Hans Kaspera: Es gab viel zu tun. Ich bin ziemlich alleine dagestanden.

Kommunalwahl 2020 - Krisengespräch im Landkreis-Norden

Alarmstufe Rot bei der SPD

Für die Sozialdemokraten in Wartenberg, Langenpreising und Fraunberg war die Kommunalwahl ein rabenschwarzer Tag. Wir haben uns bei den Beteiligten und beim Kreisvorsitzenden dazu umgehört.

VON KLAUS KUHN

Nördlicher Landkreis – In Langenpreising, wo sie mit Hans Kaspera sogar einen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt hatte, flog die SPD in hohem Bogen aus dem Gemeinderat: Absturz auf etwas mehr als zwei Prozent. Bisher ist die SPD mit zwei Sitzen im Rat vertreten. In Fraunberg hat die SPD mit Josef Blumoser bisher einen Gemeinderat gestellt, aber mit einem Ergebnis auf Langenpreisinger Niveau ist auch hier die Zeit für die SPD im Gemeinderat erst einmal zu Ende. Stattdessen haben die Grünen, bisher durch Karl-Heinz Reingruber mit nur einem Sitz vertreten, die Zahl ihrer Mandate verdoppeln können. In Wartenberg haben es nur Michael Gruber und Michael Paulini noch in den Gemeinderat geschafft, August Groh wird seinen Platz räumen müssen.

„Wir haben einen anständigen Wahlkampf gemacht, aber das ist leider nicht honoriert worden“, meint Groh durchaus etwas enttäuscht, stellte aber zugleich klar, dass er für sich selbst noch viele ehrenamtliche Betätigungsfelder sehe. Immerhin ist er Vorsitzender des

Peter Kroschwald: „Wir müssen analysieren, was wir falsch gemacht haben.“

Gartenbauvereins und zugleich Kreisgeschäftsführer.

Fraunberg und die Wartenberger VG-Gemeinden sind in einem Ortsverband zusammengefasst. Für Vorsitzenden Peter Kroschwald ist das Ergebnis ein Schock. „Wir müssen uns jetzt erst einmal nach der Wahl des Landrats zusammensetzen und das Ergebnis analysieren. Wir müssen uns darüber unterhalten, was wir falsch gemacht haben und was wir in Zukunft besser machen müssen.“

Eine mögliche Erklärung für den kompletten Untergang der SPD in Langenpreising kann er immerhin schon liefern: „Der Hans Kaspera hat von Haus aus wenige Mitstreiter gehabt. Der ist ziemlich alleine dagestanden.“ Tatsächlich war die SPD in Langenpreising mit enormer Verspätung an den Start gegangen, nicht zuletzt bedingt durch einen längeren Auslandsaufenthalt Kasperas, der letztlich die einzige treibende Kraft war. Der zweite Gemeinderat in Langenpreising, Andreas Steiner, hatte von Anfang an erklärt, nicht wieder antreten zu wollen.

Kaspera sagt: „Ich bin nicht wirklich in den Wahlkampf hinein gekommen, weil es dermaßen viel zu tun gab. Ich bin auch ziemlich alleine dagestanden.“ So seine Einschätzung der Lage, die überdies aus seiner Sicht für die ganze SPD im Augenblick nicht besonders positiv ist. Für die kommenden sechs Jahre, so Kaspera, gelte es jetzt, Aufbauarbeit zu leisten.

Eine ähnliche Situation habe es in Fraunberg gegeben, so Kroschwald: Auch hier sei die Zahl der Mitstreiter sehr klein gewesen, so der erste vorsichtige Erklärungsversuch des frustrierten Vorsitzenden. Personelle Konsequenzen im Vorstand schloss Kroschwald erst einmal aus. Das sei nicht das Thema.

Die von Kaspera gewünschte Aufbauarbeit sieht auch der Kreisvorsitzende Martin Kern als Hauptaufgabe für die kommende Wahlperiode. Auch er stellte fest, die SPD habe einen „schweren Stand“. Nicht zuletzt, weil es der Partei an personellen Kapazitäten fehle, könne der Kreisverband bestenfalls unterstützend tätig werden. Grundsätzlich betrachtet er aber die Lage in den drei Gemeinden differenziert: In Wartenberg habe es, bedingt durch die gewaltige Zugkraft des Bürgermeisterkandidaten der CSU, Christian Pröbst, eine besondere Situation gegeben. Dass es dort nicht mal zu einer Stichwahl gekommen sei, bezeichnet Kern als einigermaßen überraschend.

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