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Große Zuhörer-Kulisse im Gemeinderat: Das Thema Glyphosat brennt vielen auf den Nägeln.

In Langenpreising 

Gemeinderäte ringen um Glyphosat-Verbot

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist auch in Langenpreising umstritten. Sein Einsatz auf gemeindeeigenen Pachtflächen könnte aber mit Einschränkungen erlaubt bleiben.

von Klaus Kuhn

Langenpreising– Der Gemeinderat diskutierte die Idee, mit kommunalen Blühflächen dem Insektensterben entgegenzutreten. Ausgelöst hatte die Debatte Helmut Empl (CSU), wesentlich mitbestimmt hat sie BBV-Ortsobmann Johann Braun, dem Rederecht erteilt wurde. Das Ergebnis prägte Max Danner (Freie Wähler), auch wenn man sich vertagte, weil die Informationsbasis für eine Entscheidung bei weitem nicht ausreichte.

So war nicht einmal bekannt, über wie viele Flächen man überhaupt redet. Empl hatte vorgeschlagen, auf gemeindeeigenen landwirtschaftlich genutzten Pachtflächen den Einsatz des umstrittenen Pflanzengifts zu verbieten und die Pachtverträge entsprechend zu ändern. Das hätte, so die Verwaltung, dazu geführt, dass diese Verträge gekündigt und allen Pächtern neue Verträge mit dem Verbot angeboten werden müssten. Das ging selbst Empl zu weit, auch wenn er vehement forderte, dass die Gemeinde in der Pflicht sei und etwas tun müsse.

Braun hielt dagegen: Das Mittel sei „die Feuerwehr“, das zum Einsatz komme, wenn es nicht mehr anders geht. Zudem führten der Klimawandel und der damit verbundene fehlende Frost dazu, dass die vorgeschriebenen Zwischenkulturen im Winter nicht kaputt frieren – mit der Folge, dass die Felderbestellung nur noch dann möglich ist, wenn der Landwirt mit einem „nicht selektiven Herbizid“ – ein Mittel, das erst mal alles platt macht – drüber geht. Leidenschaftlich warb Braun dafür, dass die Landwirtschaft auch etwas mit Wirtschaft zu tun habe, und die Familien davon leben müssten. Das zeigte durchaus Wirkung, auch wenn sich die Gemeinderäte einig waren, dass es so nicht weitergehen könne. Vor allem das Insektensterben beunruhigte sie. Erst vor wenigen Tagen hatte Anton Euringer, der frühere Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, in Fraunberg die Zusammenhänge aufgezeigt.

Danner, der sich für mehr Blühflächen auf Gemeindegebiet einsetzt, stellte fest, dass ein Glyphosat-Verbot beim Thema Insektensterben nur bedingt helfe. Viel wichtiger sei es, den Insekten Nahrungsquellen anzubieten, eben besagte Blühflächen. Dass diese alle fünf Jahre neu angelegt würden, stehe nicht nur im Einklang mit den einschlägigen Bestimmungen über die Förderung, sondern auch mit der Natur.

Als Natalie Kienmüller-Stadler kritisch nachfragte, warum das so sein müsse, sagte Danner: „Nach fünf Jahren verholzen diese Flächen und blühen nicht mehr gescheit.“ Das überzeugte. Danners Gedanke fand viele Freunde im Gremium, zumal er sehr konkret wurde. Die Blühflächen sollten nur von größeren Flächen abgezweigt werden, um weiter ein wirtschaftliches Arbeiten für die Landwirte zu ermöglichen. Über den Pachtpreis könne man ja reden.

Eine Entscheidung fiel noch nicht. Bürgermeister Peter Deimel blieb nach einer vor großer Zuhörerkulisse geführten Debatte nur, sich bei allen für diese sachliche Diskussion zu bedanken. „Wir haben eine Menge gelernt“, meinte er. Das Thema kommt wieder auf die Tagesordnung.

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