Die Schranken am Wasentegernbacher Bahnübergang sollen öfters nicht rechtzeitig geschlossen gewesen sein, beklagen einige Bürger. Die Bahn bestätigte nun einen Vorfall am 15. März. Foto: Weingartner

Lebensgefährlicher Missstand: Offene Schranken bei Zugdurchfahrt

Wasentegernbach - „Muss es erst einen Toten geben“, fragen sich die Wasentegernbacher, „bis der Bahnübergang im Ort sicherer gemacht wird?“ Nur eine aufmerksame Spaziergängerin verhinderte wohl eine Katastrophe, weil die Schranken nicht geschlossen waren.

Offene Schranken, obwohl eine Bahn vorbeifährt: Diesen Vorfall hat am Mittwochabend in der Feuerwehrdienstversammlung in Wasentegernbach Kommandant Franz Bauer öffentlich angesprochen. „Zweifelsfrei“ sei in einem Fall beobachtet worden, dass die Schranken am Bahnübergang nicht rechtzeitig geschlossen gewesen seien, als ein Zug durchfuhr.

Es ist Sonntagnachmittag, der 15. März, als Anne Weilhammer im Ort spazieren geht. Im Gespräch mit der Heimatzeitung berichtet die Wasentegernbacherin: Kurz vor dem Bahnübergang habe sie erkannt, dass die Schranken nicht geschlossen gewesen seien, obwohl sie bereits einen Zug aus Richtung Schwindegg anrollen hörte. In dem Moment sei auf der anderen Seite der Gleise am Kirchenberg ein weißes Auto auf den von dort unübersichtlichen Übergang zugefahren. Weilhammer habe die Fahrerin sofort mit Winken auf die lebensbedrohliche Situation aufmerksam gemacht. Auch der Zug habe in dem Moment ein Warnsignal gegeben.

Die Autofahrerin sei knapp vor dem Übergang zum Stehen gekommen, Sekunden später sei der Zug vorbei gerauscht. Erst in diesem Moment hätten sich die Schranken gesenkt. Die Autofahrerin sei dann weitergefahren und habe dankend aus dem Auto gewunken. Wie Weilhammer erzählte, seien auch vorige Woche die Schranken offen geblieben, als ein Zug durchfuhr.

Sie habe durchaus auch Verständnis für die Schrankenwärter. Sie wisse auch davon, dass die Wärter sogar in ihrem Häuschen von wartenden Autofahrern beschimpft würden, weil Wartezeiten von acht Minuten an den Schranken keine Seltenheit seien. Weilhammer fordert an dem Bahnübergang endlich mehr Sicherheit. Aber es „muss wohl erst einen tödlichen Unfall geben, bis die Bahn etwas macht“.

Dass die Schranken nicht rechtzeitig geschlossen seien, sei „kein Einzelfall“, berichteten mehrere Feuerwehrleute in der Versammlung. Kommandant Bauer erklärte , dass es erst kürzlich Samstagnacht kurz vor 1 Uhr wohl einen Zwischenfall mit offenen Schranken gegeben habe. Das habe ihm der Betroffene unmittelbar danach versichert. Den Vorwurf des Schrankenwärters, der Mann sei betrunken gewesen, bezeichnete er als „völlig haltlos“. Nun sollen sich alle Wasentegernbacher schriftlich bei der Bahn melden, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. „Das Problem haben wir seit Jahrzehnten“, betonte Bauer. „A Wunder, dass do no koan Toten geb’n hod.“ Nun soll auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden.

Auf Nachfrage der Heimatzeitung hat gestern ein Bahnsprecher den Vorfall vom 15. März bestätigt. Um 13.04 Uhr habe der Personenzug aus Mühldorf den Bahnübergang „bei sich erst senkenden Schranken passiert“. Der Zugführer habe ein Warnsignal abgegeben, eine Schnellbremsung eingeleitet und sofort den zuständigen Fahrdienstleiter verständigt.

Der diensthabende Schrankenwärter sei „unmittelbar nach dem Vorfall abgelöst worden und wird auf Dauer nicht mehr als Schrankenwärter eingesetzt“. Dies sei dort der „bisher einzige Fall eines Fehlverhaltens“, heißt es von der Bahn. Nach weiteren, am 21. März gemeldeten „angeblichen Vorfällen” sei der betroffene Schrankenwärter zurückgezogen worden. Interne Ermittlungen hätten dies aber nicht bestätigt.

Die Sicherungstechnik an allen Bahnübergängen werde vom Eisenbahnbundesamt ständig überwacht und entspreche geltenden Sicherheitsstandards, auch in Wasentegernbach, so die Bahn. Der Vorwurf, dass insbesondere nachts offene Schranken vorgekommen sein sollen, sei „nicht nachvollziehbar“. Die Lokführer müssten dies in jedem Fall melden. Dann werde sofort der Notfallmanager informiert.

Auch Bürgermeister Heinz Grundner ist über den Vorfall informiert. Diese Umstände „sind nicht haltbar“. Er werde der Sache nachgehen. Die Bahn müsse bei dem Übergang „für eine zeitnahe Lösung des Problems sorgen“.

Hermann Weingartner

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