+
Lebendige Landwirtschaft: Kaum einen freien Platz gab es mehr im Saal des Gasthauses Menzinger beim Landfrauentag. Seit 1962 gibt es den „Ehrentag der Bäuerinnen“, wie es Marianne Rötzer, die Ehrenvorsitzende der Landfrauen, formulierte. Seit Mitte der 1970er-Jahre findet er in Lengdorf statt. 

Landfrauentag

Einzelhandel eine „Großmacht gegen uns“

Lengdorf - Sichtlich Spaß hatten die Besucherinnen des Landfrauentages in Lengdorf. Denn nach dem Jahresrückblick von Kreisbäuerin Elisabeth Mayr und der nachdenklichen Festrede von Landrat Martin Bayerstorfer trat ein lustiger Gast in Aktion.

Wie jedes Jahr ist auch heuer die Zahl der politischen Ehrengäste beim Landfrauentag beachtlich: Dass die meist Männer sind – sieht man von Umweltministerin Ulrike Scharf und der Lengdorfer Bürgermeisterin Gerlinde Sigl ab – und auch noch im Pulk beieinander sitzen, erfasst der Holledauer Gstanzlsänger Hubert Mittermeier alias Eräpfekraut sofort. Er ist gekommen, um die prominenten und auch die nicht ganz so prominenten Besucher zu derblecken.

Besonders angetan hat es ihm Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz. Der Junggeselle halte nach einer Bäuerin als zukünftige Ehefrau Ausschau und sei „enttäuscht, weil sein Wunschjahrgang ned so stark vertreten ist“, mutmaßt Erdäpfekraut. Doch neben den „Mamas und Omas“, die Mittermeier mehrheitlich im Saal des Gasthauses Menzinger ausmacht („De scheen Dirndl sitz’n dahoam“), sind schon auch zahlreiche junge Bäuerinnen unter den rund 250 Besucherinnen.

Etwa Maria Neumaier und Christine Zollner vom Hauswirtschaftlichen Fachservice, die zusammen mit Hedwig Strobl, der stellvertretenden Ortsbäuerin aus Eitting, am Tisch sitzen. Sie seien nicht das erste Mal in Lengdorf, verraten die Frauen. Am Landfrauentag schätzen sie die Auszeit, das Referat, das einem etwas zum Nachdenken mit nach Hause gebe, und dass man sich mit anderen Frauen unterhalten könne. „Unterhaltsam“ sei der Landfrauentag, sagen auch drei jugendlich aussehende Reichenkirchenerinnen, die außer ihrem Alter – zwischen 36 und 44 – nichts von sich verraten wollen.

Eine, die von Anfang an dabei ist, ist Marianne Rötzer. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen darf sich die langjährige Kommunalpolitikerin Ehrenvorsitzende der Landfrauen nennen. Seit 1962 gibt es den „Ehrentag der Bäuerinnen“, erinnert sie sich. Seit Mitte der 1970er-Jahre findet er in Lengdorf statt. Dass die Lengdorfer Premiere mit einem Chaos endete, weil man nicht mit so vielen Besuchern gerechnet hatte und wegen des Platzbedarfs die wohl sortierten Tombolagewinne heillos durcheinander gerieten, ist nur eine der vielen Anekdoten, die Rötzer spontan einfallen.

Derweil macht Erdäpfekraut, assistiert von Kreisbäuerin Elisabeth Mayr als Einsagerin, mit seinen G’stanzln weiter. „Des Oberteil hast beim Ferseh’n g’häkelt, des duad ma scho gfoin. In der Mitt’ war a Krimi, da san a paar Maschn runtergfoin“, inspiriert ihn dabei der Pullover einer Besucherin. Von den Besucherinnen wusste er, dass sie landwirtschaftsüblich mit „Hirn arbeiten“ und erst nach Hause gehen, wenn sie wissen, „dass der Mo scho mit der Stallarbeit o’gfangt hod“.

Glücklich über die gute Stimmung im Saal ist Kreisbäuerin Mayr, die Mittermeier zum Landfrauentag eingeladen hat. 2016 sei erneut ein schwieriges Jahr mit Preisverfall beim Fleisch und stagnierendem Milchpreis gewesen, hat sie in ihrem Jahresrückblick bemerkt. Den „Untergang der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Südbayern“ sieht sie im Vorschlag, dass die Deutschen ihren Fleischkonsum halbieren sollen. Und im Lebensmitteleinzelhandel macht sie immer mehr „eine Großmacht gegen uns“ aus. Doch die Bauern hätten auch Erfolge erzielen können, wie die Unterschriftenaktion „Bayern braucht Bauern“ gegen Ramschpreise für Lebensmittel, oder die Umsetzung des EU-Schulprogramms, das ab dem Schuljahr 2017/18 das Schulobstprogramm ablösen wird.

Ein ganz besonderes Lob übrig hat die Kreisbäuerin für Helene Lohmaier und Gabi Thalmaier aus Lappach, Irmgard Posch und Gine Wimmer aus Isen, Marille Stangl, Christl Gugetzer und Margret Hutter aus Lengdorf sowie Helga Hartl und Lore Hermansdorfer aus Matzbach. Sie haben sich um den Tischschmuck gekümmert und die Bühne mit Weihnachtssternen dekoriert. Mayrs Dank gilt auch Landvolkpfarrer Josef Mayer für den besinnlichen Gottesdienst und dem Landfrauenchor, der „für den heutigen Tag fleißig geübt hat“.

Anne Huber

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Lindenallee zum Sterben verurteilt
Der Landkreis besitzt entlang der geschützten Lindenallee nur einen schmalen Grünstreifen. Zu schmal für einen dauerhaften Erhalt, sagen die Experten vom Staatlichen …
Lindenallee zum Sterben verurteilt
Bekenntnisse einer Rabenmutter
Martina Schwarzmann stellte in einer Vorpremiere dem Dorfener Publikum ihr neues Programm „genau Richtig“! vor. Für die Geschichten aus ihrem Alltag erntete sie viel …
Bekenntnisse einer Rabenmutter
Schlangenlinien nach Oktoberfest
Trotz der zum Oktoberfest angekündigten verstärkten Alkoholkontrollen sind am Mittwoch drei alkoholisierte Oktoberfestbesucher betrunken nach Hause gefahren.
Schlangenlinien nach Oktoberfest
Neue Chefin fürs Finanzamt Erding
Die rund 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Erdinger Finanzamts bekommen eine neue Chefin. Dr. Sabine Mock (44) folgt auf Leitenden Regierungsdirektor Josef …
Neue Chefin fürs Finanzamt Erding

Kommentare