Schon oft geärgert hat sich Sara Brandhuber über das „Donaulied“. Ihr „Isarlied“ ist frei von Frauenverachtung. 
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Schon oft geärgert hat sich Sara Brandhuber über das „Donaulied“. Ihr „Isarlied“ ist frei von Frauenverachtung. 

Sara Brandhubers Donaulied ohne Bierzelt-Sexismus

  • vonTimo Aichele
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Sara Brandhuber ärgert sich schon lange über das Donaulied. Denn  in einer weit verbreiteten Fassung wird ein schlafendes Mädchen vergewaltigt. Die Kabarettistin aus Zustorf stellt dem nun ihr eigenes „Isarlied“ gegenüber.

Zustorf – Das Donaulied ist zur Zeit in aller Munde – nicht aber wie schon seit Jahrzehnten glücklich-bierselig gesungen, sondern im Mittelpunkt eines Streits um „Bierzelt-Sexismus“. So hat eine Passauer Studentin ihre Online-Petition überschrieben, mit der sie weitere Aufführungen unterbinden will. Die Kritik: Das Lied verharmlose Vergewaltigungen. Etwa 24 000 Unterzeichner hat die Petition schon – unter ihnen ist auch Sara Brandhuber aus Zustorf. Die bayerische Liedermacherin ärgert sich schon seit vielen Jahren über das Lied. Ihre „menschenfreundliche“ Version davon ist nun als „Isarlied“ auf Youtube zu sehen.

In der volkstümlichen Fassung, die in vielen Bierzelten geschmettert wird, sieht ein Jüngling ein schlafendes Mädchen am Donaustrand liegen und singt: „Ich machte mich über die Schlafende her.“ Schon Ballermann-Sänger Mickie Krause hat für seine Aufnahme die Zeile umgewandelt. „Da wachte sie auf und sie sagte: Komm her“, heißt es bei ihm. Hier gehe es schon nicht mehr direkt um eine Vergewaltigung, gibt auch Brandhuber zu. „Aber der Grundgedanke ist doch der gleiche: Dass sie freie Beute ist, wenn sie so rumliegt“ , sagt die 31-Jährige.

In ihrem Kabarettprogramm kann sie durchaus auch mal derb werden, aber eben nicht menschen- oder frauenverachtend, darauf legt die Künstlerin wert, die sich heuer im März – pünktlich zum Corona-Stillstand auf allen Bühnen – offiziell als Liedermacherin selbstständig gemacht hat.

In ihrem Isarlied ist eine „schneeweiße Blusen“ Thema und nicht der „schneeweiße Busen“. Zur Sache geht‘s auch bei Sara Brandhuber, aber ganz anders. Denn die schöne Maid war offensichtlich auf einem Volksfest und ist „ganz blass“. Schuld war die letzte Mass. „Und dann wird ihr übel, ich halt ihr das Haar“, singt der Held.

„Ich wollte dem Ganzen eine lustige Wendung geben“, erzählt die Kabarettistin, die zur Zeit wegen Corona keine Auftritte und daher viel Zeit für Kreatives hat. „Außerdem is des doch der maximale Liebesbeweis: Wenn i ang‘spiem werd, und trotzdem kümmer i mi“, sagt sie lachend.

„I hab das schon ganz lang im Hinterkopf ghabt“, berichtet die gelernte Sozialpädagogin. „I hob da scho so oft durch miaßn“, sagt sie über Hochzeiten oder Volksfeste, wo alle um sie herum das Donaulied mitgrölten. Die erste Erinnerung daran habe sie im Alter von vielleicht elf Jahren, als ihre Mutter in einer Weinstube zum Donaulied schunkelte. „Dann hob i moi genau hinghört, und das war dann so a peinliche Situation, wie wenn man als Kind im Fernsehen a Sexszene sieht“, sagt die verheiratete Mutter eines kleinen Sohnes.

Auch wenn sie dabei lachen muss – angestoßen durch die Petition ist ihr eine Sexismus-freie Version dieses Bierzelt-Klassikers ein großes Anliegen. Deswegen hat sie ausnahmsweise auf Hochdeutsch gesungen „Das ist ein wichtiger Inhalt. Das muss jeder verstehen können“, meint die gebürtige Niederbayerin. „Und wenn a Hochzeitsband moi mei Isarlied spuit, dad i mi unheimlich gfrein.“  

Das Video

steht auf Youtube.  Hier der Link.

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