworter als auch Gegenstimmen gefunden, woraus er folgerte, „dass es sich um ein Kunstwerk handeln muss“. Die Finanzierung wurde damals durch großzügige Mithilfe in Form von Geld- und Sachspenden ermöglicht.

Johannes R. Vollrath war Maler, Graphiker und Bildhauer. 25 Jahre lebte er in Langenpreising an der Preysingstraße 10, in dem er auch zahlreiche Atelier-Ausstellungen veranstaltete. Nach dem Motto „Je bunter desto besser“ spielte Farbe für Vollrath stets die erste Geige.

Kulturreferent Hartwig Sattelmair bezeichnete den Landkreis-Kulturpreisträger von 1996 einst „als eine Persönlichkeit, die eine künstlerische Handschrift entwickelt hat“. Der 1940 in Düsseldorf geborene Künstler wurde schon in frühen Jahren von seiner Mutter, einer Pianistin, und seinem Großvater, der Maler und Graphiker war, gefördert und absolvierte in ganz Deutschland weitere Ausbildungen. Von 1962 bis 1968 arbeitete er als Bühnenbildner-Assistent und Bühnenmaler für das Residenztheater in München und das Theater des Westens in Berlin. Seit 1969 war Vollrath freischaffender Künstler.

Bekannt wurde er durch viele Ausstellungen in Deutschland und Europa. Er gewann mehrere Ausschreibungen für die Ausstattung öffentlicher Gebäude. 1991 erhielt er von der Bundesbahn den Auftrag, die Ausstattung der ICE-Züge durch seine Aquarell- und Acrylbilder künstlerisch zu ergänzen. Auch in der Kreismusikschule Erding kann man viele seiner Werke bewundern.

Vollrath war ein vielseitiger Künstler. Zuletzt beschäftigte er sich mit abstrakter Digitalfotografie – das „Malen mit der Kamera“. Eine Ausstellung sowie die Teilnahme am Bildhauer-Symposium in Wartenberg waren gerade in Planung, als er im März 2013 unerwartet starb.

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