Ungefähr in diesem Bereich werden Nahwärmeleitungen durch Lengdorf führen. Die genaue Trasse wird noch erarbeitet. Die roten Kreise kennzeichnen die Biogasanlagen, die die Wärme produzieren. Die Einbeziehung der Anlage in Gmaind (rechts unten auf dem Bild) ist noch nicht gewiss. Grafik:
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Ungefähr in diesem Bereich werden Nahwärmeleitungen durch Lengdorf führen. Die genaue Trasse wird noch erarbeitet. Die roten Kreise kennzeichnen die Biogasanlagen, die die Wärme produzieren. Die Einbeziehung der Anlage in Gmaind (rechts unten auf dem Bild) ist noch nicht gewiss.

Geplantes Nahwärmenetz

Die Lengdorfer Bürger-Heizung

  • vonTimo Aichele
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95 Interessenten haben sich für das ökologische Nahwärmenetz in Lengdorf angemeldet. Die IG Regionalwärme hofft auf einen Baubeginn im Herbst - und auf viele Mitglieder der geplanten Genossenschaft.

Lengdorf – Bei der Nahwärmeversorgung von Lengdorf ist ordentlich Dampf im Kessel. Noch läuft die Bedarfsermittlung. Es haben sich allerdings schon 95 Interessenten bei der IG Regionalwärme Lengdorf gemeldet, vor allem die Schule ist hier als Großabnehmer entscheidend. Die einstimmige Unterstützung des Gemeinderats ist dem Projekt bereits seit November gewiss, nun hat eine Besprechung stattgefunden, in der bereits erste mögliche Trassenverläufe zwischen den drei Biogasanlagen rund um das Dorf bis zu den Abnehmern skizziert wurden.

Der „gemeinschaftliche Geschäftsbetrieb“, so die IG, soll unter dem Dach einer noch zu gründenden Genossenschaft abgewickelt werden. „Gemeinsam wird ein Nahwärmeprojekt für alle günstiger, und so könnte eine interessante Symbiose von Gemeinde und Bürgern entstehen“, schreibt Bürgermeisterin Michèle Forstmaier auf der Projekt-Homepage.

„Wir sind nahe an der Fördergrenze. Noch ein paar paar Gebäude entlang der Trasse, und das Nahwärmenetz ist machbar“, berichtet LOS-Gemeinderat Franz Obermeier, der mit Energieberater Stefan Schatz und dem Genossenschaftsexperten Max Riedl die Spitze des zwölfköpfigen Arbeitskreises bildet. „Wenn alles gut läuft, kann im Herbst mit dem Bauen begonnen werden“, sagt Obermeier im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die ersten Anschlüsse am Ortsrand, also nahe der Biogasanlagen, könnten dann ziemlich schnell erfolgen. „Bis man durch das ganze Dorf durch ist, dauert es im besten Fall das ganze nächste Jahr“, erklärt der 52-jährige Elektroingenieur. Er hat auch beruflich mit Biogasanlagen zu tun, betont aber: „Ich werde keinen Auftrag in Bezug auf das Nahwärmenetz annehmen.“

An der Besprechung haben auch die Bürgermeisterin, ein Planer von der Firma Enerpipe und die Betreiber der Biogasanlagen in Hauzenöd und Mehnbach, Hubert Bauer und Rupert Hutterer, teilgenommen. „Beim aktuellen Trend zeichnet sich immer mehr ab, dass auch die dritte Biogasanlage in Gmaind angebunden werden sollte“, berichtet Obermeier. Das hänge allerdings davon ab, ob noch weitere Interessenten in der Nähe der Anlage gefunden werden. Nur so sei dafür Wirtschaftlichkeit zu erzielen.

Grundsätzlich „wären die Betreiber froh, wenn die Abwärme ihrer Biogasanlagen sinnvoll genützt würde“, erzählt Obermeier. Größtenteils werde das reichen. Dennoch sei zusätzlich ein Spitzenlast-Heizkraftwerk nötig. Diese Hackschnitzelanlage werde etwa zehn Prozent des Bedarfs abdecken müssen und als Redundanzquelle, also als Ersatz bei technischen Problemen, dienen. „Das Hackschnitzelkraftwerk wird je nach Wetter wohl zwischen November und März betrieben werden müssen.“ Nun läuft die Standortsuche für diese Heizzentrale.

Die IG sei auch schon bisher aktiv auf die Bürger zugegangen, berichtet Obermeier. „Das funktioniert ganz gut, wenn man direkt mit den Leuten redet.“ Dafür habe die Initiative „Brückenköpfe in den Siedlungen“, also Anspechpartner, die bei ihren Nachbarn für die Nahwärme werben – immer im Spannungsfeld zwischen dem Engagement für Nachhaltigkeit und ökonomischen Überlegungen.

Die kommenden Meilensteine sind nun „die lang ersehnten groben Kalkulationszahlen“, so Obermeier, und erste Kontakte mit Bauunternehmen. Sobald die Kerntrasse feststehe, „müssen die Leute Farbe bekennen, ob sie wirklich dabei sind“, erläutert der LOS-Gmeinderat. Momentan sei die Anmeldung ja noch unverbindlich.

Und das ist entscheidend für die konkrete Planung. Denn Reserven werden nicht vorgesehen. „So ein Netz muss knapp gerechnet werden, damit es wirtschaftlich ist“, erläutert der Ingenieur. Dicke Leitungen mit sehr viel Wasser darin würden zu Ineffizienz führen. Daher werde es im ersten Schritt für den bekannten Bedarf ausgelegt. Das Netz könne man dort voranbringen, wo die Anschlussdichte groß ist. Das heißt auch: Nachzügler können erst angeschlossen werden, sobald es zu einer zweiten Ausbaustufe kommt.

Der Anschluss der Schule dürfte dagegen von Anfang an gesetzt sein. „Die Schulheizung muss unbedingt erneuert werden“, berichtet Obermeier. Bis zu 35 000 Liter Heizöl würden derzeit pro Jahr in den zwei Heizkesseln verfeuert. Zudem sei das Gebäude energetisch nicht optimal. Die Finanzierung der nötigen Sanierungen werde aber gerade in der Nach-Corona-Zeit schwierig werden, vermutet der LOS-Rat.

Hier biete die Mitgliedschaft in der Genossenschaft – „sollte sich der Gemeinderat dazu entscheiden“ – auch der Kommune eine große Chance, so Obermeier. „Die Gemeinde hat dann genug Zeit, die Schule Schritt für Schritt zu sanieren.“ Auch in Kindergarten und Rathaus steht die Erneuerung der Heizungsanlagen an.

Der letzte größere Anlauf zu einer solchen Nahwärmeversorgung habe 2015 stattgefunden, erzählt Obermeier. Damals sei es um Wärme für die Schule und das Sportheim gegangen. „Der Gemeinderat hat aber gesagt: Das rentiert sich nicht eindeutig.“ Die Lehre von 2015 laut Obermeier: „Damals war der Fehler, dass man keine weiteren Abnehmer einbezogen hat. Jetzt gehen wir auf alle Lengdorfer zu.“

Auch das Angebot der Genossenschaft richtet sich an alle Bürger (und die Gemeinde). Hier ist dann Riedls Expertise wertvoll, der als Genossenschaftsgründungsberater bei den Genossenschaftsbanken arbeitet. „Wir möchten eine Genossenschaft platzieren, in der jeder mitmachen kann“, sagt Obermeier – aber nicht muss: Denn auch als Nicht-Mitglied kann man Wärme beziehen.

Informationen

auf regionalwaerme-lengdorf.de

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