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Viele Besucher, keine Bewerber: Die Wahl bei Gemütlichkeit Gaden scheiterte. 

Schwierige Vorstandssuche

Keiner will Schützenmeister sein: Gemütlichkeit Gaden vor dem Aus

Seit Wochen brodelt es bei den Gemütlichkeit-Schützen. Niemand will sich in das Amt des Schützenmeisters wählen lassen. Auch ein Angebot des amtierenden Vorsitzenden Helmut Thaler motivierte niemanden zu einem Engagement. Er hätte sich für die kommenden drei Jahre zur Wahl gestellt, wenn gleichzeitig ein Stellvertreter gewählt wird, der verbindlich erklärt, dann das Amt des 1. Schützenmeisters zu übernehmen. Die Teilnehmer der Jahreshauptversammlung sahen der wahrscheinlichen Auflösung des Schützenvereins tatenlos zu.

VON RAIMUND LEX

Gaden– Thaler hatte in einer dramatischen Rede geschildert, dass er nach 42 Jahren Arbeit im Schützenverein, davon 29 Jahre als Vorsitzender, kürzer treten wolle. „Des muaß glanga!“, erklärte er. Es waren arbeitsreiche Jahre für Thaler, nicht zuletzt fielen der Bau des neuen Schützenheims (2010) und die 100-Jahr-Feier (2011) in seine Amtszeit.

Wenn sich in der nächsten Versammlung wieder kein Vorstand zusammenfindet, wobei es nur um die beiden Vorsitzenden geht, dann wird der Verein aufgelöst, schilderte Thaler in der gut besuchten Versammlung im großen Saal des Schützenheims.

Dabei steht die Gemütlichkeit alles in allem nicht schlecht da. 64 Männer (-2), 42 Frauen (-3), 12 Jugendliche (Jahrgang 2001–2003) und vier Junioren (1998–2000, -1) sind registriert. Dazu kommen 14 Ehrenmitglieder (+1). Nur bei den Schülern hapert es, da weist die Mitgliederstatistik eine Null auf. Auch finanziell sei der Verein gesund, versicherte Helmut Hartinger. Thaler beklagte allerdings die seit Weihnachten stark zurückgegangene Schießbeteiligung der Jugendlichen.

Man habe eine „Stilllegung“ des Vereins angedacht, um ihn nicht auflösen zu müssen. Das aber mache keinen Sinn. Man brauche dann immer noch jemanden, der die Post bearbeitet, die Mitgliederverwaltung schultert und die Pflege des Schützenheims übernimmt.

Darüber hinaus bleiben die festen Kosten für das Haus bestehen – ohne Einnahmen außer Mitgliedsbeiträgen. „Wer aber“, fragte der Schützenmeister, „zahlt Beiträge ohne Gegenleistung?“ Trotzdem müssten Versicherungen und in geringem Maße Strom und Wasser bezahlt werden, „1700 bis 1800 Euro im Jahr“, erklärte Thaler. Das bedeute „ein langsames Sterben“, zumal es in der Mitgliederentwicklung nicht gerade bergauf gehe.

Werde bei einem weiteren Wahlgang in rund fünf Wochen wieder kein Schützenmeister gefunden, werde die Gemütlichkeit aufgelöst – wenn zwei Drittel der Stimmberechtigten dem zustimmen. Kommt diese Mehrheit nicht zustande, setzt das Amtsgericht Erding eine „externe Vorstandschaft“ ein, „die kostet dann Geld.“ Das Vermögen des Vereins samt Schützenheim, Fahne und Ehrenscheiben falle an die Gemeinde, „zwei Liquidatoren“ aus den Reihen des Vereins müssten den Vorgang begleiten. Nach dieser Rede erklärte der Schützenmeister offiziell seinen Rücktritt.

Die Vollversammlung bildete einen Wahlvorstand. Aber trotz der engagierten Rede des Schützenmeisters sowie etlichen Unmutsäußerungen aus den Reihen der Ehrenmitglieder wollte für die beiden Führungsposten niemand kandidieren. Immerhin wurde der bisherige Vorstand entlastet.

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