Unzählige Cenoten, also Grotten mit einem Grundwasserzugang, gibt es in Mexiko, wie hier auf der Halbinsel Yucatan. Wittman und Spagel haben bei ihrer Tour einige dieser imposanten Naturerscheinungen entdeckt.
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Unzählige Cenoten, also Grotten mit einem Grundwasserzugang, gibt es in Mexiko, wie hier auf der Halbinsel Yucatan. Wittman und Spagel haben bei ihrer Tour einige dieser imposanten Naturerscheinungen entdeckt.

Thomas Wittmann aus Lengdorf und Kathi Spagel aus Isen sind auf Weltreise

„Gefühlt die einzigen Touristen“

Thomas Wittmann kennt man im Landkreis spätestens seit seiner Moped-Tour nach Las Vegas. Nun ist der 25-Jährige mit seiner Freundin auf Weltreise.

Lengdorf/San Christóbal – Eine Weltreise in Zeiten von Corona? Unmöglich, denken wohl sofort die meisten. Dass es sehr wohl geht, beweist seit März Thomas Wittmann (25) aus Lengdorf. Gemeinsam mit seiner Freundin Kathi Spagel (24) aus Isen erkundet der Schauspieler und Filmproduzent gerade andere Kontinente.

Die Seychellen, Costa Rica, Panama und Mexiko waren bereits Stationen des jungen Paares. Im Jahr der Pandemie ist das Reisen allerdings mit viel Spontanität und Herausforderungen verbunden. Immer mehr Menschen nutzen die internationalen Lockerungen, um endlich wieder zu urlauben.

Malerische Kulisse: Die Küste in Anse Lazio zählt zu den bekanntesten Stränden der Seychellen. Normalerweise sind dort unzählige Touristen. Der Lengdorfer Thomas Wittmann und die Isenerin Kathi Spagel waren dort jedoch ganz alleine.

Wittmann kann diese Sehnsucht nachvollziehen. Der 25-Jährige hat bereits viel von der Welt gesehen. Beispielsweise ist er mit seinem Bruder Julian 2018 auf der Zündapp von Lengdorf nach Las Vegas gefahren. Mit seiner Partnerin war der gelernte Immobilienkaufmann Anfang 2019 zum „Work and Travel“ in Kanada. Wegen der umfangreichen Arbeiten für den „Ausgrissn“-Kinofilm kehrten sie jedoch früher zurück, damit Wittmann besser bei der Produktion unterstützen konnte. „Unser Plan war, nach ,Ausgrissn’ eine größere Reise nachzuholen“, erläutert der Lengdorfer. Wegen Corona verzögerte sich jedoch alles. Spagel, die als Erzieherin tätig ist, unterschrieb einen befristeten Vertrag bis Ende 2020 in der Hoffnung, danach mit ihrem Freund auf eine große Reise zu gehen. „Dass Corona so lange dauert, hätten wir uns auch nicht gedacht“, gibt Wittmann zu.

Nach und nach reifte die Idee, trotz Pandemie in die weite Welt zu starten. „Wir dachten uns, wenn wir es noch weiter rausschieben, machen wir es wahrscheinlich gar nicht mehr“, erklärt der 25-Jährige angesichts weiterer Zukunftsplanungen. Der Start der „sehr spontanen Reise um die Welt“, wie sie Wittmann betitelt, verzögerte sich zum Jahresbeginn noch etwas, da der Lengdorfer bis Ende Februar für einen neuen Polizeiruf-Film vor der Kamera stand.

Anfang Februar buchte das junge Paar ihre erste Station: die Seychellen. Die Inseln in Ostafrika galten Anfang März noch als Risikogebiet. Wittmann und Spagel mussten bei ihrer Einreise zehn Tage lang in Quarantäne, „wobei die davon eine andere Auffassung haben als wir“, erklärt Wittmann lachend. Er und seine Freundin durften sich in der Zeit nämlich frei auf dem Hotelgelände bewegen und sogar an den Strand. Nach der Quarantäne erkundeten die beiden, die jeweils mit einem 17 Kilo schweren Rucksack reisen, noch das Land. „Es war traumhaft. Wir waren gefühlt die einzigen Touristen und hatten Traumstrände für uns allein“, schwärmt der Filmproduzent. Die Einheimischen wiederum hätten sich sehr über die Gäste gefreut.

