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Trauriger Alltag sind Wildunfälle, hier ein besonders schwerer im August 2015 auf der Flughafentangente.  

Kreisjagdverband 

Jäger ratlos: Fast 1400 Wildunfälle pro Jahr

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Lengdorf – Ein Drittel der Wildtiere, die pro Jahr im Erdinger Land getötet werden, sterben bei Unfällen. Für die Jäger ist das eine alarmierend hohe Zahl. Das Problem ist schwer in den Griff zu bekommen. In der Hauptversammlung des Kreisjagdverbands kamen weitere heiße Eisen zur Sprache.

Mit 537 Mitgliedern ist der Kreisjagdverband Erding (KJV) einer der größeren Vereine in Landkreis, beim Bayerischen Jagdverband ist Erding unter den Top Ten. Am Freitag zog Vorsitzender Thomas Schreder im Gasthof Menzinger in Lengdorf Bilanz. Dabei wurde deutlich: Die Jagd vor Ort sieht großen Herausforderungen entgegen.

Als drängendstes Problem nannte Schreder die hohe Zahl an Wildunfällen. 1367 seien es im vorigen Jahr insgesamt gewesen. 1158 Kollisionen habe es mit Rehen, Rot- und Damwild gegeben. Für Schreder besonders schlimm: Im August 2015 wurde auf der Flughafentangente ein Mann beim Zusammenstoß mit einem Reh lebensgefährlich verletzt, im Januar 2016 starb bei Langenpreising eine Frau bei einem Wildunfall. Laut Schreder sind im Kreis Erding die Wildunfallzahlen besonders hoch. Er führte das unter anderem auf viele stark frequentierte Durchgangsstraßen zurück.

Was den Vorsitzenden nicht minder umtreibt: „Unsere Möglichkeiten gegenzusteuern, sind begrenzt.“ Dabei, versicherte Schreder, habe man vieles versucht: Mit den blauen Reflektoren an Straßenleitpfosten habe man in Bayern ein Pilotprojekt gestartet – mit gemischtem Erfolg. „An manchen Stellen hat es was bewirkt, an anderen nicht. Mancherorts wurde es nur in Verbindung mit Duftzäunen besser.“ Für ihn ist es dramatisch, dass ein Drittel der Reh-Strecke, also die Gesamtzahl der erlegten Tiere, aus Unfällen herrühre. Sein Appell an alle Autofahrer: „Wo gewarnt wird, sollte man immer besonders vorsichtig fahren.“ Schreder stellte aber auch klar: „Wir haben hier nicht zu viel Wild. Die Bestände sind angepasst.“

Zwei weitere Probleme treiben die Jäger um: „Auch bei uns im Landkreis gibt es immer wieder Wilderei“, so Schreder. Sehr ärgerlich seien darüber hinaus wildernde Hunde, die nicht nur Tiere rissen, sondern auch Qualen bei verletzten, aber nicht getöteten Tieren auslösten.

Was Vogelgrippe und Geflügelpest betrifft, stellte Schreder klar, „dass wir nach wie vor keine Entspannung haben“. Bayernweit seien weiterhin Wildvögel betroffen. Aus dem Kreis Erding ist allerdings weiterhin nicht einmal ein Verdachtsfall bekannt. Die Stallpflicht gilt nach den Worten des Vorsitzenden unverändert. Schreder empfahl seinen Kollegen: „Wenn ihr verendete Vögel findet, schaltet die Behörden ein oder bringt die Kadaver unter Einhaltung der Hygienevorschriften zu unserem Veterinär Dr. Klaus Ottis.“

Weiter Probleme mit Schießstand

Zum Schwarzwild, also erlegten Wildschweinen, merkte der KJV-Chef an, bei ihm könne das Fleisch auf die Radium-Cäsium-Belastung hin überprüft werden. Zudem gebe es mehrere Möglichkeiten, das Fleisch auf Trichinen hin testen zu lassen. Zum Schießstand in Osendorf erklärte Schreder, dass nach wie vor erheblicher Modernisierungsbedarf bestehe, der der Nutzung entgegen stehe.

Als großen Erfolg bezeichnete er den Landes-Jagdhornbläserwettbewerb 2016 in Erding. Auf dem Christkindlmarkt auf dem Schrannenplatz und beim Jagafest im August im Bauernhausmuseum habe man sich optimal präsentiert.

Harsche Worte fand Schreder hingegen nicht nur für die – mittlerweile gestoppte – Bauernregel-Kampagne von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, sondern auch für das erfolgreiche Verdrängen des Liedes „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ aus einem Glockenspiel in Hessen. Das könne nur ein schlechter Faschingsscherz sein. Er warnte vor einem schleichenden Verlust von Kulturgut. In der Versammlung wurden zahlreiche verdiente und langjährige Mitglieder geehrt (Bericht folgt).

Hans Moritz

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