Engagierter Redner: Reinhard Kendlbacher.
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Engagierter Redner: Reinhard Kendlbacher.

SPD-Veranstaltung

Die Gefahr Ultrafeinstaub

Gertrud Eichinger (SPD) setzte in der Diskussion zum Thema Ultrafeinstaub, die Wichtigkeit des Themas fest. 

Zustorf– „Unser höchstes Gut Gesundheit ist den Verantwortlichen weniger wichtig als der ungebremste Flugverkehr“: So fasste Professor Oswald Rottmann den „Ultrafeinstaub-Skandal“, wie er ihn nannte, zusammen. Zur Diskussion mit Gästen und dem Bürgerverein Freising zum Thema „Ultrafeinstaub in der Flughafenregion“ hatte die SPD Erding mit Landtagskandidatin Gertrud Eichinger in den Landgasthof Lintsche in Zustorf geladen.

Dabei stellte Eichinger gleich zu Beginn heraus, dass dieser Aspekt sehr wohl von großer Bedeutung sei, auch für den Wahlkampf. Sie berichtete von „Spott und Häme auf Facebook“ als Reaktion auf die Themenwahl. Reinhard Kendlbacher, Vorsitzender des Bürgervereines Freising (BV) zur Vermeidung von Lärm- und Schadstoffbelastungen, stimmte dem zu: „Spätestens, wenn eine dritte Startbahn gebaut werden sollte, sprechen wir hier nicht mehr von einem Randthema.“

Während Feinstaub vor allem als Problem im Straßenverkehr schon lange bekannt ist, kennt kaum jemand den im Flugverkehr entstehenden Ultrafeinstaub. Diese Partikel, kurz UFP (ultrafeine Partikel), sind bei der Verbrennung von Kerosin nicht zu verhindern und können sogar die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Um die geringe Größe zu veranschaulichen, verglich Oswald Rottmann, Vorstandsmitglied des BV und Agrarwissenschaftler, Feinstaub mit einem Fußball und den Ultrafeinstaub entsprechend mit einem Stecknadelkopf. Er stellte auch die Messungen im östlichen Gebiet um den Flughafen bei Ostwind vor. Die Werte waren deutlich höher als außerhalb der Region und stammen Rottmann zufolge erwiesenermaßen nicht vom Verkehr der Autobahn A 92.

Die UFP bestehen aus ungefähr 200 verschiedenen Stoffen, mindestens 29 davon sind hochgiftig. Dennoch sei die Flughafen München GmbH nur verpflichtet, den bekannten Feinstaub zu messen. Für UFP gebe es keine Grenzwerte. Um daher selbst Daten sammeln zu können, an verschiedenen Orten bei unterschiedlichen Windverhältnissen, hat der BV zwei eigene Messgeräte, finanziert durch Spenden. „Mit unseren Messungen haben wir zumindest Unruhe geschaffen“, berichtete Kendlbacher.

Bei einer Anhörung im Umweltausschuss des Landtags im November 2017 kam auch Rottmann vom BV zu Wort. Resultat sei gewesen, dass UFP als gesundheitsschädlich anerkannt wurden. Der Antrag auf Messungen sei von der CSU jedoch abgelehnt worden. Problematisch: Der Schadstoffausstoß gerade bei geringer Turbinenbelastung, also bei Bewegungen auf dem Flughafen zwischen Bahnen und Rollfeldern, sei besonders hoch. Eine dritte Startbahn werde diese Wege zusätzlich verlängern.

Dass deren Bau keineswegs nötig sei, zeigte Vorsitzender Kendlbacher anhand einer Grafik. Die höchste Auslastung des Flughafens ergab sich 2007 und 2008 mit 432 000 Flugbewegungen. Prognostiziert wurde ein Anstieg auf 607 000 Flugbewegungen im Jahr 2021. Tatsächlich waren es 2017 394 000 – weit entfernt von den Hochrechnungen.

Der überparteiliche BV ging 2016 aus einer Bürgerinitiative gegen die dritte Startbahn hervor, um in dieser Form Spenden für ein Messgerät sammeln zu können. Derzeit zählt er 85 Mitglieder.

Fabian Holzner

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