Appell an die Mitbürger: Ingrid Splittgerber (M.) warb für einen offenen und freundlichen Umgang mit den Asylbewerbern. Foto: Huber

Bahnhof Thann-Matzbach

Bürger haben Angst vor Flüchtlingen

Lengdorf – In den umgebauten Bahnhof Thann-Matzbach sollen möglicherweise bereits in der nächsten Woche 20 bis 30 Flüchtlinge einziehen.

Bei einer Veranstaltung im Thanner Gasthaus Scharl haben Bürgermeisterin Gerlinde Sigl und Ingrid Splittgerber von Lengdorfer Helferkreis über den aktuellen Stand informiert.

„Wir möchten euch die Angst nehmen“, erklärte Sigl vor zahlreichen Bürgern. Dass einige Lengdorfer tatsächlich vor ihren künftigen Nachbarn Angst haben und Belästigungen fürchten, machte die Diskussion deutlich. Nachbarn und Fahrgäste befürchten nicht nur lautstark geführte Handygespräche im Bahnhofsumfeld, auch die Frage, „ob man noch in den Zug einsteigen kann“, wurde gestellt. „Ich hab keine Lust, mit denen in Kontakt zu treten“, sagte eine Frau. „Es muss nicht jeder sagen, wunderbar, dass Flüchtlinge kommen, aber wir müssen den Leuten eine Chance geben“, warnte Sigl vor Schwarzmalerei. „Ich versteh eure Ängste, aber ich kann euch versichern, dass es mit den Flüchtlingen in Badberg noch nie Probleme gegeben hat“.

Seit über einem Jahr sind in Badberg geflüchtete Menschen untergebracht, derzeit leben 22 Asylbewerber aus vier Nationen in zwei Wohnungen. Auskunft über die Nationalitäten oder das Alter der neuen Asylbewerber konnte Sigl nicht geben. Sie kündigte aber an, dass diesbezügliche Angaben auf der Homepage des Helferkreises (www.helferkreis-lengdorf.de) veröffentlicht werden sollen, sobald die Flüchtlinge eingetroffen sind.

Auch Splittgerber und zahlreiche Helfer appellierten an die Thanner, offen und freundlich auf ihre neuen Nachbarn zuzugehen. Man werde die Neuankömmlinge frühzeitig darüber informieren, welches Verhalten sich Deutsche von ihren Mitmenschen erwarten. Die Leute sollen wissen, was bei uns Sache ist“, sagte Splittgerber. „Das beste Mittel gegen die Angst ist, im Helferkreis mitzuarbeiten“, sagte eine andere Helferin. Unterstützung bei Behördengängen, dem Erwerb der deutschen Sprache und Alltagsdingen wie Einkaufen oder Arztbesuche werden auch die neuen Flüchtlinge brauchen. Sigl warb deswegen dafür, ehrenamtlich beim Helferkreis mitzuarbeiten. „Ich bin mir sicher, das, wenn wir den Helferkreis nicht hätten, die Nachbarn tatsächlich Probleme hätten“, sagte sie. „Ich jedenfalls bin um jede Hand dankbar“.

Möglichkeiten zum Kontakt zwischen Flüchtlingen und Bevölkerung soll ein weiteres Treffen bieten. Bei aktuellen Problemen könne man sich an sie wenden, sagte die Bürgermeisterin. Eine Art Hotline, wie sie eine Besucherin gefordert hatte, schloss sie allerdings aus. „Bitte nicht gleich nach der Polizei schreien, sondern erst einmal abwarten“, war das Anliegen einer Besucherin. Dass es bei massiven Problemen durchaus angebracht sei, die Polizei zu rufen, warf eine Helferin in die zeitweise sehr emotionale Diskussion.

Der Bahnhof Thann-Matzbach wurde 2014 von einer Architektengemeinschaft erworben. Vor dem ursprünglich für Oktober avisierten Einzug von Asylbewerbern mussten Sanierungs- und Umbauarbeiten durchgeführt werden. 

Anne Huber

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Frauenhaus: Kreisräte wollen endlich mitreden
Nach der Kreistagssitzung am Montag sind die Fronten beim Thema Frauenhaus weiter verhärtet. Da hatte der Landrat nach seiner „Bekanntmachung“ dazu keine Diskussion …
Frauenhaus: Kreisräte wollen endlich mitreden
Zu teuer? Streit um Schüler-Kunst
Das nächste Projekt von Stadtteilkunst wird wieder von Schülern gestaltet. Diesmal werden die weiterführenden Schulen Exponate im öffentlichen Raum schaffen. Harry …
Zu teuer? Streit um Schüler-Kunst
Machtmensch Bayerstorfer hat sich völlig vergaloppiert
Der Streit ums Frauenhaus eskaliert: Jetzt wehrt sich sogar die Kirche gegen die harten Vorwürfe des Erdinger Landrats. Der ist übers Ziel hinausgeschossen, meint …
Machtmensch Bayerstorfer hat sich völlig vergaloppiert
Kirche auf Konfrontationskurs zum Landrat
Beim Sozialdienst katholischer Frauen und bei der Erzdiözese München-Freising ist man entsetzt über die schweren Vorwürfe, die Landrat Martin Bayerstorfer gegen den …
Kirche auf Konfrontationskurs zum Landrat

Kommentare