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Idyll in Autobahnnähe: Auf dem Hof von Bernhard Karrer (r.) in Gmaind bei Lengdorf fand am Montag die vorläufige BBV-Erntebilanz statt. Die Familie betreibt Bullenmast, Grünland- und Ackerbau sowie eine Biogasanlage. Der Hof liegt in unmittelbarer Nähe zur A 94. Rechts in der Mitte ist die Lärmschutzwand zu erkennen.

Witterung günstig und kaum Sturmschäden: Landwirte rechnen heuer mit guter Ernte

„Wir müssen uns für Wetterextreme rüsten“

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Die Landwirte im Kreis Erding sind zufrieden, dankbar und hoffnungsvoll. Zufrieden, weil es nach einer guten Ernte aussieht, dankbar, weil sie von schlimmeren Unwettern bislang verschont geblieben sind, und hoffnungsvoll, dass es zur Erntezeit sommerlich und damit vor allem trocken bleibt.

Einmal im Jahr, kurz vor den Sommerferien, lädt der Bauernverband zur Ernte-Pressefahrt ein, diesmal auf den Hof von Bernhard und Josef Karrer in Gmaind bei Lengdorf. Die Familie betreibt Bullenmast, Grünland- und Ackerbau sowie eine 380 kw/h-Biogasanlage. Der Hof liegt in unmittelbarer Nähe zur A 94. „Bei bestimmten Wetterlagen hören wir den Verkehr sehr“, berichtet Josef Karrer. „Die Wege zu manchen Feldern sind jetzt länger“, ergänzt Sohn Bernhard.

Das verheerende Hochwasser im Süden und Westen der Republik sowie andere extreme Wetterlagen in diesem Sommer treiben auch die Landwirte im Kreis Erding um. BBV-Kreisobmann Jakob Maier sagte, glücklicherweise sei man bisher von größeren Hagelwalzen verschont geblieben. Andere hätten nahezu alles verloren. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU), selbst praktizierender Landwirt, meinte: „Diese Starkregenereignisse verlangen eine Anpassung der Produktionsweise.“ Ein guter Boden und Fruchtfolge seien etwa geeignet, um Bodenerosion beim Maisanbau zu verhindern.

Auch Reinhard Menzel, neuer Chef des Landwirtschaftsamts Ebersberg-Erding, geht davon aus, dass Wetterextreme zunehmen und man bei der Bewirtschaftung darauf reagieren müsse. Er hält eine möglichst hohe Biodiversität für ein gutes Instrument. Dr. Josef Schächtl vom Landwirtschaftsamt sagte: „Nur die Landwirte haben die großen Flächen für die Versickerung. Aber der Boden muss geeignet und bereitet sein, sonst läuft das Wasser unkontrolliert ab.“

Grundsätzlich könne der Nährstand sehr zufrieden sein, bilanzierte Kreisobmann Maier. Heuer habe man weniger gegen Hitze und Trockenheit kämpfen müssen. „Deswegen erwarten wir eine gute Ernte“, so der Niederdinger. Bei der Wintergerste sei man zeitlich ein wenig hinterher: „Die muss jetzt geerntet werden.“

Zur Witterung erklärte Agrarexperte Schächtl, dass es zwar den Winter über wenig Regen gegeben habe und das Frühjahr eher kalt und trocken gewesen sei. „Da sind die Wasserreserven im Boden zurückgegangen“, so Schächtl. Im Mai und Juni habe es dann aber überdurchschnittlich viel geregnet, für die Bauern ein Segen. Er erwarte eine „gute bis sehr gute Ernte“. Allerdings, so Schächtl, habe Feuchtigkeit den Nachteil, dass vor allem Getreide für Krankheitserreger anfälliger sei und es Pflanzenschutzes bedürfe.

Kreisbäuerin Irmgard Posch wies auf die schwierige Lage in den Forsten hin. „Da liegt leider nach wie vor sehr viel Sturmholz, und der Borkenkäfer wütet.“ Das sei ein großes Problem.

Kreisobmann Maier bekannte sich zu einer möglichst hohen Biodiversität, warnte aber davor, einseitig auf die viel beschworene Extensivierung zu setzen. „Der Landkreis Erding ist eine Region mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Wir können es aber auch.“ Dies geschehe nicht zum Selbstzweck. „Es geht um die Produktion hochwertiger Nahrungsmittel für viele Menschen“, so Maier, der darauf verwies, dass man trotz 2000 Höfen „deutlich mehr landwirtschaftliche Produkte ein- als ausführe“.

Ein Beispiel für eine breit aufgestellte Landwirtschaft ist der Hof der Familie Karrer. Bernhard Karrer erklärte, bei der Grünlandwirtschaft habe man ein geschlossenes System. Der Grünschnitt lande in der Biogasanlage, die liefere Strom und Wärme. Karrer betreibt damit nicht nur eine Trocknungsanlage, sondern speist auch die Fernwärmeversorgung des benachbarten Weilers Höhenberg. Demnächst will er ins geplante Fernwärmenetz der Gemeinde Lengdorf einspeisen.

Anbau in Zahlen:

Gesamtfläche: 58 900 ha

Mais: 19 363 ha

Getreide gesamt: 18 536 ha

Winterweizen: 11 838 ha

Wintergerste: 3420 ha

Sommer-/Braugerste: 810 ha

Hafer: 810 ha

Raps: 1444 ha

Kartoffel: 1498 ha

Klee, Ackergras, Lupine: 2322 ha

Dauergrünland: 13 040 ha

Sojabohne: 751 ha

Ackerbohne: 106 ha

Körnererbsen: 64 ha

Zuckerrüben: 400 ha

Feldgemüse: 420 ha

Im Landkreis werden auf 6163 Hektar Fläche Maßnahmen im Rahmen der ökologischen Vorrangflächen durchgeführt. Dies geschieht vor allem mit Zwischenfrüchten. Der Rapsanbau geht zurück, weil der Schädlingsdruck zunimmt und wichtige Pflanzenschutzmittel nicht mehr verwendet werden dürfen, erklärt Dr. Josef Schächtl vom Landwirtschaftsamt.

ham

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