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Die Kritik an der A 94 und dem damit verbundenen Autobahnlärm reißt nicht ab. In Lengdorf wurde die Forderung nach einem Tempolimit allerdings zurückgewiesen. 

Diskussion über Lärm an Autobahnabschnitt

„Nur Schrott verbaut“: Ärger über A 94 nimmt kein Ende - Nein zu gefordertem Tempolimit 

Als Mitarbeiter der Autobahndirektion Südbayern hatte Jochen Eid keinen leichten Stand auf der Bürgerversammlung. Sein Nein zu Geschwindigkeitsbeschränkungen dürfte den Lengdorfern nicht gefallen haben.

Lengdorf – Die Kritik an der A 94 reißt nicht ab. Bei der Bürgerversammlung machten die Lengdorfer am Dienstagabend ihrer Wut über den Lärm Luft, den die Autobahn vor allen in Kopfsburg, Außerbittlbach und Daigelspoint verursacht. Adressat der Beschwerden war aber nicht Bürgermeisterin Gerlinde Sigl, sondern Jochen Eid. Mit weiteren Vertretern der Autobahndirektion Südbayern und Alfred Stangassinger von der ARGE A 94 Isentalautobahn war der Leiter der Abteilung Planung und Bau der Direktion Süd auf Einladung von Sigl nach Lengdorf gekommen.

A 94: „Nur Schrott verbaut“: Frust über Autobahn-Lärm bei Bürgerversammlung in Lengdorf 

„Nach unsrer Einschätzung haben wir ordentlich gebaut. Was in der Planfeststellung gefordert wurde, um den Lärmpegel einzuhalten, wurde erfüllt“, sagte Eid, kündigte aber aufgrund der Beschwerden die sukzessive Lärmmessung der Fahrplanbeläge an. Tempolimits, so stellte Eid klar, seien aktuell nicht vorgesehen. Schließlich sei die Autobahn „so gebaut und geplant, dass man mit freier Geschwindigkeit fahren kann“, sagte er.

An dem Vorwurf, es sei nur das Billigste verbaut worden, sei nichts dran. „Die Qualitätsanforderungen wurden eingehalten, beziehungsweise sind sie noch besser als verlangt“, so der Vertreter der Autobahndirektion.

Das sahen die Besucher anders: Pfusch, Schrott und Murks nannten sie das Teilstück zwischen Fendsbach und Heldenstein und forderten Tempolimits, Schallschutzmaßnahmen und eine Nachbesserung des Fahrbahnbelags. „Bei uns gibt es überhaupt keine Wälle“, kritisierte eine Bürgerin aus Außerbittlbach, die nun nicht nur den Lärm ungehindert abbekommt, sondern auch freie Sicht auf die Autobahn hat. „Den Grund habt ihr uns zu billigsten Preisen weggenommen“, schimpfte sie.

„Es schaut so aus, als wären Designer und keine Schalltechniker am Werk gewesen“, sagte ein Besucher zum Lärmschutz auf der Isental-Brücke. „Die Glaswand ist ein Spritzschutz, mehr nicht“, stimmte ihm ein weiterer Besucher ihm zu und verwies auf Österreich, wo man sehen könne, „was an Lärmschutz möglich ist“.

Lengdorf: Frust über Lärm auf neueröffnetem Abschnitt von A 94 - „Absolute Fehlplanung“

Zweierlei Maß für Bayerns Autobahnen vermutete eine Besucherin, die auf den guten Lärmschutz am Ammersee hinwies. „Warum wurde bei uns statt Flüsterbelag nur Schrott verbaut“, frage eine andere Bürgerin. „Wir hören nicht, ob hier 60 oder 67 Dezibel gemessen werden, aber die Blow-up-Fugen hören wir“, sagte sie.

Keine Freunde machte sich Eid mit der Aussage, dass der Lärmpegel des Fahrbahnbelags drei Dezibel unter dem Referenzbelag liege. „Es ist eine absolute Fehlplanung, sich mit drei Dezibel unter dem Grenzwert zu bewegen“, erboste sich Gemeinderat Ulrich Holnburger. Er warf der Autobahndirektion vor, bei den Vereinbarungen und der Vertragsgestaltung „einiges verbockt zu haben“.

Dem ehemaligen Gemeinderat Martin Hartl drängte sich der Verdacht auf, dass hinter dem spür- und hörbar schlechteren Fahrbahnbelag im Landkreis Absicht liegen könne. Immerhin seien die betroffene Kommunen und der Landkreis gegen die Trasse durchs Isental gewesen.

A 94 bei Lengdorf: Tempolimits gegen Lärm als Sofortmaßnahme gefordert 

Landrat Martin Bayerstorfer wollte Hartls Theorie zwar nicht offiziell bestätigen, räumte dessen Verdacht aber auch nicht aus. Vielmehr verwies er auf die Rednerliste bei der Eröffnungsfeier, auf der kein einziger Politiker aus dem Landkreis Erding gestanden habe. Die Autobahn sei mit vielen Fragezeichen behaftet, was Bauausführung und Bemühungen der Autobahndirektion um Lärmschutz betreffe.

„Es kann nicht sein, dass sie in unserem Teilstück einen dermaßen unzureichenden Belag hat“, sagte er. „Mir fällt dazu spontan nur Pfusch am Bau ein“. Als Sofortmaßnahme forderte er Tempolimits, die die Autobahndirektion anordnen könne. „Wenn Murks gemacht wurde, muss er schnellstens behoben werden“, sagte er. Es könne nicht sein, „nur zu sagen, die Grenzwerte sind eingehalten, das passt scho“.

Als weiteren Schritt verlangte er von der Regierung von Oberbayern, eine Verkehrszählung durchzuführen, die als Grundlage für Nachbesserungen beim Lärmschutz diene. Sollte die Regierung die Zählung nicht unmittelbar durchführen, werde der Landkreis einspringen. „Wir können die Autobahn nicht wegzaubern. Wir müssen gemeinsam alles unternehmen, dass es mehr Anwohnerschutz gibt.“

Bei einer großen Kontrollaktion auf der A 94 blitzte die Polizei kürzlich über 130 Raser. Nicht nur in Lengdorf, sondern auch in anderen Orten häufen sich im Übrigen die Klagen über die A 94. Anwohner, die in unmittelbarer Nähe zur Autobahn wohnen, sind verzweifelt: „Wir dachten nicht, dass es so schlimm wird“. Die Proteste derjenigen, für die die Autobahn „der reinste Horror“ ist, werden immer lauter. 

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