Über einen Zwischenstopp in Frankfurt ging es anschließend weiter nach Costa Rica. Zur Einreise notwendig war dort ein Negativtest, was Wittmann allerdings zum Schwitzen brachte. „Das Volk auf den Seychellen ist eher gemütlich und nicht ganz so schnell bei der Testauswertung.“ Das Ergebnis kam erst ganz kurz vor dem Abflug. In Costa Rica boomte der Tourismus schon etwas mehr. Ohne Quarantäne besichtigen Spagel und Wittmann viele Nationalparks und Vulkangebiete, den Nebelwald Monteverde oder absolvierten einen Surfkurs. Das persönliche Highlight des Lengdorfers war dort „der sauguade Kaffee“.

Mit Negativtest und Einreiseformular ging es im Anschluss für dreieinhalb Wochen nach Panama. Das junge Paar beobachtete dort das Treiben am Panama-Kanal und unternahm eine Nachtwanderung zum Volcán Barú – dem mit 3500 Meter höchsten Berg des Landes. Nach fünf Stunden Aufstieg sahen die Touristen den Sonnenaufgang über den Wolken. „Das war ein atemberaubendes Erlebnis“, blickt Wittmann zurück.

Die Weltreise führte anschließend nach Mexiko, wo sich das Paar seit mittlerweile eineinhalb Monaten aufhält. Sie erkundeten dort bereits verschiedene Städte sowie das bekannte Weltwunder, die Maya-Stätte Chichén Itzá. Einen Gänsehautmoment bescherte Wittmann kürzlich der erste Kinobesuch seit Monaten, wie er sagt.

Bislang hatten bei den Reisezielen der Erdinger Touristen immer alle Läden und Restaurants geöffnet. Gängige Hygieneregeln wie Hände waschen und desinfizieren oder Maske beim Betreten von Geschäften gelten auch dort. In Panama im Bezirk Boquete gab es mal eine Art Ausgangssperre – allerdings nur für einen einzigen Tag. Wittmann vermutet politische Gründe hinter dieser Aktion. In Mexiko werden zwar teils sogar Fußsohlen desinfiziert. Ansonsten gibt es in dem nordamerikanischen Land laut Wittmann allerdings eher die geringsten Pandemie-Vorschriften. „Teilweise ist hier das Leben schon wieder sehr wie zuvor, und es gibt öfters große Menschenansammlungen“, berichtet der 25-Jährige. Der Lengdorfer und seine Freundin legen sehr viel Wert darauf, sich bei ihrer Reise stets an Vorschriften zu halten. Eine Infektion mit Covid-19 wollen sie – egal an welchem Ort – natürlich vermeiden, „aber wir sind auch nicht ängstlich. Sonst dürften wir auch nicht wegfliegen.“

Noch ein paar Tage will das Paar in Mexiko bleiben. Danach geht es vermutlich nach Alaska. Kanada, Südamerika oder Hawaii seien weitere Länder, die Wittmann noch sehr interessieren würden. Aktuell planen die beiden Weltreisenden, noch bis Jahresende unterwegs zu sein. Beide hätten in vergangenen Jahren viel für ihre Reise gespart.

Da sich Thomas Wittmann mit seinem Bruder Julian mit der Produktionsfirma „Schau Hi Films“ vor einigen Jahren selbstständig gemacht hat, muss der 25-Jährige gelegentlich vom anderen Kontinent aus arbeiten. Die Vorbereitungen für neue Filmprojekte in den kommenden Jahren laufen nämlich bereits. Bereut haben Spagel und Wittmann ihre Weltreise bislang nicht. Ihre Erlebnisse teilen sie unregelmäßig auf dem Ausgrissn-Instagram-Kanal und haben bisher kaum kritische Nachfragen, sondern viel mehr Zuspruch erhalten. Für das Paar ist jedoch herausfordernd, dass die Planungen der weiteren Reiseziele viel kurzfristiger erfolgen müssen und mit viel detaillierter Recherche verbunden sind. Trotz Einschränkungen bezeichnet Wittmann die aktuelle Zeit allerdings als „sehr gute Zeit zu reisen. Wenn man dann an seinem Ziel ist, wird man für den Aufwand auch belohnt.“

Markus Ostermaier

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