Laptop-affin ist Josef Straßer schon. Er bevorzugt aber den direkten Kontakt mit den Menschen.
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Laptop-affin ist Josef Straßer schon. Er bevorzugt aber den direkten Kontakt mit den Menschen.

Nur E-Mail-Austausch? Das ist nichts für Bürgermeister Josef Straßer

„Ich brauche noch den persönlichen Kontakt“

Im Interview zieht Langenpreisings neuer Bürgermeister Josef Straßer Bilanz. Seit gut 100 Tagen ist er nun im Amt.

VON KLAUS KUHN

Langenpreising – Auf dem Schreibtisch steht sehr dominant ein großes rotes Sparschwein. Leer. Ein Hinweis auf die Finanzlage der Gemeinde Langenpreising nach 100 Tagen Bürgermeister Josef Straßer (FWG)? Der neue Gemeindechef muss grinsen: „Es raschelt nicht einmal nach Scheinen, ich weiß auch nicht. . .“ Die erste Zwischenbilanz fällt im Gespräch mit der Heimatzeitung dann aber doch nicht so schlecht aus.

Bürgermeister und VG-Chef – Wie fühlt sich das an?

Es ist noch ungewohnt. Manche Tage ist es ganz gut und manche nicht so toll. Ich glaube, es muss noch so richtig kommen. Ich bin zwar sicher, dass ich das packe, vor allem mit den beiden Bürgermeisterkollegen Anton Scherer und Christian Pröbst. Aber gegenüber früher, wo ich 28 Jahre lang als Lehrer rein gegangen bin und gewusst habe, alles ist gut, weiß man jetzt eben nicht, was der Tag so bringt.

Seminare hat es gegeben. Haben die was gebracht?

Wir waren jetzt erst drei Tage in Donaustauf bei einem Bürgermeisterseminar. Ich finde, das war wichtig. Und vor allem: Es war ganz viel Austausch mit den anderen Bürgermeistern. Es sieht jeder die Probleme. Klar: Corona liegt jetzt ganz vorn, aber es geht vom Sportverein bis zum Brückenbau, oder wie bei uns jetzt um die Kindergarten-Bedarfserhebung. Da waren mindestens acht, zehn Kollegen, die sofort gesagt haben: „Gib mir die Adresse von dem Institut, das die Erhebung für eure Gemeinde gemacht hat.“ Auch unsere Internet-Befragung für die Bürger zum Neubaugebiet Thenner-See-Straße ist auf Interesse gestoßen. Dafür haben sich auch etliche Kollegen interessiert. Das Seminar bot auch drei Stunden Baurecht. Das ist jetzt nicht das, wo ich sage, da bin ich perfekt.

Alle VG-Bürgermeister sind neu. Wie klappt das jetzt?

Hervorragend! Wir haben uns nicht erst am 1. Mai getroffen. Schon am Montag nach der Wahl sind wir das erste Mal zusammen gesessen und haben gesagt: „So läuft das jetzt!“ Wir machen jeden Donnerstag von 9 bis 11 Uhr das Bürgermeistertreffen mit den Fachbereichsleitern. Das ist nur einmal bis jetzt ausgefallen, das ist ein fixer Termin geworden. Wir haben eine Prioritätenliste erstellt, etwa bei den Straßen. Ich nehm’ jetzt mal das Beispiel Baugebiet Thenner-See-Straße. Da ist ausgemacht worden: „Mensch, ihr zwei, ihr müsst jetzt mal zwei Wochen zurückstecken, ich brauch’ das ganze Referat für die Thenner-See-Straße.“ Das geht nur dann, wenn ich mich vorher abspreche. Und dann: Ich mag zwar das ganze Computerzeug, aber wenn ich ein Problem habe, gehe ich rauf zu den Leuten. E-Mail rauf, E-Mail runter, das ist nichts. . . Nee, ich brauch’ noch den persönlichen Kontakt, als VG-Leiter sowieso.

Bei Ihnen waren fast alle Familienmitglieder schon im Gemeinderat. Hilft das in diesem Amt?

Mir schon. Ich war jetzt nicht mehr ganz so neu wie etliche andere Kollegen. Mit der Familie war alles abgesprochen.

Sportlerchef, Bürgermeister, VG-Vorsitzender. Und Freizeit? Familie? Wie organisiert man sich da?

Ja, man muss takten. Mir ist wichtig, dass trotz allem Freizeit bleibt und Zeit für meine Frau. Aber nächstes Jahr muss ich den Urlaub von Anfang an durchgehen, dass ich gleich weiß: Da ist geblockt. Aber das geht nur mit hervorragenden Mitarbeitern, allen voran Christina Schindlbeck. Ich sag’ schon: Das ist meine Chefin.

Nach 100 Tagen im Amt: Läuft alles rund?

Wenn ich Bürger und Gemeinderat so höre: Ganz unzufrieden sind die nicht. Man macht ja auch viel, Arbeitskreise, die Befragung. Es ist ja noch alles im Anlaufen, es ist noch nichts umgesetzt.

Die Wahlperiode sollte jetzt strukturiert sein. Welche Baustellen sollen in sechs Jahren unbedingt abgeschlossen sein?

Die Dorfmitte sollte durchgezogen werden, das wäre ganz wichtig, etwa mit der alten Schmiede. Am sozialen Wohnungsbau sind wir dran, dann die Erweiterung des Gewerbegebiets, denn mit Gewerbesteuereinnahmen sind wir nicht so gesegnet. Dann natürlich Kindergarten und Feuerwehr Zustorf. Wenn wir das alles durchbringen, dann reicht’s. Dann haben wir was geschafft.

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