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Gespannt lauschten die Zuhörer am Montagabend in der Pfarrkirche St. Martin Langenpreising dem Vortrag von Schwester Elisabeth. Begrüßt wurde sie unter anderem von Pfarrvikar Gerhard Salzeder (2.v.l.)

Schwester Elisabeth Schwaiger

Seit sechs Jahrzehnten auf Mission

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Seit mehr als 60 Jahren setzt sich Schwester Elisabeth Schwaiger (86) für die Menschen im brasilianischen Amazonasgebiet ein. Derzeit ist sie auf Heimaturlaub in Deutschland – und auch in ihrer Heimatgemeinde Langenpreising zu Gast.

Langenpreising – Gespannt lauschten die Besucher der Langenpreisinger Pfarrkirche am Montag den Worten von Elisabeth Schwaiger. Die Missionsschwester war acht Jahre nach ihrem letzten Besuch erneut in ihre alte Heimat gereist. Auch diesmal, um Spenden für ihre Projekte im Amazonasgebiet in Brasilien mitzunehmen. Mitglieder des Katholischen Frauenbunds Langenpreising überreichten einen symbolischen Scheck über 4500 Euro. Das Geld hatte sich über eine Weile angesammelt, da der geplante Besuch der Missionarin im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen Gründen verschoben werden musste.

Schwaiger gehört zu den Don-Bosco-Schwestern, die sich auch in Südamerika darum bemühen, Kinder und Jugendliche zu unterstützen und zu fördern. Beispielsweise dadurch, dass sie ein Handwerk wie Nähen erlernen, damit sie sich später selbst versorgen können. Am Montagabend erzählte Schwaiger von den Anfängen ihrer Arbeit, von den Schwierigkeiten und dem, was alles geschafft werden konnte.

Seit Ostern 2017 arbeitet sie in einer Mission bei Barcelos, 240 Kilometer von Manaus entfernt. In ihrem Vortrag zeigte sie viele Bilder, jedes garniert mit einer kleinen Geschichte. Etwa die vom Maniokbrot, einem traditionellen Nahrungsmittel aus der Maniokwurzel. „Es hat dort eine Luftfeuchte von etwa 98 Prozent, da muss man aufpassen, dass das Brot nicht, wie man hier sagt, ‚grabelt’“, erzählte Schwester Elisabeth lachend.

Sie lachte überhaupt viel bei ihrem kurzweiligen Vortag. Dieses verschmitzte Lachen kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, wie anstrengend Arbeit und Leben im Urwald sein müssen. Die kleine Frau in der Ordenstracht zeigte Bilder aus ihrer Zeit, als sie half, in São Gabriel da Cachoeira ein soziales Zentrum für Kinder und Jugendliche zu errichten. Der Anfang war schwer, „wir mussten zunächst einen Brunnen graben, um sauberes Wasser zu haben“. Dann wurden Feldhütten gebaut, die von Zäunen umgeben wurden, „wegen der Tiger“. Ein Problem war auch, dass das Gelände ziemlich unwägbar war. So wurde eine mehr als 200 Meter lange Straße gebaut, wobei Schwester Elisabeth kräftig mitgeholfen hat. „Der Pfarrer wollte vorher nicht glauben, dass wir das schaffen“, erinnerte sie sich. Für die Straße wurden Zementplatten gegossen, die mit Holz voneinander getrennt sind. „Das muss sein, weil sich sonst die Platten wegen der Hitze ausdehnen und alles zerbricht“ erklärte die Schwester.

In dem Zentrum gibt es nun auch Rundhütten für Computer, fürs Musizieren und Handarbeiten. Die Missionsschwester berichtete auch stolz von 5000-Liter-Wasserbehältern und einem Stromerzeuger, die auch dank der Spenden aus Langenpreisung angeschafft werden konnten.

Zu sehen waren zudem die, für die sie sich engagiert: lachende Kinder, in der Schule, beim Nähen oder auch mit einem Zahnarzt. Kleine Anekdoten würzten ihren Vortrag. Wie etwa die von den Indianern, die Lebensmittel vom Schiffsanleger durch den Urwald zur Mission tragen sollten und dabei heimlich Kisten versteckt haben, um sie auf dem Rückweg für sich mitzunehmen. „Unser Bischof hat damals gesagt, dass wir genug liefern lassen sollen, damit auch für uns etwas bleibt“, erinnerte sie sich schmunzelnd.

Nachfolger gesucht

Der Transport von Lebensmitteln und Baumaterial sei ohnehin schwer genug. Manchmal hätten die Flüsse so viel Wasser, dass sie zu reißend waren. Manchmal müsse ein Transportboot ausgeladen und getragen werden, weil es durch den niedrigen Wasserpegel nicht mehr fahren könne.

Wer die Schwester bei ihrem lebendigen Vortrag erlebte, mag kaum glauben, dass sie 86 Jahre alt ist. Seit mehr als 60 Jahren ist sie als Missionsschwester unterwegs, anfangs in Italien, seit Ende der 1950er Jahre in Brasilien.

In der Kirche dankte sie den Langenpreisingern für ihre Spendenfreude und äußerte einen tiefen Wunsch: „Ich bin alt und werde nicht mehr lange leben. Ist hier vielleicht jemand von den jungen Leuten, der mich ersetzen kann?“ Vielleicht hat ja noch jemand eine Antwort auf diese Frage. Erst Anfang September wird sie wieder nach Brasilien zurückfliegen. Neben den erwähnten 4500 Euro werden bis dahin noch weitere Spenden kommen. Das Geld soll unter anderem in einen neuen Fußboden in der Kirche ihrer jetzigen Mission fließen.

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