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Ein Paradies für Rennbahn-Enthusiasten haben Armin Schneider (l.) und Peter Holzner in Langenpreising geschaffen . 

Autorennbahn in eigener Halle

Hier geben große und kleine Kinder Gas

Autorennbahnen sind nur was für Kinder? Von wegen: Armin Schneider und Peter Holzner (beide 53) haben in Langenpreising eine Mega-Rennbahn geschaffen – und machen das Freizeitangebot jetzt öffentlich.

Von Klaus Kuhn

Langenpreising– Mit einem Wahnsinnskaracho flitzen die Autos vorbei. In der Boxengasse stehen die Mechaniker bereit. Klingt auf den ersten Blick nach einem ganz normalen Renntag – nur, dass bei diesem Autorennen in Langenpreising alles im Miniaturformat ist.

An der Preysingstraße 22 gehen bald die „Moosslotter“ an den Start. „Moos“ steht freilich für das Erdinger Moos, und „Slots“, das sind die Führungsschlitze in der Bahn für die kleinen Rennautos, die in einer Halle auf der 30 Meter langen Bahn herumflitzen werden.

Mit unendlich viel Geduld und Kleinarbeit haben Armin Schneider aus Langenpreising und Peter Holzner aus dem Moosburger Stadtteil Aich, unterstützt von Herbert Kothuber aus Dingolfing und Christian Dettenhofer aus Aich, diese Bahn aufgebaut. Vier Rennfahrer können sich dort gleichzeitig messen.

Und die Bahn-Bauer haben sich dabei regelrecht verkünstelt: Alles ist maßstabsgetreu im Stil von Le Mans im Jahr 1970 gestaltet, von den Reifenstapeln am Fahrbahnrand über die Boxengasse bis hin zur Werbung. Wer kennt schon noch Bilstein-Stoßdämpfer? Die Reklame haben die zwei Enthusiasten irgendwo aufgetrieben, am Rechner verkleinert, ausgedruckt, laminiert und an die Bande geklebt – nur eines von unendlich vielen Detail.

Gekauft haben die beiden die Rennbahn quasi im Rohbau, haben sie mit Hilfe des Rennbahn-Besitzers Hans Fesl aus dem Wanger Ortsteil Volkmannsdorferau, ab- und in der inzwischen in Eigenregie für diese Zwecke ausgebauten Halle wieder aufgebaut. Dann ging die Bastelei erst richtig los.

Die beiden Hauptakteure sind 53 Jahre alt und technisch hochversiert: Schneider ist Motorrad-Schrauber in Langenpreising, Holzner Aufzugsmonteur.

Rigoroses Reglement bei den Rennen

Beide haben Familien, und die sind gewissermaßen limitierender Faktor und Unterstützung zugleich. So wird die Frage, wie viel Zeit sie an der Rennbahn verbringen, von einer weiblichen Stimme im Hintergrund beantwortet: „Zu viel!“ Gleichwohl sind Frauen und Kinder zumindest zum Teil da, und die leuchtenden Augen auch der Familienmitglieder sprechen doch eine andere Sprache.

Angefangen hat die Rennbahn-Leidenschaft ganz klein: Die berühmte Carrera-Bahn war im Grunde die Einstiegsdroge. Die jetzige Bahn ist aus Holzplatten, die Führungsschlitze mit der Stromzufuhr sind CNC-gefräst. Es werden Rennen verschiedener Klassen gefahren, und das Reglement ist streng. Schneider: „Für die Klasse ,Mini-Z-Pro‘ gilt: Die Autos im Maßstab 1:24 dürfen 170 Gramm wiegen, die Bodenfreiheit ist ein Millimeter, die Hinterreifen dürfen 13 Millimeter breit sein.“

Das Problem: Die kleinen Flitzer „geben Gummi“: Die Moosgummi-Reifen nutzen sich bei einem Rennen ab. Also gilt ein Kniff für die Bodenfreiheit: „Ein Millimeter plus ein Blatt Papier.“ Die Bahn muss absolut sauber und eben sein. „Wenn die Autos aufsetzen, fliegen sie sofort ab.“ Darum stehen in den Kurven immer regelrechte Streckenposten an der Bahn, die verunfallte Autos wieder auf die Schiene setzen. Drohen Kollisionen, drückt ein Schiedsrichter von einem erhöhten Posten aus augenblicklich „Not aus!“

Wenn mal nicht gefahren wird, wird gebastelt. Wie bei der Modelleisenbahn gilt auch hier, was Holzner zugibt: „Fertig bist du eigentlich nie.“ Aber die beiden Rennfahrer sind nach zwei Jahren Bauzeit so weit, dass sie ihr Freizeitangebot jetzt öffentlich machen können. Freies Training ist in der Regel freitags ab 19.30 Uhr, auch mal samstags, und für Anfänger stehen Steuergeräte und Autos bereit.

Eine offizielle Vereinsgründung schließt Schneider nicht aus und denkt schon an das zentrale Thema für alle Vereine: Jugendarbeit. „Du glaubst nicht, wie das schult: Die Konzentration, mit der die jungen Fahrer hier bei der Sache sind, ist unglaublich.“

Keine Seltenheit: Frauen am Regler

Ein Blick in den imposanten Werkzeugkoffer, der wohl bei jedem Rennen immer dabei ist, zeigt, dass auch technisches Know-how gefragt ist. Werbung muss ebenfalls sein, und so entsteht gerade ein Internetauftritt.

Und auch wenn es die Männer sind, die hier mächtig stolz auf ihr Spielzeug sein können: Frauen und Mädchen am Geschwindigkeitsregler sind keine Seltenheit und ausdrücklich willkommen.

Die Halle ist schon fast ein kleines Vereinsheim: Eine Bar haben die beiden eingebaut, für sanitäre Anlagen gesorgt, die Hocker sind Ölfässer mit Sitzkissen drauf. Man trifft sich zu Rennen auch mit anderen Enthusiasten, etwa in Forstern, wo eine Bahn mit wieder anderen Anforderungen steht. Dann kommen die Kisten mit Autos und besagtem Werkzeug in den Kofferraum. Und dann geht im Zweifel das Papa-Taxi mit dem Renn-Nachwuchs auch mal auf Tour bis Regensburg oder in die Holledau – wenn Papa oder Mama nicht gar selbst „am Drücker“ sind.

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