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Christliche Werte diskutierte Weihbischof Bernhard Haßlberger (M.) mit JU- und CSU-Mitgliedern. Rechts neben dem Bischof sitzt JU-Kreischef Alexander Attensberger, links Lengdorfs Bürgermeisterin Gerlinde Sigl.

JU-Talk

Bischof: Kirche wurde vom hohen Roß Moral runter geholt

Beim ersten JU-Talk in diesem Jahr, zu dem der Kreisverband der Jungen Union Weihbischof Bernhard Haßlberger eingeladen hat, ging es um „Christliche Werte in der modernen Welt“.

Von Anne Huber

Lengdorf – Die zentrale Frage für den Theologen war dabei, wie der christliche Wertekanon zu einem „gutem Leben und gutem Miteinander“ in einer globalisierten Welt führen kann. Der geschichtliche Begriff Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit stehe auch heute noch für universelle Werte, für die sich Kirche und Christen einsetzen müssten. Denn die Losung hätten sich die französischen Revolutionäre 1789 „nicht aus den Fingern gesogen, „sondern sie haben das im Grunde aus der Bibel, aus der abendländischen Geistesgeschichte“, sagte Haßlberger. Noch heute lehre der Exodus, der Auszug aus Ägypten, dass man „in Sklaverei, Unterdrückung und Knechtschaft nicht leben kann“. Auch die Begriffe der Gleichheit und Brüderlichkeit seien auf biblische Wurzeln zurückzuführen. Haßlberger brachte sie auf die Formel, dass es in dieser einen Welt gar nicht anders gehe, als Geschwisterlichkeit und Gerechtigkeit zu leben, weil sonst die Kleinen, Armen und Schwachen auf der Strecke bleiben. „Wir müssen bei und selbst anfangen, damit Leben und Zusammenleben in dieser einen Welt möglich ist“, postulierte der Weihbischof.

Ihm ging es auch darum zu zeigen, „dass alles in unserem Leben Folgen hat“. So sei es fatal zu glauben, dass die Folgen der Klimaschädigung „bei uns nicht so schlimm werden. Was ist wenn in Afrika weite Striche des Landes unbewohnbar werden“, fragte er. Auch an den gegenwärtigen Fluchtbewegungen „waren und sind auch wir schuld“ erinnerte Haßlberger an deutsche Waffenlieferungen an den syrischen Diktator Assad. „Wir müssen uns auf das besinnen, was wir an Wichtigem beitragen können – unter uns und in dieser Welt“, mahnte der katholische Würdenträger.

Den Besuchern – nur rund 15 JUler und ebenso viele Mitglieder des CSU-Ortsverbands Lengdorf waren der Einladung gefolgt – ging es um andere Dinge als dem weltoffenen Theologen. Sie zeigten Unverständnis, dass Papst Franziskus auch Muslimen die Füße wäscht oder dass der evangelische Landesbischof Bedford-Strohm und der katholische Kardinal Marx am Tempelberg die Brustkreuze ablegen. „Werden da nicht die Zügel zu locker gelassen? „Wir sind Christen, die anderen passen doch auch nicht auf uns auf“, beklagte sich ein junger Besucher über das Burkini-Urteil, das muslimischen Mädchen ermöglicht, beim Schwimmunterricht einen Ganzkörperbadeanzug zu tragen.

„Der Burkini ist nicht wert, dass man drüber streitet“, beschied der Weihbischof und empfahl, sich mit Herz und Verstand der Frage zu widmen, was dem Zusammenleben wirklich nütze. Die Frage, wie man die Kirche auch unter jungen Leuten („für junge Leute ist die Kirche uncool“) wieder attraktiver machen könne, beantwortete Haßlberger mit „wir müssen offen auf die Menschen zugehen“. Gerade in Sachen der Moral sei die Kirche „auf einem sehr hohen Ross“ gesessen, von dem sie „die Missbrauchsfälle unsanft runter geholt“ hätten.

Dass Haßlberger, den JU-Kreisvorsitzender Alexander Attensberger als „große Persönlichkeit der Erzdiözese“ bezeichnet hatte, über die Kompetenz verfügt, auf Menschen zuzugehen, zeigte der Abend. Erstaunlich war zu erfahren, wie weit voraus mancher Kirchenobere in Sachen Toleranz und Weitsicht seinen (jungen) Schäfchen ist. Anne Huber

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